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Möbelgigant
Steinhoff-Hauptaktionär Wiese nimmt seinen Hut

Lipo-Schweiz-Dietikon
Lipo-Filiale in Dietikon ZH: Deren 22 gibt es in der Schweiz.Quelle: Lipo

Noch mehr Unruhe beim Ikea-Rivalen Steinhoff: Zwei Wochen nach dem Chefwechsel tritt auch der Interimschef zurück.

Veröffentlicht am 15.12.2017

Bei dem wegen möglicher Bilanzfälschungen unter Druck geratenen Poco-Mutterkonzern Steinhoff tritt Hauptaktionär und Interimschef Christo Wiese von seinem Posten als Vorsitzender zurück.

Er habe den Schritt angeboten, um ein unabhängiges Management zu gewährleisten, teilte der deutsch-südafrikanische Einzelhandelriese am Donnerstag mit. Aufsichtsratsmitglied Heather Sonnn werde vorerst seine Aufgaben übernehmen.

Chef weg

Erst Anfang Dezember hatte der seit fast zwei Jahrzehnten amtierende Konzernchef Markus Jooste seinen Hut genommen. Wiese übernahm daraufhin vorübergehend die Unternehmensleitung, was beim zweitgrössten Steinhoff-Aktionär, dem südafrikanischen Pensionsfonds PIC, für Unmut sorgte.

PIC fürchtete, dass der Multimilliardär Wiese mit seiner Doppelfunktion an der Spitze des Unternehmens in einen Interessenkonflikt geraten könnte. Am Donnerstag legte auch Christo Wieses Sohn Jacob sein Mandat im Kontrollgremium nieder.

Verfahren in Deutschland

Gegen Steinhoff laufen in Deutschland bereits seit zwei Jahren Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschungen. Die laufenden Verfahren prüfen, ob die vom Konzern angegebenen Umsatz- oder Gewinnzahlen tatsächlich den realen Geschäftsgang wiedergeben. Wie die «Handelszeitung» berichtete, spielen dabei Vorgänge in der Schweiz möglicherweise eine wichtige Rolle.

Wegen der Vorwürfe hatte der Konzern zuletzt die Veröffentlichung von Geschäftszahlen verschoben. Am Mittwoch zog er seine Bilanz 2016 mit der Begründung zurück, dass die Zahlen nicht mehr zuverlässig seien. Laut der bisherigen Bilanz 2016 steht Steinhoff mit über 16 Milliarden Euro bei Banken in der Kreide.

Wiese verliert Kontrolle über Unternehmen

Ebenfalls am Donnerstag wurde bekannt, dass Banken angesichts des jüngsten Wertverlusts von Steinhoff ihre sogenannten Sicherungsrechte wahrgenommen haben: Sie verkauften Steinhoff-Aktien im Wert von rund 48,6 Millionen Euro, die ihnen als Pfand für Kredite an Wiese dienten.

Mit der Veräusserung der Anteile zerbrach den Angaben zufolge automatisch der Aktionärspool, den Wiese zur Kontrolle des Unternehmens aufgebaut hatte. Die Stimmrechte des Pools waren unter die entscheidende Schwelle von 30 Prozent gefallen. Wiese selbst hält knapp 23 Prozent der Aktien.

Ikea-Rivale Steinhoff

Steinhoff war in den vergangenen 20 Jahren zu einem der weltweit grössten Haushaltswaren- und Möbelkonzerne aufgestiegen. Vor zwei Jahren war das Unternehmen von der Börse in Johannesburg nach Frankfurt gewechselt.

In Europa ist der Konzern vor allem als zweitgrösster Möbelhändler nach Ikea bekannt. Die beiden Häuser Lipo und Conforama gehören zur Gruppe.

(sda/ise)

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