«Die Krise wird nicht so bald überwunden sein», sagt Jan-Egbert Sturm im Interview mit der «Handelszeitung». Die USA kämen nicht mehr als Lokomotive für die Weltwirtschaft in Frage. Auch von Asien dürfe nicht zu viel erwartet werden. Darum beurteilt der Leiter der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (Kof) die Aussichten für die Schweiz alles andere als rosig: «Die Lage wird sich leider verschlechtern.» Positive Signale seien nicht einfach zu erkennen. «Erst im nächsten Jahr werden wir wieder positive BIP-Wachstumsraten sehen, doch selbst diese werden das Potenzialwachstum nicht erreichen.» Für die Krise gebe es zu wenig Erfahrungswerte. «Aus ökonomischer Sicht leben wir seit September in einer neuen Welt.»

Die Möglichkeiten der Wirtschaftspolitik, dieser Entwicklung entgegenzutreten, sind beschränkt. Jan-Egbert Sturm: «Schon mit den bei-den bisherigen Konjunkturpaketen hat man die sinn-vollen Investitionsmöglichkeiten praktisch ausgeschöpft.»

Bleibt die Geldpolitik. Um eine Deflation zu verhindern - sinkende Preise auf breiter Front und einen Konsum- und Investitionsstreik als Folge -, hat die Nationalbank schon bisher ohne viel Wirkung ihre Geldmenge innert Jahresfrist beinahe verdoppelt. Weitere Massnahmen sollen folgen. Dieses äusserst expansive Vorgehen könnte die Teuerung anheizen. Doch Jan-Egbert Sturm entgegnet: «Im Moment ist die Sorge nicht die Inflation, eher das Gegenteil, eine Deflation.» Bereits die Nationalbank hatte vor deflationären Risiken gewarnt. Kof-Chef Sturm: «Tatsächlich wächst auch nicht die Geldmenge, sondern deren Zusammensetzung ändert sich.»