Der Diamant regiert die Welt der Juwelen: Als zauberhaftes Pavé sind kleine Steine dicht an dicht gesetzt und erzeugen ein elektrisierendes, flächiges Funkeln. Dem Duett mit Farbsteinen schenkt er Pracht und Intensität, als eindrucksvoller Solitär ist er der Protagonist der Liebe. Man begegnet ihm am häufigsten im Brillantschliff, da ihn diese Schliffform am glanzvollsten und leuchtendsten präsentiert. Als Tropfen, Navette, Herz oder Baguette wirkt er individueller und ist die wichtigste Ingredienz der Haute Joaillerie.

Die ganz Grossen sind selten

Doch die wahren, die grossen Persönlichkeiten sind selten zu finden: Bedeutende Diamanten bestechen durch ihre ausgefallene Grösse, ihre besondere Schönheit und Ausstrahlung. Mit ihrer Magie besonders eng verknüpft ist die Geschichte von Cartier. Dem legendären Pariser Juwelier wurden immer wieder sagenhafte Steine anvertraut, um daraus einzigartige Juwelen herzustellen. So liest sich ein Rückblick auf die Kreationen des Hauses wie ein «Who’s who der Diamanten» – angeführt vom legendären, etwa 45-karätigen «Hope», dem wohl berühmtesten Edelstein der Welt, dem man sagenhafte Schönheit, aber auch unheilvolle Ausstrahlung nachsagt, die Unglück bringe.

Der golfballgrosse, saphirblaue Diamant gelangte im 17. Jahrhundert nach Europa – ursprünglich soll er die Statue einer indischen Gottheit geschmückt haben. Er kam in den Besitz des Sonnenkönigs Ludwig XIV., verschwand in den Wirren der Französischen Revolution und tauchte 1830 wieder in London auf. Ob die Geliebte eines russischen Fürsten oder die Lieblingsfrau eines türkischen Sultans – immer wieder soll der «Hope»-Diamant seinen Trägerinnen Pech, Unglück und Verderben gebracht haben.

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Seinen Namen erhielt er vom Amsterdamer Bankier Henry Philip Hope, ab 1839 Besitzer des sagenhaften Steins. 1910 erwarb ihn Pierre Cartier und machte ihn zum Mittelpunkt eines unglaublichen Anhängers, umgeben von weissen Diamanten an einem atemberaubenden, ebenfalls weissen Diamant-Collier. Davon war die Erbin der «Washington Post», Evalyn Walsh McLean, so beeindruckt, dass sie das Schmuckstück kaufte und zeitlebens gerne trug.

Heute kann man die Schönheit des «Hope»-Diamanten im Museum bewundern – seit den 1950er Jahren wird er in der Smithsonian Institution in Washington ausgestellt.

Zu anderen spektakulären Diamanten, die in den Ateliers von Cartier in Kunstwerke der Haute Joaillerie verwandelt wurden, zählt der «De Beers»-Diamant – mit über 234 Karat einer der grössten Diamanten der Welt überhaupt, der von Cartier 1928 zum Mittelpunkt des zeremoniellen Halsschmucks von Maharadscha Sir Bhupindar Singh von Patiala gemacht wurde.

Unvergesslich sind auch der knapp 48-karätige «Star of South Africa», den Cartier zu einer Brosche verarbeitete, oder der über 62-karätige «Cartier-Burton-Taylor-Diamond», der zum Zeugen der Amour fou der Hollywood-Schauspieler Richard Burton und Elizabeth Taylor wurde – gefasst in einen Anhänger von Cartier.

Ihre Suche macht fast süchtig

Die Legende sagenhafter Diamanten wird bis heute durch neue Funde und Entdeckungen fortgeschrieben – angefeuert von der Leidenschaft, die man den Edelsteinen in der Welt des Schmucks entgegenbringt. Auch Caroline Gruosi-Scheufele, Co-Präsidentin von Chopard in Genf, ist für schöne Diamanten entflammt und reist bis ans andere Ende der Welt, um besondere Exemplare zu ergattern. Sie liebt die Reinheit und den aussergewöhnlichen Glanz der Steine.

Dank ihrer unermüdlichen Suche gelingt es ihr immer wieder, besondere Stücke zu erwerben. Zum Beispiel einen intensiv orangefarbenen Stein – mit über 6 Karat der grösste heute bekannte, naturfarbene Diamant dieser Colour. «Das ist mein Lieblingsdiamant», schwärmt Gruosi-Scheufele. «Seine Farbe ist so aussergewöhnlich, dass ich mich in ihn verliebt habe. Besonders gut gefallen hat mir seine Tropfenform.»

Noch spektakulärer ist der «Chamäleon-Diamant» von Chopard – mit 31,31 Karat das grösste Exemplar seiner Art, gefasst in einen Ring. Der Stein fasziniert durch die Eigenheit, dass er seine Farbe durch Erwärmung oder nach Aufbewahrung im Dunkeln vorübergehend ändert. Der Chopard-Diamant changiert zwischen einem warmen Olivgrün mit herrlichem Bronzeschimmer sowie einem faszinierenden Goldgelb – ein Phänomen, das Gemmologen als «Wunderwerk der Natur» bezeichnen. Es dauerte übrigens lange, bis das Rätsel dieser Wandelbarkeit von Wissenschaftlern gelüftet wurde. Heute weiss man, dass eine hohe Konzentration an Wasserstoff, Stickstoff und Nickel für die variierenden Nuancen der Chamäleon-Diamanten verantwortlich ist.

Ehrfurcht vor dem Wunder der Natur

«Ein solches Exemplar sieht man in seinem Leben vielleicht ein einziges Mal», sagt Gruosi-Scheufele. Deshalb falle es ihr immer wieder schwer, sich von solch besonderen Juwelen wieder zu trennen. «Ich habe grossen Respekt vor Edelsteinen, da sie von der Natur geschaffen sind. Vor diesem Wunder steht man mit grosser Ehrfurcht.»

Doch welche Menschen sind bereit, unvorstellbare Summen für solch kostbare und ausgefallene Diamanten auszugeben? Gruosi-Scheufele kennt die Klientel genau: «Genauso, wie es Kunstsammler gibt, existieren Sammler, die kostbaren Juwelen verfallen sind. Und ausserdem sind Edelsteine die kleinste Form, viel Kapital auf wenigen Quadratzentimetern zu vereinen.»