Es gibt kaum eine Branche, die derart boomt wie die Stahlindustrie. Allein die russischen Hersteller erreichen Umsatzrenditen von 50% und mehr. Schenkt man den Auguren Glauben, geht dies auch so weiter. Denn der steigenden Nachfrage stehen weiterhin nur begrenzte Produktionskapazitäten gegenüber. Das treibt den Preis und füllt die Kassen – mittlerweile im sechsten Jahr.

Chinas Strategie

Doch es wäre nicht das erste Mal, dass sich die Vorzeichen kurzfristig ändern. Dabei stellen die steigenden Rohstoffkosten nur das geringste Problem dar. Denn bei dem derzeitigen Marktumfeld können diese Preiserhöhungen ohne Probleme weitergegeben werden. Mehr Gefahr lauert in den zahlreichen neuen Produktionsanlagen, die in Asien entstehen.
Mit westlicher Technologie und staatlichen Subventionen wurden in den vergangenen Jahren in China die Produktionskapazitäten drastisch erhöht. Schon in den nächsten beiden Jahren werden die Anlagen in Betrieb gehen und den Markt überschwemmen. Erste Anzeichen für das Überangebot gibt es schon: Der Stahlpreis in China gibt nach. Die dortigen Hersteller können heute in Europa bis zu 200 Dollar mehr pro t Stahl erzielen als auf dem Heimatmarkt. Schliesst die chinesische Regierung nicht wie versprochen die älteren Anlagen, wird es zu Überproduktion kommen, die dann nur eine Richtung kennt: Gen Westen.
Daher lautet die Losung: Investition. Der weltgrösste Stahlhersteller ArcelorMittal hat angekündigt, bis 2012 jährlich rund 1 Mrd Euro in seine europäischen Werke zu stecken. Der zweitgrösste deutsche Stahlkonzern Salzgitter will rund 1,4 Mrd Euro in Deutschland investieren und damit rund 550 neue Arbeitsplätze schaffen. Die deutschen Stahlproduzenten blicken optimistisch in die Zukunft. «2008 wird ein gutes Stahljahr», sagte Salzgitter-Chef Wolfgang Leese.

Deutschlands Antwort

Ähnlich äusserte sich auch Branchenprimus ThyssenKrupp. «Das soeben zu Ende gegangene Geschäftsjahr ist das bisher beste des Konzerns», sagte Konzernchef Ekkehard Schulz, ohne allerdings genaue Zahlen zu nennen. «Auch für die Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr sehen wir positive Signale aus dem Markt», sagt ThyssenKrupp-Stahlchef Karl-Ulrich Köhler. Bis 2010 peilt der Düsseldorfer Stahlriese eine Umsatzmarke von 60 Mrd Euro an, ein Plus von 10 Mrd Euro zum heutigen Stand.
Begünstigt durch die Nachfrage aus China und den Boom im Maschinenbau erlebt die Branche den längsten Aufschwung seit Jahrzehnten. Schon längst stossen die beiden deutschen Stahlkonzerne ThyssenKrupp und Salzgitter an ihre Produktionskapazitäten. «Wir können am starken Wachstum nicht in der Dimension teilnehmen, wie wir das gerne machen würden», heisst es bei den Konzernen. Trotz der beschränkten Kapazitäten hebt die Wirtschaftsve-reinigung Stahl zum zweiten Mal in diesem Jahr die Produktionsprognose an.

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