Die alle zwei Jahre stattfindende IAA Nutzfahrzeuge entwickelte sich in den vergangenen Jahren zum grössten Schaufenster der Nutzfahrzeugindustrie. Hersteller und Zulieferer präsentierten in Hannover ein äusserst umfangreiches Programm an modernen, leistungsfähigen und zugleich umweltfreundlichen Fahrzeugen und Antriebskonzepten. Aber auch die Aspekte der Sicherheit im Verkehr und nicht zuletzt der Komfort moderner Lastwagen standen im Zentrum der Messe.

Entsprechend seiner führenden Präsenz im internationalen Nutzfahrzeuggeschäft präsentierte Daimler Trucks AG eine breite Palette an leichten wie schweren Nutzfahrzeugen. Mehr als 80 Fahrzeuge, darunter zahlreiche Weltpremieren, auf vier verschiedenen Ausstellungsständen standen für Innovationsführerschaft in Sicherheit, Umweltschonung und Wirtschaftlichkeit sowohl bei den Lastwagen als auch Transportern, Omnibussen, Sonderfahrzeugen und Komponenten. Sieben Hybrid-Lastwagen, -Transporter und -Busse repräsentierten die Daimler Initiative «Shaping Future Transportation», mit der das Unternehmen die Entwicklung von alternativen Antrieben im Nutzfahrzeug vorantreibt.

Weltpremiere Actros Bau

Weltpremiere feierten auf der IAA die Baufahrzeuge des Mercedes-Benz Actros. Sie sind speziell auf den Einsatz im Bauverkehr zugeschnitten. Optisch lehnt sich der Actros Bau an den neuen Actros an, setzt jedoch eigene, einsatzspezifische Akzente. Besonders markant ist eine Edelstahl-Schutzplatte für Kühler und Motor. Die Actros Modellreihe Bau profitiert optional vom neuen voll automatisierten 12 Gang-Schaltgetriebe Mercedes PowerShift, hier aufgrund anderer Abstimmungen und Funktionen sowie verstärkter Komponenten als PowerShift Offroad bezeichnet. Eindrucksvoll ist auch die neue Generation der Schwerlast-Zugmaschine Mercedes-Benz Actros SLT. Sie ist auf ein zulässiges Gesamtzuggewicht von maximal 250 t ausgelegt. Der leistungsgesteigerte V8 mit 15,9 l Hubraum bringt es auf 480 kW (653 PS) und ein maximales Drehmoment von 3000 Nm. Die Kraftübertragung erfolgt über eine hydrodynamische Kupplung. Seine IAA-Premiere feierte der im Frühjahr neu vorgestellte Mercedes-Benz Actros, der erste Lastwagen mit serienmässigem automatisiertem Getriebe, Mercedes PowerShift 2. In Hannover wurde zudem die Actros-Baureihe von einer internationalen Jury von Fachjournalisten zum «Truck of the Year 2009» gewählt.

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Ein weiterer Schwerpunkt der Fahrzeuge von Mercedes-Benz auf der IAA 2008 waren alternative Antriebe. Weltpremiere hatte der Axor BlueTec Hybrid, für den mittleren Fernverkehr mit einem Hybridantrieb, hier als Parallelhybrid ausgebildet. Er soll eine Treibstoffeinsparung von etwa 6% erreichen und als Prototyp im kommenden Jahr in den Kundenversuch gehen. Bei den Transportern wurde der Showcar Vito BlueEfficiency mit neuen Technologien für konventionelle Antriebe präsentiert. Wirtschaftlichkeit auf andere Art präsentiert der neue Sprinter 4x4 mit zuschaltbarem Allradantrieb. Sein elektronisches Traktionssystem 4ETS kann die Wirkung von bis zu drei Differenzialsperren simulieren. Eine optionale Getriebeuntersetzung erhöht die Traktion zusätzlich. Mit gleich zwei Premieren wartet der Mercedes-Benz Econic auf an der IAA 2008. Neu ist der bereits seriennahe Econic BlueTec Hybrid mit einem Parallelhybrid auf Basis des Dieselmotors OM 906 LA mit 210 kW (286 PS). Als Konzeptstudie präsentiert Mercedes-Benz den Econic NGT Hybrid. Er kombiniert einen Erdgasantrieb mit Einstufung nach EEV mit einem Elektromotor. Ihre Weltpremiere erlebt die neue Generation des Mercedes-Benz Busses Travego. Der Premium-Reisehochdecker ist jetzt mit Active Brake Assist lieferbar. Er leitet bei akuter Gefahr eines Auffahrunfalls auf ein vorausfahrendes Fahrzeug nach gestuften Warnhinweisen im letzten Schritt selbstständig eine Vollbremsung ein.

