Nach den Schweizer Banken herrscht nun auch bei Versicherern erhöhte Alarmbereitschaft. Denn die deutschen Politiker nehmen nebst den Liechtensteiner Stiftungen auch Lebenspolicen aus dem Fürstentum ins Visier. Michael Meister, Vizepräsident der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, sagte am Wochenende gegenüber dem «Handelsblatt»: «Die Versicherer müssen aufpassen, dass sie nicht den nächsten Steuerskandal produzieren.»

Die deutschen Politiker stossen sich daran, dass die Produkte von aus Liechtenstein agierenden Finanzdienstleistern zum Teil aggressiv als Steuersparmodelle angepriesen werden. Obschon die Konstruktion von Liechtensteiner Lebensversicherungen legal ist, stehen momentan alle Engagements unter dem Generalverdacht der Steuerhinterziehung.

Der deutsche Versicherer Allianz beispielsweise überdenkt Pläne für neue Liechtensteiner Lebensversicherungen und Pensionsfonds. «Wir werden uns genau anschauen, ob das unter Reputationsgesichtspunkten sinnvoll ist», sagte Allianz-Konzernchef Michael Diekmann gegenüber der «Welt». Solche Überlegungen haben nach Ansicht von Fabrizio Croce, Analyst bei der Landsbanki Kepler, Konsequenzen für Schweizer Versicherer, die sich seit kurzem verstärkt im Fürstentum engagieren. Denn das grenzüberschreitende Geschäft mit strukturierten Versicherungslösungen für vermögende Privatkunden ist ein stark wachsendes Geschäft.

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Aufsicht ist klar geregelt

Die Akteure aus der Schweiz, allen voran Swiss Life, die Ende 2006 die Liechtensteiner Gesellschaft Capital Leben erwarb, geben sich vorderhand noch gelassen. «Die Swiss Life (Liechtenstein) AG unterliegt wie alle anderen Tochtergesellschaften von Swiss Life strengen rechtlichen Rahmenbedingungen», sagt Irene Fischbach, Leiterin Public Relations beim Lebensversicherer. Das heisst: Beaufsichtigung durch die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein sowie Anerkennung und Zulassung in Deutschland durch die Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) als Lebensversicherungsgesellschaft, die steuer- und rechtskonforme Versicherungslösungen anbietet.

Swiss Life ist gegenwärtig in Luxemburg und Liechtenstein präsent, wo sie 2007 zusammen 3 Mrd Fr. Prämien generierte. Der Konzern wird noch diesen Monat in Singapur eine Niederlassung eröffnen. Der Grund ist klar: «Kunden auf der ganzen Welt haben ein Bedürfnis nach Sicherheit und Flexibilität bei Anlagen», sagt Fischbach. Trotz der Liechtensteiner Steueraffäre sieht der Konzern keine Veranlassung, die internationalen Geschäftspläne zu ändern – was nicht erstaunt: Denn 2007 stammte rund ein Sechstel der Gesamtprämien von 20 Mrd Fr. aus den kombinierten Versicherungs- und Anlageprodukten; 2012 soll es ein Viertel der Prämien von 36 Mrd Fr. sein.

Zurich Financial Services, die im November 2007 Zurich Life Liechtenstein gründete, entwickelt gegenwärtig anteilgebunde Lebensversicherungen, sogenannte Portfolio Bonds, die von Liechtenstein via Privatbanken vertrieben werden sollen. «Zurich Life Liechtenstein hat noch keine Produkte auf den deutschen Markt gebracht», so Sarah Soland von der Medienstelle Zurich Schweiz. «Das Produkt würde aber, falls es lanciert wird, nicht nur den Gesetzen von Liechtenstein, sondern auch denen des Landes entsprechen, in dem der Kunde sein Wohnsitz hat.» Zurich beobachtet die Entwicklungen in Liechtenstein sehr genau und wird die Erkenntnisse in den Entwicklungsprozess der Portfolio Bonds einfliessen lassen.

Abwarten

Die Bâloise, seit Oktober 2007 mit der Tochtergesellschaft Baloise Life (Liechtenstein) AG im Fürstentum präsent, betreibt im Ländle genauso wie Axa Winterthur das sogenannte Onshore-Geschäft, bietet also wie eine schweizerische Generalagentur traditionelle Versicherungsprodukte für den lokalen Markt. Allerdings räumt auch Philipp Senn, Kommunikationsverantwortlicher der Bâloise, ein: «Wir verfolgen die gegenwärtige Situation in Liechtenstein sehr genau.» Noch verspüren die Schweizer Versicherer keine Auswirkungen des Imageschaden, den der Finanzplatz Liechtenstein erlitten hat. Swiss Life ist sich aber bewusst: «Die Folgen des Reputationsschadens sind für uns derzeit schwierig absehbar.»