Probleme in Ungarn, Frankreich und den USA belasten den Fernsehkonzern RTL Group. Ein Steuerstreit mit der Regierung in Budapest, sinkende Werbeeinnahmen jenseits des Rheins und Schwierigkeiten im TV-Produktionsgeschäft drückten Umsatz und Gewinne im zweiten Quartal. Der Überschuss brach um 62 Prozent auf 110 Millionen Euro ein, wie die Bertelsmann-Tochter mitteilte. Die Aktie sackte in Frankfurt um sechs Prozent ab und war damit das Schlusslicht im Nebenwerteindex MDax.

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«Null Absichten, das Land zu verlassen»

Die Fernsehtochter in Ungarn ist wegen einer umstrittenen neuen Steuer kaum mehr profitabel und verlor deshalb in den Büchern des Konzerns mehr als die Hälfte ihres Werts. Doch obwohl die Abschreibung von 88 Millionen Euro auf die verhältnismässig kleine Landesgesellschaft einen Grossteil des Konzerngewinns zunichte machte, schloss Vorstandschef Guillaume de Posch einen Rückzug aus Ungarn aus. «Wir haben null Absichten, das Land zu verlassen», betonte de Posch im Reuters-Interview. «RTL ist tief in Ungarn verwurzelt und wird dies auch bleiben.»

Stattdessen sagte der Konzernchef dem Ministerpräsidenten Viktor Orban den Kampf an, dessen Werbesteuer RTL als grössten Sender des Landes besonders trifft: «Wir haben eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht, um ein Verfahren gegen Ungarn anzustossen.» Ungarn hat sich mit einer restriktiven Banken- und Medienpolitik bereits mehrfach Kritik der Europäischen Union und ausländischer Unternehmen eingehandelt.

Die Steuer von bis zu 40 Prozent auf Werbeeinnahmen stösst innerhalb und ausserhalb des Landes auf Protest. Ungarische Zeitungen erschienen mit leeren Titelseiten, Fernsehsender stellten kurzzeitig ihr Programm ein. Der Verband der Werbeindustrie befürchtet den Ruin vieler Medienunternehmen. Regierungspolitiker in Budapest hatten die Abgabe als Beitrag der Medien zur Sanierung der Staatsfinanzen verteidigt.

EU-Kommission zurückhaltend

EU-Kommissarin Neelie Kroes kritisierte den Schritt ebenfalls. Sie zeigte sich jedoch zurückhaltend, was die Erfolgsaussichten von RTL angeht. Bei einem Treffen mit de Posch sei man sich zwar einig gewesen, dass Ungarn versuche, RTL aus dem Land zu treiben, erklärte ein Sprecher. Doch damit werde nicht notwendigerweise EU-Recht verletzt. Die Prüfung des Falls dauere an.

Das grossteils in den USA angesiedelte Produktionsgeschäft der Tochter FremantleMedia lief im ersten Halbjahr ebenfalls nicht rund. Rückläufige Aufträge aus der Fernsehbranche und Wechselkursverluste beim Umtausch der Dollar-Erlöse in Euro liessen dem Umsatz um 15 Prozent auf 310 Millionen Euro einbrechen. Auf das Ergebnis drückten auch hohe Kosten für Übernahmepläne.

Schwere Zeiten in Frankreich

In Frankreich macht dem Fernsehkonzern weiterhin das schwache Werbegeschäft zu schaffen. Während die Erlöse im wichtigsten Markt Deutschland leicht auf 478 Millionen Euro zulegten, ging das Geschäft in Frankreich um sieben Prozent auf 324 Millionen Euro zurück. Die französische Wirtschaft stagniert, auch die Werbekunden sparen. De Posch erwartet vorerst keine Erholung: «Es wird ein schwieriges Jahr in Frankreich. Die Werbemärkte werden im zweiten Halbjahr negativ bleiben.»

Hoffnungsträger für RTL ist wie für den deutschen Konkurrenten ProSiebenSat.1 der Ausbau des Online-Geschäfts. RTL verstärkte sich jüngst mit der Übernahme des Werbevermarkters SpotXchange, der Reklamespots auf Internetseiten automatisch verkauft - teilweise passgenau für den jeweilgen Nutzer. Die neue US-Tochter solle ihren Umsatz von derzeit 50 Millionen Euro jährlich um mindestens 20 Prozent steigern, sagte de Posch.

Auf das Gesamtjahr blickt de Posch nun skeptischer als bisher: Statt stagnierender Geschäfte werde der Umsatz werde nun leicht und das Betriebsergebnis deutlicher sinken. Im zweiten Quartal schrumpften die Erlöse um fünf Prozent auf 1,4 Milliarden Euro und der Betriebsgewinn um sechs Prozent auf 325 Millionen Euro.

Doch die Kassen sind immer noch so prall gefüllt, dass RTL dem Hauptaktionär Bertelsmann und den übrigen Anteilseignern erneut eine Sonderdividende genehmigt: Im September ist eine ausserordentliche Ausschüttung von zwei Euro je Aktie geplant.

(reuters/chb)