Trotz einer sich abzeichnenden Abkühlung der Konjunktur und entgegen der Entwicklung in den ausländischen Märkten konnte das Schweizer Bauhauptgewerbe im 1. Semester 2008 eine Umsatzsteigerung um 3,2% gegenüber dem Vorjahr auf 8,1 Mrd Fr. verbuchen. Ausschlaggebend für das Volumenwachstum war vor allem der Wohnungsbau, der gar das negative Ergebnis im Tiefbau wettmachen konnte. Sorgen bereiten dagegen die steigenden Kosten für Stahl und Treibstoff, die in den vergangenen Monaten erheblich angestiegen sind und die Margen im Baugewerbe weiter schmelzen liessen.

Gute Auslastung dank Stabilität

Für die gute Auslastung im Schweizer Bausektor machen Branchenexperten die im Vergleich zum Ausland robustere Konjunktur und die stabile Binnenlage verantwortlich. Dadurch lasse sich in der Schweizer Baubranche insgesamt ein langsamerer Zyklus feststellen. Eine vergleichbare Entwicklung hat auch Anton Affentranger, Verwaltungsratspräsident von Implenia, ausgemacht. Der Baukonzern wird am 16. September seine Semesterzahlen ausweisen. Um den grössten Schweizer Baukonzern ist es in den vergangenen Monaten ruhiger geworden, seitdem die Auseinandersetzung zwischen dem Unternehmen und seinem ungeliebten Grossaktionär, dem Hedge-Fonds Laxey Partners, nicht mehr über die Medien ausgetragen wird. «Die rechtlichen Verfahren sind aber nach wie vor im Gange», erklärt Affentranger. Er ist weiterhin zuversichtlich, dass die Gerichte die Sachlage wie bis anhin im Sinne von Implenia entscheiden werden.

Zwiespältig fallen dagegen die Anzeichen aus dem von Implenia anvisierten Markt in Russland aus. Dort hat das Unternehmen bereits Projekte akquiriert und abgewickelt, darunter ein Vorprojekt inklusive Design für zwei Stadien im russischen Sotschi für die Winterolympiade 2014.

Bauprojekte in Sotschi blockiert

Im vergangenen Semester sind nun aber die Bauprojekte in Sotschi in Stocken geraten. So trat Mitte April der Chef des für das Olympia-Projekt zuständigen Staatskonzerns Olympstroy, Semjon Weinstock, zurück, was von Kennern der russischen Staatswirtschaft als Anzeichen für Zerwürfnisse und eine Kostenexplosion gewertet wird. Der Startschuss für die Bauarbeiten steht noch aus.

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«Wir warten auf den Entscheid und hoffen, dass die Bauarbeiten bald beginnen», erklärt diesbezüglich Implenia-VR Affentranger. Angesichts der Tatsache, dass das Umsatzvolumen in Sotschi aber nicht sehr hoch sei, könne Implenia den Wegfall eines Projektes gut verkraften. Auch die politischen Risiken in Russland, die sich seit dem Kaukasuskonflikt deutlich erhöht haben, scheinen die Geschäftstätigkeit von Implenia in diesem Markt nicht zu belasten. «Dank unseres lokalen Partners Russian Land sind wir in Russland gut abgestützt und von den politischen Unruhen kaum betroffen», so der Implenia-Verwaltungsratspräsident.

CEO-Entscheid vor Ende Jahr

Bei Implenia wird es im Jahr 2009 zu einer Ablösung an der Konzernspitze kommen, wenn der langjährige Chef Christian Bubb in Pension gehen wird. Als Nachfolger wird branchenintern eine international erfahrene Persönlichkeit gehandelt. Affentranger dementiert: «Unsere Suche erfolgt sowohl intern als auch extern und ist nicht auf international erfahrene Personen beschränkt.» Der Nachfolgeentscheid soll noch vor Ende Jahr erfolgen.