Der Schienenfahrzeug-Hersteller Stadler Rail blickt wegen des starken Schweizer Franken auf ein schwieriges Geschäftsjahr 2012 zurück. Zwar hat das Unternehmen den Umsatz klar gesteigert, der Bestellungseingang fiel aber unter dem Wert der letzten Jahre aus. Deutlich besser ist Stadler Rail indes ins neue Geschäftsjahr gestartet. 

Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr deutlich um rund 1 Milliarde auf 2,4 Milliarden Franken. Die Steigerung sei dank des hohen Auftragseingangs aus den Jahren 2008 bis 2010 erreicht worden, teilt Stadler Rail mit. Der Bestellungseingang in Höhe von 720 Millionen Franken lag aber deutlich unter dem Wert der letzten Jahre. Viele internationale Ausschreibungen seien abgesagt oder verschoben worden.

Vor allem in den klassischen westeuropäischen Märkten von Stadler reduzierte sich die Anzahl der Ausschreibungen aufgrund der Schuldenkrise stark. Der Schweizer Franken als sicherer Hafen sei zudem massiv aufgewertet worden, was im Export auf einen Schlag zu einer Preissteigerung von bis zu 30 Prozent geführt habe, so das Unternehmen. Stadler Rail reagierte auf diese Situation mit einem Massnahmenpaket, welches neben einem Kostensenkungsprogramm, Einkaufsverlagerungen in den Euro-Raum, der Modularisierung der Fahrzeugkonzepte und Innovation auch die Verlagerung von Aufträgen in die ausländischen Tochtergesellschaften umfasst. Dennoch hätten die erschwerten Rahmenbedingungen das Unternehmen 2012 rund 2 Prozent der konsolidierten EBIT-Marge gekostet. 

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Potenzial im arabischen Raum

Zudem hat die Gesellschaft auch strategische Schritte zur Verbesserung der Wettbewerbssituation eingeleitet. So hat Stadler Rail erstmals einen Auftrag für U-Bahn-Züge gewonnen. Zudem hat die Gruppe einen Hochgeschwindigkeitszug bis Tempo 250 km/h entwickelt. Dieser sei im Dezember 2012 den SBB im Rahmen der Ausschreibung neuer Züge für die Neat-Achse Frankfurt-Zürich-Mailand angeboten worden. Der Vergabeentscheid werde noch im laufenden Jahr erwartet. 

Eine weitere strategische Stossrichtung ist die Erschliessung neuer Märkte. Dabei sieht Stadler Rail vor allem in Zentral- und Osteuropa Wachstumspotenzial. Insbesondere in den GUS-Staaten seien die Flotten veraltet. Dank reicher Bodenschätze hätten die Staaten kaum finanzielle Probleme. Als Beispiel berichtet das Unternehmen von einem Auftrag für die russische Aeroexpress mit einem Volumen von 350 Millionen Euro, der im Februar 2013 eingegangen ist. 

Potenzial sieht Stadler Rail auch im arabischen Raum. Mit der Referenz des U-Bahn-Auftrages aus Berlin beteiligt sich das Unternehmen insbesondere an Metro-Ausschreibungen. Neben der Ausschreibung der SBB laufen weitere wichtige Ausschreibungen sowohl im In- wie im Ausland. So hat Stadler beispielsweise den Verkehrsbetrieben Zürich VBZ eine Offerte für einen grösseren Teilersatz der Tram-Flotte abgegeben.

Auch in Aserbaidschan, in Kasachstan und weiteren GUS-Staaten bestehe eine gute Ausgangslage, heisst es weiter. Dennoch blieben die weiteren Auswirkungen der Euro- und Schuldenkrise wohl noch für längere Zeit stark spürbar. Stadler leitete deshalb weitere Massnahmen zur Steigerung der Produktivität und zur Kostensenkung ein. Den schwierigen Bedingungen will das Unternehmen insbesondere mit Innovationen und der Technologieführerschaft begegnen.

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(muv/jev/awp)