Bescheidenheit und Hörnliverkauf waren gestern. Heute genügt Philippe Gaydoul die kleine Schweiz schon längst nicht mehr. Der Denner-Erbe drängt auf die grosse Bühne. Schanghai ist seine neue Liga.

Im April will der Eigentümer der Schuhmarke Navyboot in der chinesischen Megacity eine Weltneuheit präsentieren. Zusammen mit Formel-1-Veteran Michael Schumacher entwickelte Gaydoul eine Art Nobelschuh für Grossverdiener. Der deutsche Ferraribezwinger soll dem Ziehsohn von Denner-Gründer Karl Schweri den nötigen Glamourfaktor liefern.

Der Expansionskurs könnte ehrgeiziger nicht sein. Mit seinem Konglomerat will Gaydoul das schillernde Geschäft mit der teuren Mode erobern - überall und um jeden Preis. Neben Navyboot dient Schumacher auch als Aushängeschild für die luxuriöse Sportbekleidungskette «Jet Set». Die Strumpfmarke Fogal und die Uhrenmanufaktur Hanhart sind weitere Bausteine von Gaydouls globaler Vision.

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Der Sprung über die Grenze startete vor eineinhalb Jahren mit Navyboot. Damals eröffnete Gaydoul eine erste ausländische Navyboot-Filiale am Münchner Flughafen. Bald folgten in Deutschland neun weitere Standorte an besten Hochpreis-Lagen wie etwa am Kurfürsten-damm in Berlin oder an der Königsallee in Düsseldorf. Drei weitere deutsche Ladengeschäfte sind in Planung. Bald wird auch China folgen. In Schanghai und in Hongkong sollen noch in diesem Herbst zwei Navyboot Stores ihre Türen öffnen.

Doch Gaydouls Grossoffensive wirkt ziemlich leichtsinnig. Ausgerechnet in seinem Heimmarkt scheint er längst nicht alles im Griff zu haben. Gleich drei Navyboot-Filialen in Rümlang, Thun und Genf haben im Januar aufgegeben. «Sie waren zu klein und nicht mehr attraktiv genug», sagt Toni Haberthür, Head of Sales bei Navyboot. «Unsere Strategie geht Richtung grössere Läden. Wir haben mehrere grosse Projekte für 2011.» Nur beste Lagen mit sündhaft teuren Mieten kommen in Frage.

Verluste wegstecken

Die Branche staunt über die kostspielige Expansion. Kaum einer glaubt an den Erfolg. «Sein Geschäft läuft nicht. Er ist abgehoben», sagt ein Vertrauter aus Gaydouls engstem Umfeld. Offen würde das keiner sagen. Niemand will es sich mit dem reichen Erben verscherzen, der mit Geld um sich schmeisst, um seine Jet Set Vision zu verwirklichen. «Gaydoul kennt weder das Geschäft mit der Mode noch das komplizierte Schuhgeschäft. Aber er kann sich Verluste locker leisten», sagt ein anderer Insider, anonym versteht sich.

Über genaue Umsatz- und Ertragszahlen wird im Gaydoul-Imperium konsequent geschwiegen. «Wir entwickeln uns entlang dem Markt», sagt Verkaufsleiter Haberthür lediglich.

Diese Aussage lässt sich vor Ort in Gaydouls Modeläden nur schwer nachvollziehen. In der weiträumigen Navyboot-Boutique beim Zürcher Opernhaus ist selten mehr als eine Kundin anzutreffen. Selbst im laufenden Ausverkauf, wenn die 449 Franken teuren Ankle Boots nur noch die Hälfte kosten. Das gilt auch für andere Stores.

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Das halbmondäne Ladenkonzept hat es schwer. Die Superreichen bevorzugen exklusive Edelboutiquen. Und dem Möchtegern-Jetset sind die Navyboot-Schuhe inzwischen oft zu teuer. Zudem leiden sie unter einem schlechten Ruf bezüglich Qualität. «Daran haben wir stark gearbeitet, indem wir mit weniger Lieferanten, aber dafür enger zusammenarbeiten», wehrt sich Haberthür.

