Gerhard Strate gilt in Deutschland als eine Art Robin Hood. Seit der Finanzkrise engagiert sich der inzwischen wohl prominenteste Strafverteidiger gegen Bankmanager. Nun hat der Investor Carsten Maschmeyer den 64-jährigen als seinen Berater im Prozess gegen die Bank Sarasin gewinnen können. Strate hat die 22-seitige Betrugsanzeige gegen die Privatbank formuliert und an die Staatsanwaltschaft in Köln geschickt, wie das «Handelsblatt» berichtet. 

Bei dem Prozess geht es um viel Geld. Laut AWD-Gründer Maschmeyer wurden insgesamt 50 Kunden, die 300 Millionen Euro angelegt hätten, geprellt. Andere Beobachter schätzen, dass sich der Schaden sogar auf 500 Millionen Euro summieren könnte. Der Prozess wird in Deutschland stattfinden – nicht der einzige Nachteil für die Bank Sarasin.

Strate erhebt auch gegen die Credit Suisse Vorwürfe

Denn mit Strate hat Maschmeyer einen juristischen Wadenbeisser gefunden. Der deutsche Grossinvestor sieht sich von der Bank Sarasin hinters Licht geführt. Mit Angehörigen und Freunden habe Maschmeyer laut Strate auf Anraten der Sarasin-Berater 40 Millionen Euro in zwielichtige Fonds investiert. «An einem Fonds, dessen Erfolg letztlich objektiv auf Steuerhinterziehung beruht, hätte sich mein Mandant nie beteiligt», schreibt Strate laut Medienbericht. 

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Doch Strate beschuldigt nicht nur die Bank Sarasin. Offenbar wirft er auch der Credit Suisse vor, bei den Deals mit von der Partie gewesen zu sein. Die Bank habe «wahrscheinlich» die Kredite gewährt, damit die Fonds im grösseren Volumen Leerverkäufe tätigen konnte, heisst es in dem Bericht. Demnach stünden nach Ansicht von Strate «Am Anfang wie am Ende dieser Fondsstruktur zwei schweizerische Bankinstitute». Die Anzeige richte sich jedoch nicht gegen die Credit Suisse oder ihre Mitarbeiter. 

Strate mitverantwortlich für den Fall der früheren HSH-Chefs

In Deutschland ist Strate inzwischen berüchtigt. Beobachter wähnen ihn auf einem Feldzug gegen die Schuldigen der Finanzkrise. «Wir haben es hier mit Akteuren zu tun, die diese Gesellschaft zugrunde richten», sagte Strate einmal der «Financial Times Deutschland». «Das sind Hasardeure der schlimmsten Sorte. Und die sollen davonkommen?» Die Zeitung charakterisierte Strate als Querulanten, als glänzenden Rechercheur, «detailversessen, hart, unerbitterlich.» 

Strate ging in der Vergangenheit auch ohne eigenes Mandat gegen Banker vor. So wurde erst auf sein Betreiben hin den früheren Chefs der deutschen HSH Nordbank, Jens Nonnenmacher und Hans Berger, der Prozess gemacht. Zu seinen weiteren Klienten gehörten Terrorverdächtige ebenso wie Prominente aus dem Hamburger Nachtleben. Erst in der vergangenen Woche erreichte Strate in Regensburg einen Freispruch für Gustl Mollath, der sieben Jahre in der Psychiatrie gesessen hatte.