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Steuern: Bankgeheimnis wird überschätzt

Paradeplatz in Zürich: Der Durchschnittsbürger wechselt eher den Partner als die Bank.

Der Abbau des Kundenschutzes zeigt wenig Wirkung auf die Banken. Das zeigen neue Studien.

Von Armin Müller
am 14.03.2012

Für viele ist das Bankgeheimnis eine Art heiliger Gral, für ebenso viele ein überholtes Relikt aus anderer Zeit. Die SVP will es in der Verfassung festschreiben, der Bundesrat setzt auf die Weissgeldstrategie und Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz befürwortet den automatischen Informationsaustausch mit der EU. Ökonomen des Bankeninstituts der Universität Zürich wollten jetzt wissen, wie bedeutend das Bankgeheimnis für die helvetischen Geldinstitute wirklich ist. In ihrer Studie kamen sie zu überraschenden Resultaten.

Die Experten untersuchten dazu sämtliche bankgeheimnisrelevanten Ereignisse seit 2008 und deren Auswirkungen auf die Aktienkurse von UBS, Credit Suisse, Julius Bär und Vontobel. Die Resultate kombinierten sie mit einer früheren Untersuchung über den Zeitraum 1998 bis 2003, als das Zinsbesteuerungsabkommen mit der EU eingeführt wurde. Ihr Fazit: Der Wert des Bankgeheimnisses für UBS und CS ist gering bis inexistent. Für die spezialisierten Privatbanken schätzen die Forscher einen Wert von 8 bis 14 Prozent der Börsenkapitalisierung. Das Ertragsmodell der Banken ist offenbar weniger vom Bankgeheimnis abhängig als befürchtet.

Der Druck zur Einführung des auto­matischen Informationsaustauschs wird kaum nachlassen. Denn in einer neuen Studie ziehen die Ökonomen Niels Johannesen und Gabriel Zucman ein ernüchterndes Fazit zum Kampf der G20 gegen Steuer­oasen. Die über 300 seit 2009 gemäss OECD-Amtshilfe-Standard geschlos­senen Abkommen hätten ihr Ziel bei Weitem verfehlt, folgern sie. Die in den Steueroasen deponierten Vermögen seien in dieser Zeit nur leicht gesunken, folgern die Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

Steuerflüchtige, die auf die neuen Abkommen reagierten, verschoben zudem ihre Gelder einfach in Steueroasen ohne Abkommen. Am meisten Gelder verlor die Kanalinsel Jersey, leichte Verluste verzeichneten Luxemburg und die Schweiz. Gewonnen haben vor allem Hongkong, Cayman Islands und Singapur.

Mehr zum Thema in der Ausgabe der «Handelszeitung» vom 15. März 2012. (Seite 21)

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