Der Travego profitiert überdies vom patentierten passiven Sicherheitssystem Front Collision Guard mit verschiebbarem Fahrerplatz. Im Mittelpunkt der Neuheiten der Premium-Omnibusmarke Setra stand das neue Spitzenmodell der ComfortClass 400, der 15 m lange Setra S 419 GT-HD. Der eindrucksvolle Reisehochdecker bietet 60 Sitzplätze.

MAN – Euro 5 ohne AdBlue

Mit der Einführung neuer Euro-5-Motoren für alle Fahrzeugbaureihen, die ohne den zusätzlichen Betriebsstoff AdBlue auskommen, sorgte MAN Nutzfahrzeuge in Hannover für einige Diskussionen zum Thema Dieselmotoren-Entwicklung. Und die Münchner setzten noch einen drauf: Etliche Motoren erfüllen sogar den noch anspruchsvolleren EEV-Standard (= Enhanced Environmentally Friendly Vehicles). Die neuen MAN-Motoren basieren auf den modernen Baureihen D20 CR und D26 CR, auch die leichten und mittelschweren Dieselmotoren der Baureihe D08 CR erfuhren eine grundlegende Überarbeitung. Im Fokus der neuen Motorengeneration steht die moderne, Lambda-geregelte Technologie der Abgasrückführung (AGR). In Verbindung mit dem Common-Rail-System der 3. Generation, zweistufiger Aufladung sowie Zwischen- und Hauptladeluftkühlung und weiteren verbrennungstechnischen Verbesserungen können die neuen Motoren die strenge Euro-5-Abgasnorm sowie in den meisten Fällen den freiwilligen EEV-Standard einhalten, ohne auf eine aufwendige Abgasnachbehandlung mittels SCR-Technologie angewiesen zu sein. Der Vorteil für den Kunden: Er tankt nur Diesel, die vorgeschriebene Abgasqualität wird ohne AdBlue erreicht. Daneben spart sich der Betreiber den Bauraum für die SCR-Abgasnachbehandlung sowie dessen Gewicht.

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Modellpflege für TGL und TGM

Auch die leichteren MAN-Baureihen erhalten zur IAA 2008 das markante Familiengesicht der neuen Trucknology-Generation. Unter der Haube sitzen neue leis-tungsfähige Motoren mit AGR (Abgasrückführung) und Common-Rail-Einspritzung – alle Leistungsstufen werden auch in EEV-Abgasqualität angeboten. Die Palette der MAN Omnibusse zeigte sich auf der IAA Nutzfahrzeuge erstmals in einem durchgehend einheitlichen Erscheinungsbild im neuen Design mit modernisiertem Markenlogo. Gänzlich in neuem Kleid präsentierte sich der Low-Entry Stadt- bzw. Überlandbus MAN Lion’s City LE. Alle MAN-Busse erreichen mit der Pure Diesel Motorentechnologie den EEV-Standard.

Schwerpunkt Sicherheit

Mit der bekannten Trucknology-Generation bietet MAN ein Fahrzeugprogramm an, welches über ein hohes Mass an aktiver und passiver Sicherheit verfügt. Für eine breite Typenvielfalt an Lastwagen und Bussen ist der Schleuder- und Kippschutz ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm) lieferbar, auf Wunsch regelt ein ACC-Tempomat (Adaptive Cruise Control) den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Die neuesten Systeme wirken mit einer selbsttätigen Bremsansteuerung bis zu 30% der maximal möglichen Verzögerung. Das Lane Guard System (LGS) überwacht das Einhalten der Spur und warnt vor unbeabsichtigtem Abkommen von der Fahrbahn. Der Abbiegeassistent, ein System mit Ultraschallsensoren, das ab 2009 für Lastwagen als Option angeboten werden wird, warnt den Fahrer vor einer möglichen Kollision mit Radfahrern oder Fussgängern im Kreuzungsbereich. Für dieses System hat MAN Nutzfahrzeuge erst jüngst den ADAC-Mobilitätspreis erhalten.

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