Bern hat vor zwei Jahren, dies nicht zuletzt im Umfeld der Fussball-EM, mit der Kampagne «Subers Bärn - zäme geits!» den Kampf gegen die Verunreinigung des öffentlichen Raums verstärkt. Dabei setzen die beteiligten Akteure - in diesem Fall mehrere Amtsstellen, Quartierkommissionen, Bernmobil, Berncity und Berntourismus - auf Prävention, Reinigung/Entsorgung und Repression. «Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass dieses Konzept richtig ist und in der Bevölkerung auf hohe Akzeptanz stösst», sagt Stefan Schwarz, Generalsekretär der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün, Bern.

Die Kampagne ist allerdings kein Selbstläufer. Laufend neue Aktionen halten sie lebendig und die Erfolgsquote hoch. In diesem Jahr finden regelmässig öffentliche Putzaktionen in Wäldern und Quartieren sowie Abendreinigungen in der Innenstadt statt. Zudem ist ein Teil der rund 1800 Abfalleimer neu und auffällig markiert worden. Im Herbst wird für eine vorbildliche Anti-Littering-Aktion der Anerkennungspreis «Goldener Besen» verliehen.

Bern büsst mit bis zu 300 Franken

Die breit angelegte Kampagne ist letztlich nur ein Teil des Kampfes. Noch wichtiger sind die Grundleistungen der Stadt für die tägliche Reinigung von 320 km Strassen, 650 km Trottoirs und 130 Grünanlagen. Diese Mammutaufgabe kostet die Steuerzahler jährlich rund 20 Mio Fr. Bern scheut sich auch nicht, Littering-Sünder zu büssen, mit 40 Fr. für das Wegwerfen von Kleinstabfällen wie Zigarettenkippen und Kaugummis und bis zu 300 Fr. für das wilde Deponieren von Siedlungsabfällen. Allerdings werden erst Wiederholungstäter zur Kasse gebeten. «Trotz grossen Anstrengungen ist das Littering-Problem nicht einfach in den Griff zu kriegen», sagt Schwarz und spricht von einer «Sisyphus-Arbeit». Ein Problem der besonderen Art sind neuerdings Gewaltübergriffe auf jenes Reinigungspersonal, das die Stadt in den frühen Morgenstunden säubert.

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Basel will besser sensibilisieren

«Gegen das Littering gibt es kein Patentrezept; wir verfolgen deshalb seit Längerem eine mehrdimensionale, auf Langfristigkeit ausgerichtete Strategie», erklärt Martin Gruber, Leiter der Abfallvermeidung in Basel. Auch die Stadt am Rheinknie ist von allen Kategorien des Littering betroffen. Als grösstes Ärgernis bezeichnet Gruber Glasscherben, die in Erholungszonen - etwa am Rheinufer, auf Spielplätzen oder auf Velowegen - herumliegen.Basel versucht dem Problem auf verschiedenen Ebenen beizukommen. Einbezogen werden sämtliche Akteure, von den Herstellern der Einwegmaterialien über deren Verkäufer bis zu den Konsumenten. Wichtige Eckpfeiler sind breit angelegte Sensibilisierungskampagnen. In diesem Jahr laufen fünf spezifische Projekte, bei denen sich Coop, Migros, Manor, McDonald’s und der Gewerbeverband sowie das Amt für Umwelt und Energie besonders engagieren. Die Firmen versuchen, in ihren Verkaufsstellen die Verpackungen möglichst zu minimieren. An öffentlichen Veranstaltungen gilt das Prinzip Abfallvermeidung, unter anderem durch den Einsatz von Mehrwegbechern mit Pfand. Originell ist die Aktion «Basler Mistkübel laden ein: Hier gehört der Abfall rein»: Detailhandels-Lehrlinge haben aus Abfall witzige Kunstwerke geschaffen, die mit frechen Sprüchen zum Nachdenken animieren. Und sie signalisieren damit gleichzeitig den Weg zum nächsten der insgesamt 1800 «Mistkübel». Geschäfte, die sich verpflichten, das Trottoir vor dem Laden sauber zu halten, kriegen das offizielle Label «Für ein sauberes Basel». Der IGSU-Littering-Botschafter, der Abfallsünder auf den korrekten Umgang mit Abfällen anspricht, ist in Basel auch in den Nachtstunden unterwegs. Er wird zusätzlich von «Opinion Leaders» der Ausgangszene wie etwa Rappern, Skatern, Musikern usw. unterstützt. «Die Verschmutzung des öffentlichen Raums mit Abfällen und Scherben ist für weite Teile der Bevölkerung ein Ärgernis», stellt Gruber klar. Und sie schade dem Image, denn die Sauberkeit stelle einen wesentlichen Faktor für die Attraktivität Basels als Messe-, Tourismus- und Einkaufsstadt dar. Nebst der Prävention und der Abfallvermeidung ist - wie in anderen Städten - auch in Basel die Repression ein letztes Mittel, um das Problem zu meistern. Littering-Sünder können hier mit 50 Fr. zur Kasse gebeten werden. «Mit Bussen allein ist dem Phänomen jedoch nicht beizukommen», relativiert Gruber. Der Nachweis für das Liegenlassen von Abfällen gelinge den Ordnungskräften leider nur selten. Gelittert wird vor allem im Schutze der Anonymität und der Dunkelheit, also nachts oder an Massenveranstaltungen.

St. Gallen verlangt Verantwortung

Auch St. Gallen knüpft - wie Bern und Basel - bei der Bekämpfung des Littering bei den Empfehlungen des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) an. Dazu gehören Information und Bildung, Verhaltenskodexe für die Anbieter, finanzielle Anreize wie Pfandsysteme oder vorgezogene Entsorgungsgebühren sowie Sanktionen. Darüber hinaus hat St. Gallen ebenfalls eine Kampagne am Laufen: «Gemeinsam mit Respekt» thematisiert die Werterhaltung im öffentlichen Raum. Dabei geht es nicht nur um Littering, sondern auch um Gewalt, Lärm und übermässigen Alkoholkonsum. «Es sind Phänomene, die im Verbund und koordiniert angegangen werden müssen», erklärt Roman Kohler von der städtischen Fachstelle Kommunikation. Im Weiteren werde das bestehende Reinigungs- und Litteringkonzept laufend überprüft und angepasst. Zu den jüngsten Neuerungen gehören der Ausbau des Reinigungsdienstes an den Wochenenden, die definitive Einführung des Abfallunterrichtes an den Schulen sowie der Einbau von Unterflurabfallkübeln. Die Repression mit Bussen sehen die Behörden hingegen wie ihre Basler Kollegen als letztes Mittel. «Der Schwerpunkt der Anstrengungen liegt bei uns klar im Bereich der Prävention», so Kohler. St. Gallen hofft, dass mittels Kampagne die Bürgerinnen und Bürger zum öffentlichen Raum eine persönliche Bindung und damit auch Verantwortungsgefühl für dessen Sauberkeit entwickeln. Ziel ist letztlich eine attraktive und lebendige Innenstadt, ohne illegal entsorgte Abfälle, Lärmbelästigung und Vandalismus.

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