Seit 2006 informieren die Schweizer Stromversorger ihre Endkunden über die Anteile der Energieträger. Auf der Basis dieser Stromkennzeichnung entstand für das Jahr 2009 eine Rangliste der führenden Anbieter von erneuerbaren Energien. Die Analyse umfasst die 20 grössten Schweizer EVU, gemessen an ihrem Stromabsatz bei Endkunden. Diese Unternehmen weisen einen jährlichen Absatz von über 550 GWh auf und decken zusammen knapp zwei Drittel des Schweizer Endverbrauchs von 57 494 GWh ab.

Neue erneuerbare Energien im Fokus

Die vier Stadtwerke IWB, SIG, EWZ und SIL führen die Rangliste deutlich an. Bei allen geht der hohe Anteil an erneuerbaren Energien in erster Linie auf Investitionen in Wasserkraftwerke in den vergangenen Jahrzehnten zurück. Auch bei der strategischen Ausrichtung weisen die vier Spitzenreiter Ähnlichkeiten auf: Alle streben einen Ausbau ihres Kraftwerkportfolios mit neuen erneuerbaren Energien an (vor allem Sonne und Wind). Als Beispiele dafür gelten die Beteiligungen an einem spanischen Solarthermie-Kraftwerk und einem Windpark in der Nordsee (IWB), die Entwicklung von sieben Windparks im Jura und die Prüfung eines neuen Wasserkraftwerks an der Rhone (SIG), der Erwerb von 27 Windturbinen in Deutschland und die Beteiligung an einer norwegischen Windparkgesellschaft (EWZ) sowie die Entwicklung eines Windparks bei Lausanne (SIL).

Die erneuerbaren Energieträger machen rund 56,2 Prozent der Gesamtproduktion in der Schweiz aus. Nur die vier Stadtwerke von Basel, Genf, Zürich und Lausanne weisen einen überdurchschnittlichen Anteil am Endkundenabsatz auf. Alle übrigen betrachteten EVU liegen unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt. Insgesamt betragen die erneuerbaren Energien der 20 grössten Schweizer EVU nur gerade 37,6 Prozent des Gesamtabsatzes. Die Differenz zwischen diesem und dem gesamtschweizerischen Mittel könnte in einem mangelnden Nachweis der Wasserkraft und entsprechend fehlender Deklaration in den Stromkennzeichnungen begründet sein. So liegt bei fünf Werken der Anteil «nicht überprüfbarer Energieträger» bei über 50 Prozent.

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Stimmbürger geben das Tempo vor

Im Gegensatz zu den ehemaligen Investitionen in Wasserkraftwerke, die sich heute in den hohen Wasserkraftanteilen widerspiegeln, sind die Auswirkungen des aktuellen Ausbaus neuer erneuerbarer Energien trotz intensiver Kommunikation kaum sichtbar. So weist das EWZ auf Platz eins nur gerade 3,7 Prozent auf. Ein Anteil von 1,0 Prozent reicht bereits für Rang 3.

Im Hinblick auf die heutigen Gestehungskosten und erzielbaren Marktpreise kommen wirtschaftliche Gründe nicht als Haupttreiber für neue erneuerbare Energien in Frage. Der politische Wille des Stimmvolkes scheint entscheidender zu sein. Die Spitzenplatzierung des EWZ ist im Kontext des Volksentscheids zum Ausstieg aus der Kernenergie bis 2040 zu sehen (siehe auch Seite 63). Die dritt- und viertplatzierten SIG und IWB haben von ihren Eigentümern ebenfalls einen klaren Auftrag, neue erneuerbare Energien zu fördern. Auch der 5. Rang von EWB lässt sich - zumindest teilweise - mit dem von der Stadt Bern geplanten Ausstieg aus der Kernenergie erklären.

Beweis der Nachhaltigkeit steht aus

Die grossen Stadtwerke führen die Rangliste der «erneuerbaren» Unternehmen an - ob mit oder ohne Wasserkraft. Diese Rangierung dürfte zwei Gründe haben: Die massiven Investitionen in Wasserkraftwerke in den letzten Jahrzehnten und die Forderung der Eigentümer nach einer nachhaltigen Energiepolitik. Die Zukunft wird zeigen, ob die Stadtwerke ihre heutige Top-Position bei den neuen erneuerbaren Energien halten oder sogar ausbauen und sich damit einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil verschaffen können.