Die Importeure und Händler im Schweizer Nutzfahrzeugmarkt können eigentlich recht zufrieden sein. Die Zunahme der Neufahrzeugverkäufe im 1. Halbjahr 2008 um 9% darf sich sehen lassen. Damit wurde das Allzeithoch aus dem Jahre 2001 nur gerade um 42 Einheiten verpasst. Mit dieser Zunahme wurden jedenfalls die Halbjahresergebnisse der vergangenen Jahre klar übertroffen. In den einzelnen Gewichtsklassen resultierten allerdings recht unterschiedliche Zunahmen. Bei den leichten Nutzfahrzeugen bis 3,5 t Gesamt- gewicht ergab sich im 1. Halbjahr eine Zunahme von 9,1% auf insgesamt 15712 Fahrzeuge. Die Schweren andererseits – also die Nutzfahrzeuge ab 3,5 t Gesamtgewicht – legten deutlich stärker zu, nämlich um knapp ein Viertel auf über 2600 Fahrzeuge.

Bei den leichten Lieferwagen und Transportern resultierte eine Zunahme der Neufahrzeugverkäufe von 6,4% auf insgesamt 13109 Einheiten. In dieser Kategorie konnten allerdings einige Anbieter deutlich stärker zulegen als der Gesamtmarkt. Die höchste Zuwachsrate erzielte Peugeot mit einem Plus von fast zwei Dritteln. Rund 15% mehr verkauften bis Ende Juni Opel, Ford und Volkswagen. Letzterer Marke gelang es erstmals wieder, die Spitze der Zulassungsliste zu erobern. Die Wolfsburger verdrängten den vormaligen Spitzenreiter Renault sowie die Nummer zwei Mercedes-Benz auf die Plätze 2 und 4. Dazwischen schob sich noch Citroën mit einem Plus von knapp 6%. Rückschläge beim Absatz neuer Transporter mussten bis Ende Juni dieses Jahres bei der Volumenmarke Mercedes-Benz, Renault sowie Iveco hinnehmen.

Stadtlieferwagen liegen im Trend

Interessant ist, dass in der leichten Klasse vor allem die ganz kleinen Fahrzeuge – die sogenannten Multi-Use-Kombis oder Stadt-Lieferwagen – mit +15% am stärksten zulegen konnten. Diese sowohl für den Beruf wie für den privaten Bereich nutzbaren Kombiwagen mit höherem Dach und herausnehmbaren Sitzen erfreuen sich unverändert hoher Beliebtheit. Absatzfördernd wirkt sich natürlich auch das immer breitere Angebot der einzelnen PW-Hersteller aus. Nur um knapp 6% nahmen die Immatrikulationen der knapp 3,5 t schweren Transporter zu, also jener Fahrzeuge, die bis zu rund 7 t transportieren können, ohne dem Nacht- und Sonntagsfahrverbot zu unterliegen. Einige dieser Fahrzeuge dürften wohl auch die Zuwachsrate von 50% in der Kategorie 3,5–12 t Gesamtgewicht beeinflusst haben. Kräftig zulegen konnten in diesem Bereich insbesondere der von Mercedes-Benz vertriebene Mitsubishi Fuso, dessen Absatz sich vervierfachte, sowie Mercedes-Benz (+53%) und Renault (+39%).

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Um knapp 40% erhöhten sich die Verkäufe in der nachfolgenden Kategorie 12,1–18 t Gesamtgewicht, wobei praktisch alle Anbieter ihren Absatz deutlich steigern konnten. Eher verhalten war dagegen die Nachfrage in der nächst höhe- ren Gewichtsklasse 18,1–26 t Gesamtgewicht. Lediglich etwas mehr als 5% mehr Lastwagen wurden hier abgesetzt. Renault konnte dabei seine Immatrikulationen fast verdreifachen.

Lastwagen sind recht verlässliche Konjunkturindikatoren, das zeigten die vergangenen zehn Jahre immer wieder. Wenn in der ganz schweren Klasse weniger Fahrzeuge – in erster Linie Kipper – verkauft werden, dann kann mit hoher Sicherheit davon ausgegangen werden, dass sich die Konjunktur abkühlen wird. In der Gewichtsklasse ab 26 t wurden bis Ende Juni nur gerade 448 Fahrzeuge verkauft, ein Minus von knapp 2%.

Unsicherheitsfaktor LSVA

Ausgewirkt auf die Nachfrage nach neuen Lastwagen, vor allem nach schweren Einheiten, hat sich auch die ungeklärte Situation betreffend LSVA. Wird nun die Verlängerung der Frist für Euro-3-Fahrzeuge Tatsache oder nicht. Und offen ist auch, welche Wirkung die Proteste der Astag-Mitglieder gegen die erneute Erhöhung haben wird. Vorläufig stapeln sich diese in Bern. Solange hier keine klare Einigung zustande gekommen ist, dürften wohl etliche Nutzfahrzeugbesitzer eher abwarten mit Neufahrzeugkäufen.

Andererseits könnte die im September durchgeführte Weltmesse für Nutzfahrzeuge, die IAA in Hannover, sich in den noch verbleibenden Monaten stimulierend auf den Absatz auswirken. Nimmt man allerdings die Halbjahresergebnisse der europäischen Nutzfahrzeughersteller unter die Lupe, so muss festgestellt werden, dass im 2. Quartal 2008 der Bestellungseingang bei praktisch allen Produzenten teilweise massiv zurückgegangen ist. Für das 2. Halbjahr 2008 und das Jahr 2009 jedenfalls ist die Branche mit Voraussagen äusserst vorsichtig geworden. Die doch etwas ungewisse zukünftige Konjunkturentwicklung wird die Kaufentscheide weiter beeinflussen. Und die Lastwagen sind nun mal ein recht verlässlicher Konjunkturindikator.

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