Die Lokale an besten Lagen verschlingen nicht nur wegen der hohen Mietkosten viel Geld. Gleich zweimal liess Gaydoul zum Beispiel den Laden im NZZ-Hauptsitz total umbauen, bis er ihm passte. Offensichtlich ist der ehemalige Rappenspalter des Discountgeschäfts bei seiner Expansion nicht knauserig. Brancheninsider spekulieren gar, Gaydoul habe beinahe 90 Millionen Franken bezahlt, als er Navyboot 2008 von Bruno Bencivenga kaufte. Dabei sei die Firma höchstens 45 Millionen Franken wert gewesen.

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Auch die vielen Management-Wechsel kosten Geld. «Er betreibt eine Hüst-undHott-Politik,» sagt ein Insider. Seit dem Kauf wechselt Gaydoul praktisch die ganze Führungsmannschaft aus. Auch den Neuen gelingt es nicht, sich dauerhaft zu etablieren. Ende letzten Jahres verliess etwa Navyboot-CEO Hendrik Gottschlich das Unternehmen bereits wieder. Interimistisch ist Gaydoul selbst eingesprungen, bis am 1. März Faris Momani die Zügel übernehmen soll. Er war zuvor nur ein Jahr Sprecher der Geschäftsführung vom Hamburger Unternehmen Joop, das er vergangenen Sommer abrupt verliess.

Zum munteren Managerwechsel sagt Gaydoul-Group-Sprecherin Daniela Gisler: «Gottschlich war für die Restrukturierung verantwortlich, Momani wird es für die Expansion sein.»

Beim Aufbau seiner Marken klotzt der 39-jährige Gaydoul mit grossen Namen. Er heuert Starfotograf Michel Comte an, um den Formel-1-Fahrer Schumacher ins richtige Licht zu rücken. Allein Schumachers Verpflichtung soll 2 Millionen Euro verschlungen haben. So mancher glaubt jedoch, es sei noch deutlich mehr gewesen. Comte lichtet auch Ex-Miss Schweiz Melanie Winiger ab - in der Wüste von Nevada, damit der Hintergrund stimmt.

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Schöne Auslagen, kaum Kunden

«Er ist gierig auf Publizität», sagt einer seiner Vertrauten. Wenn Gaydoul mit Schumacher gerne in der Zürcher «Kronenhalle» speist, weiss das kurz darauf auch Blick Online. Die Nähe zu den Promis kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass etwa Gaydouls Luxus-Sport-Modelabel «Jet Set» schon bessere Zeiten erlebt hat. Einst machte man 100 Millionen Umsatz, heute sind es noch 20. Im ersten halben Jahr war es ein Verlustgeschäft. Daran dürfte sich so bald kaum etwas ändern. Wer den Laden an der Zürcher Rämistrasse regelmässig besucht, sieht das gleiche Bild wie bei Navyboot: Kaum Kunden.

Gaydoul setzt trotzdem auf Expansion. «Jet Set» soll ab dem 2. Halbjahr mit einem neuen Flagship-Store auf 230 Quadratmetern mitten in der Zürcher Bankenmeile punkten.

Als dritte Luxus-Modemarke besitzt Gaydoul das Strumpfgeschäft Fogal, das einen Umsatz von rund 20 Millionen Franken erzielt. Vor 13 Jahren lag der Umsatz mit 37 Millionen Franken noch beinahe doppelt so hoch. Fogal soll ebenfalls im Ausland expandieren. Vorläufig abgerundet wird Gaydouls Portfolio mit der Uhrenmarke Hanhart.

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Seine riskante Strategie könnte Gaydoul viel Geld kosten. Hohe Mieten und wenige Kunden sind eine gefährliche Mischung. Am nötigen Kapital wird es ihm allerdings nie fehlen. Allein seine Immobilie Franz Carl Weber an der Bahnhofstrasse wird von einem Immobilienspezialisten auf 200 Millionen Franken geschätzt. Weitere Immobilien der Gaydoul Real Estate liegen am Zürcher Rennweg und an der Fortunagasse, wo der «Club am Rennweg» haust. In Bern und St. Gallen besitzt Gaydoul ebenfalls exklusive Lagen.

Gaydouls Reichtum ist geerbt. Allein für den Verkauf von Denner kassierte er zusammen mit weiteren Erben 1 Milliarde Franken. Grossvater Schweri war eben zeitlebens sehr sparsam - und verlor nie die Bodenhaftung.