Die Hiobsbotschaften jagen sich: SAP streicht weltweit 3000 Stellen, Microsoft 5000, Dell schliesst eine ganze Fabrik in Irland und kündigt Streichungen an. Intel schliesst ältere Werke und schickt 5000 Angestellte nach Hause, Logitech baut 550 Arbeitsplätze ab, Sun Microsystems entlässt 5000 Angestellte, Alcatel-Lucent 1000 Manager und 5000 Teilzeitangestellte, bei Sony sind es 8000 Stellen. IBM machte den Angestellten in den USA Arbeitsplätze in Indien schmackhaft und der kanadisch-amerikanische Netzausrüster Nortel flüchtete sich unter das Konkursrecht.

Die Wirtschaftskrise hat jetzt auch die Informations- und Kommunikationsbranche erreicht, die sich bisher noch vergleichsweise sicher gefühlt hat. Und die Krise macht vor der Schweiz nicht Halt: Marktforscher Röbi Weiss beispielsweise sieht schwarz für den hiesigen Informatikmarkt. Für dieses Jahr erwartet er in der Schweiz rückläufige Umsätze bei PCs und Notebooks.

Schlechte Marktaussichten

Wenig positiv gestimmt ist auch Andreas Knöpfli, Präsident des Branchenverbandes Swico und Chef von Sun Microsystems in der Schweiz. «Wir sehen ein unterschiedliches Bild. Es gibt einige Bereiche im Bankensoftware-Umfeld oder beim Outsourcing, wo es unter enormem Preisdruck gut läuft. In anderen Bereichen müssen Firmen hart um Aufträge kämpfen», sagt Knöpfli.

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Härter ist die Lage derzeit auch für Logitech. «Ich fürchte, wir haben auch Redundanzen bei unseren rund 300 Angestellten in der Schweiz», sagt Logitech-Sprecher Ben Starkie. Logitech bleibe zwar weiterhin mit der Schweiz verbunden, aber es sei mit Jobkürzungen zu rechnen. Auch bei Sony sind Streichungen bei den 120 Angestellten in der Schweiz zu erwarten, wie eine Sprecherin bestätigt. Sie verweist indes auf den März - erst dann kenne man die Details.

Thomas Marfurt, Nortel-Chef in der Schweiz, verweist ebenfalls auf eine bis März laufende Frist. Bis dann muss ein Restrukturierungsplan erarbeitet werden, und dann werde man wissen, ob und wie viele Stellen gestrichen werden. In der Schweiz arbeiten knapp 50 Angestellte für Nortel. Intern laufe das Geschäft normal weiter, sagt Marfurt. Eine Lenovo-Sprecherin verwies auf die Presseerklärung, wonach die Abbaurunde alle Länder betreffe. Konkrete Angaben zu Kürzungen in der Schweiz machte sie nicht. Auch eine Dell-Sprecherin konnte keine offizielle Erklärung abgeben. Dell steht aber auch in der Schweiz unter Druck. Laut einem Bericht des Fachmagazins «IT-Reseller» wird die Position des General Manager, die bisher von Jean-Jacques Suter besetzt war, gestrichen. Der Nachfolger Christian Monnin ist lediglich noch Site Leader.

Besser läuft es bei Alcatel-Lucent. «Wir rechnen auch dieses Jahr mit einem markanten Umsatzwachstum», sagt Jon Erni, Marketing- und Verkaufschef des Konzerns in der Schweiz. «Der dadurch entstehende Personalbedarf wird mit den Mitarbeitern der Outsourcing-Projekte von Orange und Sunrise abgedeckt.» Und auch bei Microsoft in der Schweiz sieht man trotz globaler Kürzungsrunde keine Probleme. «Wirtschaftlich bedingte Entlassungen sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt für uns kein Thema», sagt Microsoft-Chef Peter Waser. Ins Zürcher Entwicklungszentrum werde weiter investiert.

Natürliche Fluktuation nutzen

Bei SAP versucht man, allfällige Abbaurunden über die natürliche Fluktuation zu regeln, wenn dies erforderlich sein sollte, wie Sprecherin Claudia Rollero sagt.

Glück im Unglück hat SonyEricsson: «Wir sind nur neun Angestellte und waren mit einer Restrukturierung im letzten Sommer schon sehr früh dran», sagt Sprecher Rolf Weiss. «Deshalb sind bei uns keine Entlassungen zu erwarten.»

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