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Flaute
Stahlbranche fürchtet die Folgen von Ecopop

Frischer Stahl: Die Branche steht vor einer Strukturbereinigung.  Keystone

Europa schwächelt, die Schweiz kämpft. Das trübe Umfeld trifft die Stahlbranche schwer. Eine Annahme der Ecopop-Initiative würde den Druck auf Anbieter und Händler nochmals erhöhen.

Von Marc Iseli
am 27.10.2014

Die Stahlbranche kämpft mit sinkenden Umsatzzahlen. Bereits 2012 wurde vier Prozent weniger eingenommen. 2013 folgte noch einmal ein Einbruch von fünf Prozent. Nun ist das Volumen unter drei Milliarden Franken gesunken. «Es ist zu vermuten, dass eine Strukturbereinigung vor der Tür steht», sagt Andreas Steffes vom Schweizerischen Stahl- und Haustechnikverband (SSHV).

Dass die Branche im Umbruch ist, zeigen drei Beispiele: Vor einem Jahr stellte die Winterthurer Traditionsfirma Kägi + Co Verkauf und Produktion von Stahlrohren nach 136 Jahren ein. Im Frühjahr 2014 hat sich die deutsche Klöckner-Gruppe die Mehrheit am Schweizer Armierungseisenhersteller Riedo Bau + Stahl AG gesichert. Und erst kürzlichhat die Ostschweizer Kindlimann AG die Geschäftstätigkeit der Steeltec AG in Schwarzenbach übernommen.

Grosser Preisdruck und rückläufige Industrie

«Die Zahl der Standorte hat sich im vergangenen Jahr zwar um sechs Prozent auf 180 erhöht», meint Steffes. Trotzdem kämpfen Hersteller und Händler mit zwei Problemen. «Europa liegt noch immer am Boden, wodurch der Stahlpreis im Keller ist. Zudem stagniert der Schweizer Markt. In einzelnen Segmenten wie dem Industriebereich ist der Markt sogar rückläufig.»

Tatsächlich hat sich die Lage im Schweizer Industriesektor verschärft. Die stahlverbrauchende Industrie hat in den vergangenen Jahren viele Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Die meisten der auf den Export ausgerichteten Unternehmen stehen unter Druck. Steffes rechnet auch damit, dass dieser Trend anhalten wird. «Mittelfristig werden weitere Betriebe abwandern», prophezeit der Präsident des Stahlverbandes.

Tiefer Preis drückt Umsatzzahlen

Das spüren auch die zuliefernden Stahl- und Metallhändler, wie Dietrich Pestalozzi, Verwaltungsratspräsident der Dietiker Pestalozzi-Gruppe, ausführt. Der Umsatz seiner Firma sei zwar stabil. 2013 hat die Gruppe 164 Millionen Franken erwirtschaftet, was einem Plus von einem Prozent entspricht. Und auch die Bruttogewinnmarge blieb gleich. Der Grosshändler liegt damit aber erneut unter Vorkrisenniveau. 2008 setzte das Unternehmen noch 188 Millionen um.

«Der verschärfte Preiswettbewerb drückt auf unsere Marge », führt der Firmenpatron aus. Das Unternehmen verkaufe ungefähr dieselbe Menge wie vor der Krise, aber der tiefe Preis drücke die Zahlen. Dazu komme, dass der Wettbewerb innerhalb der Branche stärker geworden sei.

Europäische Anbieter drängen in die Schweiz

Andreas Steffes stützt diese Aussage. «Die tiefe Stahlnachfrage in Europa trifft auf ein hohes Angebot. Weil die Europäische Konjunktur lahmt, suchen Anbieter jene Märkte, die noch profitabel sind», sagt Steffes. Dazu gehört derzeit noch die Schweiz – damit müssen die hiesigen Firmen es mit der europäischen Konkurrenz aufnehmen. 

Auch hierzulande haben sich die Konjunkturprognosen zwar eingetrübt. Dank Zuwanderung und tiefen Zinsen sind die schweizerischen Bauinvestitionen aber nach wie vor hoch, wie die Ökonomen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) unlängst ausführten. Und die Baubranche ist wichtiger Abnehmer der Stahlindustrie.

Ecopop führt zu Arbeitslosigkeit

Die wichtige Zuwanderung von Fachkräften wäre im Falle einer Annahme der Ecopop-Initiative bedroht. Das würde Schweizer Unternehmen weiter schwächen. Steffes warnt vor den Folgen – sie könnten der Branche ernsthafte Probleme bereiten. Die am 9. Februar angenommene Masseneinwanderungsinitiative und die 2012 angenommene Zweitwohnungsinitiative würden sich bereits negativ auf die Bauinvestitionen auswirken und den inländischen Preisdruck erhöhen. Die Ecopop-Initiative würde aber massive Konsequenzen nach sich ziehen. «Eine Annahme der Ecopop-Initiative führt unweigerlich zu weiterem Stellenabbau», sagt Steffes.

Dietrich Pestalozzi bekräftigt die Aussagen des Branchenverbandes. Der Firmenpatron, der das eigene Unternehmen über Jahrzehnte führte und im Herbst die operative Leitung an den Sohn übetrung, kämpfte bereits gegen die Masseneinwanderungsinitiative. Auch jetzt hält er sich nicht zurück: «Ich bin ganz klar dagegen.»

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