Schneller geht es kaum: Wer am Flughafen Bern-Belp erst 20 Minuten vor dem Start seiner Maschine eintrifft, fliegt trotzdem mit. «Wir bieten das kürzeste Check-in aller Schweizer Flughäfen», sagt Daniel Steffen, Leiter Marketing der Betreibergesellschaft Alpar. Da können die grossen Airports nicht mithalten. In Basel und Genf sollte man 90 Minuten vor Abflug eintreffen, in Zürich werden sogar zwei Stunden empfohlen.

Die kurze Abfertigungszeit ist ein Argument, mit dem auch die Flughäfen Altenrhein und Lugano werben. Sie sind neben Bern die einzigen Schweizer Regionalairports, die neben Geschäfts- und Charterflügen auch ein Liniengeschäft betreiben - und sich damit direkt mit den nationalen Flughäfen messen. Ein Kampf David gegen Goliath: Bern zählte im letzten Jahr rund 108000 Passagiere. In Zürich, dem wichtigsten Konkurrenten für Bern, waren es knapp 22 Millionen.

Die Grossen legen zu

Im laufenden Jahr öffnet sich die Schere noch weiter. Beim Umsatz rechnen die drei Regionalflughäfen mit dem gleichen Resultat wie im «Krisenjahr» 2009, während etwa Zürich und Genf auf Wachstumskurs sind (siehe Kasten).

Neben dem breiteren Flugangebot locken Zürich, Genf oder Basel mit anderen Attraktionen, zum Beispiel Eventräumen und Shopping-Zentren. Kontern müssen die Regionalflughäfen mit Qualität. «Wir haben eine gute Autobahnanbindung und bieten individuellen Kundenservice», sagt Armin Unternährer, Chef des People’s Business Airport St. Gallen-Altenrhein. «Bei uns in Bern gibt es die günstigsten Flughafenparkplätze», sagt Daniel Steffen. Und Flughafendirektor Alessandro Sozzi hebt die ideale Lage des Airports Lugano hervor, der ihn zum führenden Flughafen für die ganze Region Tessin und Nordlombardei machen könne.

Anzeige

Um die wenigen Standortvorteile weiterzuentwickeln und bekannter zu machen, müssen die Regionalflughäfen kräftig investieren. Die Mittel dazu sind rar, denn die Fixkosten steigen laufend. Etwa im Zuge von immer neuen Sicherheitsauflagen, die der Bund oder das EU-Recht allen Linienflughäfen aufbürden. Die erforderlichen Ausbauten belasten die kleinen Budgets der Regionalflughäfen viel stärker als jene der grossen Mitbewerber. «Wir geben jedes Jahr 850000 bis 1 Million Franken für neue Sicherheitseinrichtungen aus», sagt Daniel Steffen von Alpar. Und das bei einem Umsatz von 9,1 Millionen.

Kampf gegen neue Auflagen

Für 2011 stehen etwa neue Investitionen zur Umrüstung auf Schengen an. In Altenrhein werden 200 000 Franken investiert. Das sei jedoch nur eine Übergangslösung, sagt Flughafenchef Unternährer. Nach dem Umbau drohen weitere Schengen-Investitionen im Millionenbereich. Bern hatte da Glück. Der Airport konnte die Kosten des Schengen-Umbaus von 3 Millionen auf den Kanton überwälzen.

Um Auflagen zu bekämpfen, gründeten alle Schweizer Flughäfen einen Verband. Nur auf das Lobbying des SIAA können sie sich nicht verlassen. Sein Schicksal nahm der Flughafen Altenrhein deshalb in die eigenen Hände. Er kündigte kurzerhand seinem langjährigen Hauptkunden Austrian Airlines die Bewilligung für Verbindungen nach Wien und gründete eine eigene Airline mit dem Namen People’s Vienna Line. Gemäss Unternährer haben wirtschaftliche Gründe dazu geführt. «Der Kundenrückgang sowie die Streichung einer von vier täglichen Wien-Verbindungen durch Austrian bewogen uns zu diesem Schritt.» Die enorme Abhängigkeit vom einzigen Linienflug-Kunden sei zudem ein erhebliches Klumpenrisiko. «Mit dem Betrieb einer eigenen Fluggesellschaft können wir dieses nun eliminieren», sagt Firmenchef Unternährer.

Auch der Flughafen Lugano schmiedet an seiner Zukunft und will mittelfristig direkte Verbindungen nach London, Paris und Wien aufnehmen. Mögliche Flugpartner und Frequenzen werden zurzeit sondiert. Operativ tut sich auch in Bern einiges. Ab Frühling 2011 wird der Neukunde Helvetic Airways von Investor Martin Ebner ein Flugzeug fix am Flughafen der Hauptstadt stationieren.

Der bisherige Hauptkunde, die Fluggesellschaft Skywork Airlines, will ihr Streckennetz ab Bern trotz der neuen Konkurrenz ebenfalls ausbauen. Im Marketing spannt Alpar neu mit der Kreditkarten-Firma Cornèrcard zusammen. Deren neues Reiseprodukt «Easy Travel» passt zur einfachen und schnellen Passagierabfertigung, die der Flughafen stärker bekannt machen will.

Profitieren von den Mängeln anderer

Helfen werden den Regionalflughäfen auch ihre härtesten Konkurrenten. Lugano ist mit seinen Kunden Swiss, Baboo und Darwin einer der wichtigsten Zubringer für die drei internationalen Schweizer Drehkreuze Zürich und Genf. Und von möglichen Platzproblemen, die grossen Flughäfen bei einem anhaltenden Wachstum der Luftfahrtindustrie in der Luft und am Boden drohen, will Altenrhein-Chef Unternährer profitieren. «Wir sind vor allem für die Geschäftsfliegerei eine hervorragende Alternative.»