Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse rechnete vor Kurzem vor, dass die Schweizer Post im internationalen Vergleich ein schlechtes Preis-/Leistungs-Verhältnis aufweise. Sogar Italien sei im Monopolbereich besser als die Schweiz. Die Post wies die Kritik als «Chabis» zurück. Die Situation bleibe schwierig, Anpassungen seien gerade bei der Briefzustellung weiter nötig, argumentierte sie.

Ein Blick auf die jüngsten Halbjahreszahlen zeigt: Die Post-Verantwortlichen kommunizieren im Bereich PostMail (Briefpost) einen negativen Trend bei den adressierten Sendungen. Diese gingen in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres um 2,6% zurück.

Bessere Konjunktur half

Zu den unadressierten Sendungen bleibt die Post dagegen vage. «Der Markt für unadressierte Sendungen reagiert konjunktursensitiv. Hier profitierte die Post im 1. Semester von einer verbesserten Konjunktur und den verstärkten Werbeaktivitäten im Detailhandel», heisst es in der offiziellen Mitteilung.

Auf Anfrage bestätigt Post- Sprecher Oliver Flüeler jedoch: «Das vergleichsweise kleinere und umsatzmässig weniger gewichtige Briefmarktsegment der unadressierten Sendungen hat im ersten Halbjahr um 6,3% zugenommen.»

Das jüngste Plus in diesem Bereich reiht sich in den bisherigen Trend ein: Die Sendungsmengen der Post sind schweizweit in den letzten zehn Jahren bereits leicht gestiegen, wie die Zahlen im Geschäftsbericht belegen. Auch da fand schon eine Verlagerung von den adressierten Briefen hin zu nicht adressierten statt.

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Ein lukratives Massengeschäft

Bei den unadressierten Sendungen hat die Post kein Monopol, die Margen dürften deshalb tiefer liegen. Doch unadressierte Sendungen sind im Gegenzug auch ein Massengeschäft, das für die Post mit weniger Aufwand verbunden ist als die Zustellung adressierter Briefe.