Das Ende kam rascher als erwartet: Noch vor Jahresfrist verteidigte ein prominenter Privatbankier den Unterschied zwischen Steuerhinterziehung, einem schweizerischen Unikum, und dem sonst gebräuchlichen Steuerbetrug mit den spezifischen Tugenden des helvetischen Steuerzahlers und der direkten Demokratie. Nach dem Frontalangriff der USA auf unser fiskaliches Bankgeheimnis ist dieser Mythos zu einem guten Teil verflogen. Die Realität in Sachen Steuern und Moral hat den Finanzplatz Schweiz eingeholt. In der Bankbranche ist nach dem heftigen Sturm ganz klar Schadensbegrenzung angesagt. Unversteuertes Geld, das in den Büchern und Tresoren der Schweizer Banken gehortet wird, das lassen die gewichtigen Industriestaaten angesichts leerer Kassen und einem hohen Schuldenberg nicht mehr widerstandslos zu.

Mit eiligst neu verhan- delten Doppelbesteuerungsabkommen sorgt Bern dafür, dass die Schweiz möglichst rasch von einer grauen Liste der OECD verschwindet. Eine Rückkehr zum traditionellen Modell der Offshore-Banken gibt es trotzdem nicht. «Der Zeitgeist im Ausland ist stärker auf Akzeptanz von Transparenz und Offenlegung ausgerichtet», gibt sich Martin Maurer vom Auslandsbankenverband überzeugt. Er muss es wissen. Die Auslandsbanken sind ein guter Seismograph, der solche Anzeichen eines Wertewandels aufzeichnet.

Gefragt sind neue Wege für das Private Banking, dem Rückgrat für den Bankenplatz Schweiz. Die geopolitischen Rahmenbedingungen ändern sich fundamental. Erst noch schwörte sich die Financial Community, angeführt von Banken und Versicherungen, auf einen Masterplan ein, der die Schweiz bis 2015 von der heutigen Position sieben auf einen Podestplatz hinter New York und London führen sollte. Solche Vergleiche mit der ausländischen Konkurrenz sind nun Makulatur.

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Die Grösse des Finanzplatzes und einzelner Exponenten hat sich dafür an der Schweizer Volkswirtschaft zu messen. Das wird der Finanzmarktaufsicht und der Nationalbank noch einige Knacknüsse aufgeben, wenn sie die Grossbanken risikomässig besser in den Griff kriegen will. Das Gute daran: Zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft entsteht ein besseres Gleichgwicht.

Der Markennamen «Swiss Banking» hat trotz Finanzmarktkrise immer noch Gewicht. Die Qualität der Dienstleistung schwindet nicht einfach dahin. Trotzdem gilt es für die Branche, diesen Brand wieder mit einem positiven Inhalt zu beleben: Das gelingt nur mit «Clean Money».