Von wegen «Jetzt wird alles einfacher»: «Zunächst bedeutet die Reform für viele Steuerpflichtige wohl eine Verkomplizierung», räumte Claudio Fischer, Chef der Stabsstelle Gesetzgebung in der Hauptabteilung Mehrwertsteuer der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV), kürzlich an einer Euroforum-Konferenz ein. Das bekommt die ESTV direkt zu spüren: Seit die Reform der Mehrwertsteuer (MwSt.) Anfang Jahr in Kraft getreten ist, muss die Steuerbehörde täglich 400- bis 500-mal Auskunft über die Auswirkungen der Revision auf Unternehmen erteilen.

«Kritik teilweise berechtigt»

Die Steuerpflichtigen müssen sich erst noch mit den für sie massgebenden Änderungen vertraut machen. So mit den neuen Bestimmungen, wie etwa der neuen Umschreibung der Steuerpflicht, den Bestimmungen zum Ort von Lieferung oder Dienstleistung, den neuen Möglichkeiten zur freiwilligen Besteuerung oder der Neuordnung der Kontrollen. Claudio Fischer: «Der Teufel sitzt halt auch hier im Detail.»

19 MwSt.-Informationen hat die ESTV seit vergangenem Herbst publiziert, dazu rund 20 speziell auf einzelne Branchen zugeschnittene Infos. Kritikern, die der ESTV vorwerfen, diese Informationen seien zu spät publiziert worden, was die Umstellung erschwert habe, gibt Fischer teilweise recht: «Die Umsetzungszeit war zu kurz.» Der Gesetzgeber habe jedoch die Inkraftsetzung auf den 1. Januar 2010 gewollt, nachdem die Reform des als «bürokratisches Monster» verschrienen MwSt.-Gesetzes im vergangenen Jahr unter dem Titel «Vereinfachung der Mehrwertsteuer» im Schnellzugstempo im Parlament durchgepeitscht worden war.

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Die grosse Bewährungs- und Belastungsprobe für die reformierte MwSt. folgt im Mai: Dann nämlich sind die ersten Abrechnungen fällig.