General Motors hat die elektrische Autozukunft mit dem Volt angekündigt. Dieses Fahrzeug sei zwar noch eine Studie, aber nicht mehr weit von einer Serienfertigung entfernt, erklärte Robert «Bob» Lutz, GMs Vice-Chairman und in Detroit verantwortlich für die Entwicklung, kürzlich bei einem Besuch in Zürich. Der Volt soll laut Angaben von GM ab 2010 zumindest als Kleinserie gebaut werden.

Elektrisch wollen auch Nissan und Konzernpartner Renault fahren. Die französisch-japanische Allianz und die portugiesische Regierung haben letzte Woche in Lissabon ein Abkommen zur Förderung der emissionsfreien Mobilität in dem südeuropäischen Land unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Allianz in Portugal ab 2011 Serienfahrzeuge mit reinem Elektroantrieb vertreiben wird.

Mercedes ihrerseits beabsichtigt, den Kleinstwagen Smart mit einem rein elektrischen Antrieb auszurüsten; auch ein elektrischer Mercedes, wahrscheinlich aus der heutigen A- oder B-Klasse, sei in Entwicklung, lässt sich Konzernchef Dieter Zetsche vernehmen.

Gegen den Trend schwimmt im Moment Fiat. Der italienische Hersteller setzt auf kleine Verbrennungsmotoren, die dank eines Turbos eine Leistung von 120 bis 150 PS abgeben. Toyota wiederum setzt vorerst den Hybridantrieb ein, also den Elektro- gekoppelt mit einem Benzinmotor. Damit hat der weltweit grösste und erfolgreichste Hersteller für Schlagzeilen gesorgt und sich längst ein «grünes Image» zugelegt.

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Warten auf die Brennstoffzelle

Die französisch-japanische Verbindung Renault-Nissan will ebenfalls nicht beim rein elektrischen Antrieb stehen bleiben und kündigt für das zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts die Brennstoffzelle an. Sie produziert aus Wasser- und Sauerstoff elektrischen Strom, der die Energie für einen Elektromotor im Auto liefern soll. Schädliche Abgase entstehen dabei keine, durch den Auspuff entflieht lediglich Wasserdampf.

Die Franzosen haben kürzlich einen Scenic mit einem Brennstoffzellenantrieb vorgestellt. Auf einer kurzen Teststrecke hinterliess das Auto einen einsatzfähigen Eindruck, doch die Ingenieure sprechen von einer Serienfertigung, die erst in acht bis zehn Jahren anlaufen werde.

Mercedes, General Motors sowie japanische und koreanische Hersteller arbeiten ebenfalls an der Brennstoffzelle. Aber auch sie stellen eine Serienfertigung nicht vor 2015 in Aussicht. Die Zeit bis dahin muss jedoch überbrückt werden, schon aus diesem Grund setzen die Hersteller für die nächsten 15 Jahre stärker als früher auf den Elektroantrieb mit Batterien als Energiespeicher.

Deshalb darf davon ausgegangen werden, dass ab 2010 Schritt für Schritt einige Modelle mit Elektromotoren lieferbar sein werden, wie zum Beispiel der Volt. Auf diese Weise sollen ab 2012 der Flottenverbrauch und die CO2-Emissionen auf das von der EU geforderte Niveau sinken oder die einzelnen Marken zumindest in die Nähe dieses Grenzwertes kommen. Renault wie Nissan planen Grossversuche mit Elektromobilen in Israel und Dänemark. Die israelischen Behörden haben grosszügige finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.

Für grössere Fahrzeuge sind Elektromotoren hingegen (noch) nicht geeignet. Deshalb sieht Mercedes in den nächsten Jahren die Lösung im Einsatz von Dieselmotoren mit Bluetech-Technologie. Dabei wird Harnstoff in den Abgasstrang gespritzt, was die Emissionen stark senkt.

Subventionen vom Staat

Ob die Kundschaft allerdings Elektrofahrzeuge wegen der hohen Anschaffungskosten so ohne weiteres annimmt, also auch kauft, nur weil sie emissionsfrei sind, steht auf einem anderen Blatt. Hoher Treibstoffpreis hin oder her – Renaults Manager scheinen zudem vom Elektroantrieb nicht vollends überzeugt zu sein, denn sie liessen durchblicken, dass die EU umweltschonende Fahrzeuge unterstützen müsse, beispielsweise indem Käufer in den Genuss von Steuererleichterungen kommen.

Ein weiteres Problem für Elektromotoren mit Batterien als Energiespeicher stellt nach wie vor ihre geringe Reichweite dar, liegt sie doch bei lediglich 100 km. Auch das Wiederaufladen der Akkus nimmt noch immer Stunden in Anspruch. Renault plant deshalb Stationen, bei denen in wenigen Minuten ganze Batteriesätze ausgewechselt werden können. Ob solche Bemühungen aber die Kundschaft zu überzeugen vermögen, ist keineswegs sicher. Nicht nur für sie, auch für die Autoindustrie brechen vor diesem Hintergrund unsichere Zeiten an.