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Steuern
Die grossen Schweizer Unternehmen werden transparenter

 

Die jahrelang gepflegte Geheimniskrämerei der Schweizer Konzerne rund um die Gewinnsteuern bekommt deutliche Risse. Das zeigt eine Auswertung der zwanzig grössten börsenkotierten Firmen durch die «Handelszeitung». Mittlerweile zeigen sieben Konzerne, in welchen Regionen sie wie viele Steuern abliefern.

Von Seraina Gross und Marco Brunner
am 15.11.2017

Pionier ist Nestlé. Der Nahrungsmittelkonzern schlüsselt sein Steueraufkommen nach den drei Zonen auf, in denen er tätig ist: Americas, Europa/Mittlerer Osten/Nordafrika und Asien. Zudem weist er aus, dass 73 Prozent der Steuern in den zehn grössten Ländern entrichtet wurden. Novartis, UBS, Credit Suisse, Swisscom, Adecco und Julius Bär weisen ihre Steueraufwendungen nach Schweiz und Ausland aus.

Nestlé ist mit 4,4 Milliarden Franken der grösste Steuerzahler im SMI und auch beim Gewinnsteuersatz liegen die Viviser mit 35,2 Prozent ganz vorne. An zweiter Stelle kommt Roche. Der Basler Pharmakonzern ist mit einem Satz von 25,2 Prozent top in der Branche. In der Pharmaindustrie ist die Differenz zwischen dem theoretischen Steuersatz, der sich aus dem Mittel der Steuersätze aller Märkte, in denen die Unternehmen tätig sind, und dem effektiven Steuersatz am höchsten; höher noch als bei der viel gescholtenen Techbranche.

Novartis zieht Unternehmen aus Bermuda ab

Die Bewegung bei Thema Steuern ist unübersehbar. Novartis hat am ersten November zwei Unternehmen aus Hamilton abgezogen, dem Sitz der wenige Tage später dank den Paradise Papers zu Berühmtheit gekommenen Anwaltskanzlei Appleby.

Der Basler Pharmakonzern schreibt auf Anfrage, dass das Unternehmen in den «vergangenen Jahren eine grössere Reorganisation» durchgeführt habe, «um unsere rechtlichen Strukturen in Abtimmung mit unserem operativen Geschäft zu straffen und vereinfachen.» Begründet wird sie mit Veränderungen bei den «strategischen Bedürfnissen des Geschäfts» und «beim unternehmerischen und regulatorischen Umfeld.»

Auch Investoren machen Druck

Für das Umdenken in der Steuerpolitik ist erster Linie die Politik, die mit mit den Beps-Regeln der OECD zur Vermeidung von Gewinnverschiebungen zwischen den Ländern, dem automatischen Informationsaustausch und dem Austausch von Informationen über Steuerruling Druck macht. Doch auch die Haltung der Investoren ändert sich. Der norwegische Staatsfonds, einer der grössten Investoren global und in den Schweiz in fast allen kotierten Unternehmen investiert, hat die 500 Unternehmen, an denen er die grössten Beteiligungen hält, kürzlich zu einer nachhaltigen Steuerpolitik aufgefordert.

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