Gemeinden, Kantone und Bund geben jährlich für die Beschaffung von Bauten, Waren und Dienstleistungen 30 Mrd Fr. aus. Dies entspricht etwa 25% der gesamten Staatsausgaben. Wieviel davon in die Kassen von Beratungsfirmen fliesst, lässt sich nicht eruieren. Nationalrat Hans Widmer wollte es im März 2003 genau wissen und fragte in einer Motion: «Welche Beratungsfirmen haben in den letzten zwei Jahren Beratungs- und Studienaufträge von über 70000 Fr. von der Bundesverwaltung erhalten?» Antwort des Bundesrats im Juni: Eine zentrale Statistik werde nicht geführt, Aufträge, die 250000 Franken übersteigen, würden im Schweizerischen Handelsamtsblatt publiziert und könnten dort eingesehen werden.

Beträchtliche Leistungen

«Aufgrund des sehr kompetitiven Beratungsmarktes ohne kartellartige Strukturen kann jedoch angenommen werden, dass in den letzten Jahren eine grössere Zahl der auf über 2000 geschätzten Unternehmensberatungsfirmen in der Schweiz Aufträge im Volumen von über 70000 Fr. erhalten haben», mutmasste der Bundesrat. Auch der Berner Professor und Leiter des Instituts für Organisation und Personal, Norbert Thom, hält die für den öffentlichen Sektor erbrachten Beratungsleistungen für «beträchtlich».

BDO Visura erarbeitet nach eigenen Angaben 14% des Jahresumsatzes von 128,1 Mio Fr. mit Mandaten im öffentlichen Sektor. Bei Bearing Point Schweiz ist es «ein schwaches Drittel ­ mit zunehmender Bedeutung». Diese optimistische Einsicht teilt Thom: «Im öffentlichen Sektor sind sehr viele Reformprojekte im Gange, für die den bewusst auf Schlankheit getrimmten Verwaltungen die Kapazitäten teilweise fehlen.» Norbert Thom betont, dass er es nicht für eine Schwäche halte, Berater ins Haus zu holen ­ im Gegenteil: «Um die Dinge ins Rollen zu bringen, sind externe Berater oft nötig.»

2007 kommt die Transparenz

Die Anforderungen an die Transparenz dieser Erhebungen seien erst in letzter Zeit gestiegen und hätten dazu geführt, dass man die Beschaffungsstatistiken für unzureichend halte, meint Elisabeth Vogt, Geschäftsleiterin der Beschaffungskommission des Bundes. Gegenwärtig sei man dabei, ein neues Beschaffungsstatistik-Konzept zu erstellen. Extern vergebene Dienstleistungen werden damit exakt bezifferbar. Stimmen die Räte der Einführung des «Neuen Rechnungsmodells Bund» zu, würde im Jahr 2007 auch damit ein flexibleres System zur Verfügung stehen, das Ad-hoc-Auswertungen erlaubt.

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Alte Gewohnheiten

Wird grössere Kostentransparenz Auswirkung auf die Vergabepraxis haben? Offiziell gilt seit Mitte der 90er Jahre, dass der Zuschlag für ein öffentliches Mandat generell an das wirtschaftlich günstigste Angebot gehen soll. Noch vor zwei Jahren stellte eine Studie des Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrums der Universität Basel fest, es sei nicht so sehr das Beschaffungsrecht, das Schwächen aufweise, sondern die Beschaffungspraxis: «Das derzeitige Hauptproblem des öffentlichen Beschaffungswesens besteht in der Schweiz darin, dass ­ der Schutz eigener Anbieter gegenüber auswärtiger Konkurrenz ­ nachwirken», konstatieren die Autoren der Studie.

Nachdenklich stimmt vor diesem Hintergrund die Antwort eines im öffentlichen Bereich tätigen Consultants auf die Frage, wie er Aufträge akquiriere: «Sehen Sie - wir sind schon so lange drin, man kennt uns einfach.» Gut möglich, dass Bekanntschaft in Zukunft eine weniger wichtige Rolle in der Akquisition spielen wird als bis anhin.