Selbst eingefleischten Weinfreunden ist die Ortenau, die das Bindeglied zwischen Deutschlands nördlichen Riesling-Gebieten und der eigenständigen Weinwelt Südbadens bildet, kein Begriff. Dabei liegt dieses faszinierende Weinbaugebiet, dessen Rebberge in den Quertälern der Rheinebene zwischen der östlich von Strassburg gelegenen Stadt Offenburg und Baden-Baden angelegt sind, nur gerade anderthalb Autostunden von Basel entfernt. Rund 2700 ha sind mit Reben bestockt, wobei sich die Anteile von roten und weissen Sorten ungefähr die Waage halten. Bei den roten Sorten ist der Blauburgunder (Spätburgunder) die unangefochtene Leitsorte, bei den weissen Varietäten dominiert der Riesling, der hier mitunter auch Klingelberger genannt wird.

Fast so steil wie die Alpen

In der südlichen Ortenau, unweit von Offenburg, liegt das bis zu den Hügelspitzen von Rebbergen gesäumte Winzerdorf Durbach, dessen bekannteste Lage der Plauelrain ist. Die besten Parzellen sind jene des historischen Plauelrains am nordwestlichen Ortsrand. Sie sind nach Süden bis Südsüdosten ausgerichtet und zeichnen sich durch ihre schwindelerregende Steilheit mit einer Hangneigung von bis zu 85% aus. Am Fuss dieser historischen Steillage liegt das Weingut Andreas Laible.

Vater Andreas Laible ist gerade daran, Kirschwasser zu brennen. Da er das Holzfeuer und den Brennofen im Auge behalten muss, bittet er Sohn Andreas junior, sich um den Besucher zu kümmern. «Hier in Durbach hat zwar der Weinbau eine lange Tradition», erzählt dieser, «aber die meisten Gutshöfe waren noch bis vor kurzem Mischbetriebe mit Viehhaltung. Auf unserem Gut war es erst mein Vater, der ganz auf Weinbau umstellte. Seit ich mich erinnern kann, hat sich bei uns alles um den Wein gedreht. Für mich und meinen Bruder Alexander, der vor zwei Jahren sein eigenes Gut gegründet hat, war es seit unserer Kindheit klar, dass wir ebenfalls Winzer werden wollten.» Nach seiner Winzerlehre, diversen Praktika auf Weingütern in der Gegend und im österreichischen Kampttal sowie nach Abschluss der Ausbildung zum Weinbautechniker führt Andreas junior seit nunmehr zehn Jahren zusammen mit seinem Vater das familieneigene Gut. «Grundsätzlich machen wir beide alles. In den letzten Jahren hat es sich jedoch herauskristallisiert, dass sich mein Vater mehr um die Reben kümmert, während ich häufiger im Keller anzutreffen bin.» Knapp 8 ha Rebland kultivieren die Laibles, wobei der Grossteil der steil ansteigenden Plauelrain-Parzellen oberhalb des Guts liegt. «Wir haben hier ideale Bedingungen für den Rebbau», erklärt Andreas junior. «Eine sonnenexponierte Südlage, einen durchlässigen, mineralienreichen und wärmespeichernden Granitverwitterungboden sowie ein mildes Mikroklima mit warmen Tages- und kühlen Nachttemperaturen.» Doch so gut es die Natur mit den Rebpflanzen meint, den Menschen, die diese hegen und pflegen müssen, macht sie es nicht leicht. Laible: «Vom Rebschnitt bis zur Lese erledigen wir fast alles von Hand.»

Anzeige

Riesling ist der Champion

Bei den Rebsorten setzen die Laibles vor allem auf weisse Varietäten, wobei der Riesling mit einem Rebflächenanteil von 58% unangefochten Champion ist. «Wir verwenden zwölf verschiedene Rieslingklone», erläutert Andreas junior, «zwei davon haben wir selber aus unseren besten Stöcken selektioniert.» Die Rebsortenpalette wird abgerundet durch die weissen Burgunder-Sorten Weissburgunder, Grauburgunder, Chardonnay und den roten Spätburgunder sowie die aromatischen weissen Varietäten Traminer, Gewürztraminer und Scheurebe. 35 Weine erzeugen die Laibles aus den Trauben der verschiedenen Sorten. Mit nicht weniger als elf Gewächsen deklinieren sie die diversen Riesling-Spielformen meisterhaft durch, vom Kabinett (trocken und fruchtig) über mehrere Spätlesen (trocken, fruchtig und halbtrocken) bis hin zum «Grossen Gewächs» («Grosse Gewächse» sind immer trocken) sowie einer Auslese und einer Trockenbeerenauslese.

Nicht weniger überzeugend präsentieren sich bei der Verkostung die anderen Weine, denen - trotz der sortenspezifischen Unterschiede - eine wunderbare Eleganz und Mineralität eigen sind. «Wir vinifizieren unsere Weine auf klassische und äusserst schonende Art, ohne Kaltstandzeit und ohne Aromahefen. Wir wollen nichts Aufgesetztes. Unsere Weine sollen vielmehr für sich selbst sprechen», kommentiert der Junior, der 2008 mit Recht zum besten Jungwinzer Deutschlands erkoren wurde.