Die an der SWX kotierte Zuger Kantonalbank hat mit ihrem Geschäftsabschluss 2008 überrascht. Mitten in der Finanzkrise hat sie entgegen dem Trend der meisten Banken das beste Jahresergebnis in ihrer Geschichte präsen- tiert.

Welches Geheimnis steckt hinter dem Erfolg der Zuger Kantonalbank?

Toni Luginbühl: Es sind keine Geheimnisse, sondern drei strategische Grundsätze, die wir in den letzten Jahren konsequent umgesetzt und gelebt haben. Erstens: Konzentration auf unsere Stärken. Zweitens: Nur dasjenige tun, was wir können und verstehen. Drittens: Gewinnoptimierung statt Gewinnmaximierung.

Auf was haben Sie bei der Entwicklung der heutigen Strategie besonders geachtet?

Luginbühl: Es gibt drei Möglichkeiten, eine Geschäftsstrategie zu entwickeln. Entweder wird die Strategie vom Verwaltungsrat alleine festgelegt und die Geschäftsleitung mit der Umsetzung beauftragt. Oder die Geschäftsleitung entwickelt mögliche Strategien, schlägt Prioritäten vor, zeigt Vor- und Nachteile auf und der Verwaltungsrat entscheidet, welche Variante er bevorzugt. Wir haben aber eine dritte Möglichkeit gewählt: Die Bottom-up/top-down-Methode.

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Was verstehen Sie unter Bottom-up/top-down-Ansatz?

Luginbühl: Es werden möglichst viele Mitarbeitende, vorzugsweise das obere Kader, in den Strategieerarbeitungs-Prozess - beispielsweise das Beantworten der strategischen Schlüsselfragen - miteinbezogen. Die einzelnen strategischen Elemente wie Stärken, Schwächen etc. werden im Team erarbeitet - bottom up - und anschliessend vom Verwaltungsrat verifiziert - eben top down. Der Vorteil liegt darin, dass von der Organisation eher tatsächlich machbare Elemente einfliessen, die dann auch umgesetzt werden können.

Sie sprechen von Gewinnoptimierung statt Gewinnmaximierung. Das Ziel einer jeden unternehmerischen Tätigkeit ist jedoch, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.

Luginbühl: Das stimmt, aber nicht einen möglichst hohen Gewinn zu jedem Preis und ohne Risikobeurteilung. Zu was blinde Gewinnmaximierung führen kann, erleben wir in der heutigen Finanzmarktkrise.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Luginbühl: Wir standen vor einigen wenigen Jahren vor der Frage, einen eigenen Aktienhandel zu betreiben. Wir hatten uns dagegen entschieden, weil der Aktienhandel keine Kernkompetenz von uns war. Zudem fehlte uns das erforderliche Know-how, um in diesem Geschäftsfeld langfristig erfolgreich tätig zu sein. Die aktuellen Ereignisse zeigen heute, dass wir damals richtig entschieden haben, obschon wir zwischenzeitlich Mehrerträge hätten generieren können.

Zurück zur Strategie. In einer Zeit, in der sich das Umfeld derart rasch verändert, stellt sich die Frage, ob eine langfristige Strategie überhaupt wirklich noch Sinn macht?

Luginbühl: Gerade in turbulenten Zeiten ist eine Geschäftsstrategie mit einer etwas längeren Wirkungsdauer von grosser Bedeutung. Damit wird verhindert, dass aufgrund aktueller Ereignisse falsche kurzfristige Entscheide gefällt werden.

Wie überprüfen Sie die Wirkung der Geschäftsstrategie der Zuger Kantonalbank?

Luginbühl: Unsere Strategie besteht aus einem Leitbild, einer Grundstrategie sowie Teilstrategien der einzelnen Geschäftsbereiche. In den Teilstrategien haben wir jährliche Fortschrittsziele definiert, die wir jährlich überprüfen. Periodisch, mindestens in der Mitte eines Strategiezyklus, überprüfen wir die Grundstrategie aufgrund der folgenden Fragen: Haben wir das Wettbewerbsumfeld damals richtig beurteilt? Stimmt die Wertschöpfungsanalyse noch? Sind wir richtig positioniert? Müssen wir die strategischen Ziele anpassen?

Mussten Sie in diesen Krisenzeiten grössere Korrekturen vornehmen?

Luginbühl: Nein. Das zeugt aus unserer Sicht von der Qualität und Nachhaltigkeit unserer Strategie. Ende 2010 geht der jetzige Strategiezyklus zu Ende. Deshalb werden wir bereits in diesem Jahr mit der Überarbeitung für den strategischen Zeithorizont bis 2015 beginnen.