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Stadler Rail
Stadler Rail stolpert über US-Regularien

Spuhlers Blick in die USA: Bei einer Medienkonferenz von Stadler Rail.Keystone

Ein 100-Millionen-Dollar-Deal in den USA von Stadler Rail steht auf tönernen Füssen. Der Grund: Regelverstösse der Verkehrsbehörde im Mormonenstaat.

Von Bernhard Fischer
am 02.12.2015

Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler hat Probleme in den USA. Weil eine US-Delegation der Verkehrsbehörde von Utah, die Utah Transport Authority (UTA), bestehend aus Senatoren und Lobbyisten, ohne den Sanktus der UTA-Geschäftsleitung im September einen Besuch in die Schweiz unternahm, wurde ein öffentliches Bieterverfahren der UTA temporär ausgesetzt. Es geht dabei um eine Endmontagehalle für die Zugfertigung, wofür sich Stadler Rail interessiert.

Die US-Funktionäre trafen in der Schweiz auf Bundesrat Johann Schneider-Ammann und besuchten auf ihrer einwöchigen Tour auch den Zugbauer in Bussnang TG. Das bestätigt Stadler Rail gegenüber der «Handelszeitung». Die Reise war allerdings im Rahmen des öffentlichen Bieterverfahrens nicht mit der Leitung der UTA abgestimmt. Deshalb mussten drei Mitarbeiter aus der Führung der UTA wegen möglicher Interessenkonflikte bereits den Hut nehmen. 

Dezember-Meeting in Utah

Stadler Rail benötigt einen US-Standort für die Erfüllung eines 100-Millionen-Dollar-Auftrags in Texas. Weil für diesen Auftrag US-Bundesgelder zum Einsatz kommen, greift ein US-Gesetz, der Buy America Act, der 60 Prozent Wertschöpfung in den USA vorschreibt. Ein angemieteter Standort in Utah sollte diese Vorgaben erfüllen. «Dass für eine zweijährige Mietdauer überhaupt eine öffentliche Ausschreibung erfolgen muss, hat uns sehr überrascht», sagt Sprecherin Marina Winder der «Handelszeitung». Stadler Rail sei über das Bieterverfahren nicht informiert worden.

Die Compliance-Probleme der Verkehrsbehörde in Utah könnten den Mietvertrag und damit die Lieferverpflichtungen des Thurgauer Zugbauers in Texas empfindlich stören. Liefertermin ab Werk ist Juli 2017. Sprecherin Winder beschwichtigt: «Der Liefertermin hat keinerlei Auswirkungen auf den Zeitplan.» Ein Entscheid «sollte Mitte Dezember fallen», heisst es. Zwar wurde das Bieterverfahren für die Montagehalle in Utah wieder aufgenommen, aber laufende interne Compliance-Untersuchungen bei der UTA könnten das Prozedere hinauszögern. Am 10. Dezember findet im Gouverneursbüro für Wirtschaftsfragen in Utah ein Treffen statt, an dem das weitere Vorgehen erörtert werden soll.

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