Steuerfahnder haben unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung nach Angaben der Staatsanwaltschaft Köln bundesweit Büros und Geschäftsräume durchsucht. Dabei ging es um eine mögliche Verschleierung von in Luxemburg erzielten Kapital-Erträgen. Über 130 Steuerfahnder und 20 Polizeibeamte seien bei den Razzien im Einsatz gewesen, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer.

Die Ermittlungen richteten sich gegen Steuerpflichtige, die «zum Zwecke der systematischen Hinterziehung von Ertragssteuern sogenannte Offshore-Gesellschaften erworben haben, um ihre bei Luxemburger Banken erzielten Kapital-Erträge zu verschleiern». Zu den durchsuchten Institutionen oder zur Anzahl der Verdachtsfälle wollte sich der Sprecher der Anklagebehörde nicht äussern.

Die Commerzbank hatte zuvor eingeräumt, wegen Geschäften in Luxemburg ins Visier der Steuerfahnder gerückt zu sein. Deutschlands zweitgrösstes Geldhaus hatte einen entsprechenden Vorabbericht der «Süddeutschen Zeitung» bestätigt. Ein Banksprecher sagte auf Reuters-Anfrage: «Die Commerzbank hat ein eigenes Interesse an einer schnellen umfassenden Aufklärung und unterstützt selbstverständlich die Behörden aktiv und in vollem Umfang. Das Ermittlungsverfahren bezieht sich auf Altfälle, die zehn Jahre und länger zurückliegen.»

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Die Fälle würden auch unternehmensintern aufgearbeitet. Der Steuerstatus sämtlicher Kunden in Luxemburg müsse geklärt sein. Der Sprecher betonte: «Die Commerzbank lehnt Geschäftsbeziehungen zu Kunden, deren Steuerstatus nicht geklärt ist, grundsätzlich ab.»

Über 150 Staatsanwälte involviert

An der Aktion gegen mutmassliche Steuerbetrüger und deren mutmassliche Luxemburger Helfer beteiligten sich laut «SZ» über 150 Staatsanwälte, Steuerfahnder und Kriminalbeamte. Schwerpunkte der Durchsuchungen seien das Rheinland, Hessen und Rheinland-Pfalz gewesen.

Luxemburger Banken, Vermögensverwalter und Anwälte sollen mehreren tausend Klienten aus aller Welt geholfen haben, Vermögen in Briefkastenfirmen in Übersee vor dem Fiskus zu verstecken. Grundlage des Verfahrens ist dem Bericht zufolge ein Datensatz, den die nordrhein-westfälischen Finanzbehörden vor einiger Zeit gekauft hatten.

Auch Verdacht der Geldwäsche

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt dem Bericht zufolge in mehreren hundert Fällen wegen Steuerhinterziehung sowie Beihilfe zur Steuerhinterziehung. In einigen Verfahren soll es auch um den Verdacht der Geldwäsche gehen.

(reuters/awp/chb)