Die Eidgenössiche Steuerverwaltung erhebt neuerdings horrende Verzugszinsen auf ausstehende Verrechnungssteuern. In den letzten zwei Jahren haben deswegen Dutzende, wenn nicht Hunderte Firmen Rechnungen erhalten, einige davon in zweistelliger Millionenhöhe. Dies berichtet die Handelszeitung. Die Steuerbehörden machen geltend, dass die Firmen Dividendenzahlungen zu spät gemeldet hätten.  Wirtschaftsvertreter und Steuerrechtler kritisieren das Vorgehen als «unverhältnismässig» und «willkürlich».

So wirft die Treuhandkammer der Steuerverwaltung vor, nicht alle Firmen gleich zu behandeln: «Uns sind zahlreiche Fälle bekannt, bei denen trotz verspäteter Einreichung der Meldung keine Verzugszinsen in Rechnung gestellt wurden», sagt PricewaterhouseCoopers-Präsident Markus Neuhaus, der bei der Treuhandkammer das Steuerdossier leitet. Der Verband bereitet derzeit einen Pilotprozess vor. Damit soll die Zulässigkeit der Erhebung von Verzugszinsen vom Bundesgericht neu beurteilt werden.

Finanzhaushalt entlastet

Die schärfere Praxis entlastet derweil den Finanzhaushalt. 2013 nahm der Bund 323 Millionen Franken mit Bussen und Verzugszinsen bei der Verrechnungssteuer ein. Das ist mehr als in den zehn vorausgegangenen Jahren zusammen. Ebenfalls bekommen Versicherungsgesellschaften die härtere Gangart der Behörden zu spüren. «Einige Kunden unserer Versicherungsnehmer sind von der Praxisverschärfung der Steuerverwaltung betroffen», sagt Mark Hauser, Sprecher der Axa Winterthur. Vorsorgliche Schadenanzeigen hätten sich in der Vergangenheit gehäuft. Die Steuerverwaltung dagegen erklärt, es habe keine Praxisverschärfung stattgefunden habe. 

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