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Getäuscht
Standard & Poor's zu Milliardenbusse verdonnert

Häuser zum Verkauf während der Finanzkrise:

Die US-Ratingagentur muss in einem Vergleich mit der US-Justiz gut 1,4 Milliarden Dollar zahlen. Grund ist die Vergabe von zweifelhaften Bonitätsnoten für Ramschpapiere aus der US-Immobilienkrise.

Veröffentlicht am 03.02.2015

Wegen der Vergabe zweifelhafter Bonitätsnoten für Ramschanleihen aus der US-Immobilienkrise muss die Ratingagentur Standard & Poor's eine Strafe von 1,37 Milliarden Dollar zahlen. Das US-Unternehmen teilte mit, einen Vergleich geschlossen zu haben.

Den Vergleich schloss Standard & Poor's mit dem US-Justizministerium, mit 19 US-Bundesstaaten und der Hauptstadt Washington. Nun muss die Agentur gut 687 Millionen Dollar an das US-Justizministerium überweisen, die Bundesstaaten und Washington erhalten ebenfalls gut 687 Millionen Dollar. Die Ratingagentur betonte, sie habe mit der aussergerichtlichen Einigung keine Gesetzesverstösse eingeräumt.

Faule Kredite brachten Finanzkrise in Gang

Standard & Poor's wurde vorgeworfen, Investoren über die Qualität von Wertpapieren getäuscht zu haben, in denen schlecht abgesicherte Hypotheken gebündelt waren. Ab 2007 hatten sich in den USA die Fälle gehäuft, in denen einkommensschwache Hausbesitzer ihre Darlehen wegen steigender Zinsen nicht mehr abzahlen konnten. In einer Art Domino-Effekt löste dies eine weltweite Finanzkrise aus, weil die faulen Kredite von Bank zu Bank als Geldanlage weitergereicht worden waren.

Das US-Justizministerium hatte im Februar 2013 Klage gegen Standard & Poor's eingereicht. Die Ratingagentur wies diese als «vollkommen ungerechtfertigt» zurück.

Nicht die einzige Fehleinschätzung

Zwar bedauerte das Unternehmen damals, dass es nicht gelungen sei, die «rapide Verschlechterung der Bedingungen auf dem US-Hypothekenmarkt einzuschätzen». Gleichwohl seien die S&P-Experten nicht die Einzigen, die das Ausmass der Krise falsch eingeschätzt hätten.

Die Klage hatte sich unter anderem auf interne E-Mails gestützt, in denen S&P-Mitarbeiter Zweifel an der Bewertung der Ramschpapiere vorbringen. Aus eigenem Geschäftsinteresse habe das Unternehmen den Anlegern aber die Kreditwürdigkeit der Papiere vorgegaukelt, lautete der Vorwurf.

«Schwerer Schaden» für die Wirtschaft

S&P räumte denn auch ein, dass sich Mitarbeiter intern über die zu positive Bewertung der Hypothekenpapiere beschwert hätten. «Die Führung des Unternehmens hat die Warnungen von altgedienten Analysten ignoriert», erklärte US-Justizminister Eric Holder. Das Vorgaukeln der Kreditwürdigkeit von Ramschpapieren habe der Wirtschaft «schweren Schaden» zugefügt und zu der schlimmsten Finanzkrise seit der Grossen Depression in den 1930er Jahren beigetragen.

Als Teil des Vergleichs nahm S&P den Vorwurf zurück, dass die US-Regierung das Verfahren als Vergeltung für die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA eingeleitet habe. Die Ratingagentur hatte den US-Staatsanleihen im Sommer 2011 angesichts des wiederkehrenden Budgetstreits zwischen Demokraten und Republikanern im Kongress die Bestnote «AAA» entzogen.

Weiterer Vergleich

Die Ratingagentur schloss nach eigenen Angaben einen weiteren Vergleich mit dem kalifornischen Pensionsfonds CalPERS, der sie 125 Millionen Dollar kostet. Vergangenen Monat hatte Standard & Poor's zugestimmt, wegen zweifelhafter Bonitätsnoten für Hypothekenpapiere 77 Millionen Dollar an die Börsenaufsicht SEC und zwei andere Finanzbehörden zu zahlen.

Ratingagenturen bewerten das Ausfallrisiko von Wertpapieren und beeinflussen damit massgeblich die Entscheidungen von Investoren. In den Jahren vor der Finanzkrise gaben Standard & Poor's und die beiden anderen grossen US-Agenturen, Moody's und Fitch, den dubiosen Hypothekenpapieren regelmässig Bestnoten. Üblicherweise wurden die Bewertungen von den Banken bezahlt, welche die risikoreichen Wertpapierpakete zusammengeschnürt hatten.

(sda/dbe)

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