Als Peter Wegelins Eltern 1957 das Scadenagut in Malans zusammen mit dem alten und geräumigen, aber baufälligen Patrizierhaus (dem ehemaligen Wohnsitz der Familie Guler von Wynegg) kauften, standen die Zeiten für den Weinbau so schlecht, dass sie die Ernte teils als Trauben, teils als Jungwein während Jahren an andere Kellereien verkauften. Erst 1974, nachdem der Obstbau zugunsten des Rebbaus aufgegeben worden war, begannen Wegelins im Keller des benachbarten Schlosses Bothmar ihre eigenen Weine zu keltern und zu verkaufen.

Platz im Schloss wurde zu knapp

Sohn Peter sah Entwicklungspotenzial im Weinbau und übernahm nach Abschluss der Ausbildung zum Winzermeister 1980 den elterlichen Betrieb. Es gelang ihm, die Rebfläche sukzessive zu vergrössern, den Rebsortenspiegel zu erweitern und das Qualitätsniveau der Weine laufend zu verbessern. «Doch schon bald war ich mit dem Problem konfrontiert, dass die engen Platzverhältnisse im Schlosskeller es nicht zuliessen, grössere Traubenmengen zu verarbeiten, ohne Qualitätseinbussen in Kauf nehmen zu müssen», erzählt Peter Wegelin, der zu den Qualitätspionieren in der Bündner Herrschaft zählt. Was tun? Wie Abhilfe schaffen? «Da sich eine Erweiterung des Schlosskellers oder ein mit dem Wohnhaus verbundener Anbau als unrealistisch erwiesen, blieb nur die Option eines Neubaus auf einer Eckparzelle des am oberen Dorfrand gelegenen Scadena-Weinbergs.»

Mit diesem Entscheid und der konsequenten Umsetzung hat Wegelin ebenso betrieblichen Weitblick wie ästhetische Sensibilität bewiesen. Nicht nur konnte dadurch der historische Schlosskeller mit seiner alten, immer noch funktionsfähigen Baumpresse aus dem Jahre 1630 erhalten werden. Mit dem elegant-modernen, harmonisch in die Umgebung eingefügten Neubau der Architekten Konrad Erhard und Daniel Schwitter verfügt er zudem seit 2004 über eine geräumige Kellerei, die auf drei Ebenen den Fasskeller, das Produktionsgeschoss und die Empfangs- und Verkaufsräume vereint. Letztere sind in einem lichtdurchfluteten Glaskubus untergebracht, von dem aus man einen herrlichen Blick auf den angrenzenden Rebberg, das Churer Rheintal und die Bergspitzen hat.

Anzeige

Blauburgunder ist die Leitsorte

Weitblick hat der sportlich-drahtige Winzer auch bei der Zusammenstellung seines Weinsortiments gezeigt. Zwar ist auch bei ihm der Blauburgunder die unangefochtene Leitsorte. Auf seinen eigenen 5 ha Rebland wächst er auf der Hälfte der Fläche. Zudem kauft Wegelin von Rebbauern die Ernte von 2,5 mit Blauburgunder-Reben bestockten ha dazu. Auf den restlichen 2,5 ha des eigenen Reblandes, dessen tiefgründige Böden durch kalkhaltigen Schiefer mit einem relativ hohen Lehmanteil geprägt sind, kultiviert er vorab die weissen Sorten Riesling x Silvaner, Weissburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Sauvignon blanc und Kerner. Die nach einer kurzen Maischestandzeit grösstenteils im Stahltank, vereinzelt auch in Barriques und 500-l-Fässern vinifizierten Weine - so etwa der Chardonnay und der Grauburgunder - werden alle reinsortig abgefüllt und vermögen durch ihre sortentypische Fruchtaromatik und ihren trockenen, rassig-frischen Charakter zu überzeugen.

Auch wenn sich Wegelin mit seinen Weissweinen in der rotweindominierten Bündner Herrschaft - und auch weit darüber hinaus - einen Namen gemacht hat, so sind und bleiben der fruchtig-delikate Blauburgunder Classic und der in Barriques ausgebaute stoffig-vielschichtige Blauburgunder Reserva seine Vorzeigeweine. Tiefe Erträge (beim Reserva sind es zirka 500 g/m2), acht bis zehn Tage Kaltmazeration und die Vergärung in offenen Holzbottichen verleihen den Weinen ihre sortentypische Aromatik und ihre elegant-solide Struktur. «Beim Reserva vergäre ich zudem, je nach Jahrgang, 10 bis 15% nicht entrappte Trauben», verrät Wegelin. Damit erweist er einer altbewährten burgundischen Tradition die Reverenz, die zurzeit von einer wachsenden Zahl von Qualitätswinzern wieder aufgegriffen wird.

Assemblage auf Basis Gamaret

Neu wird das Sortiment abgerundet vom Scuverta (Entdeckung), einer ungewöhnlichen roten Assemblage aus der Schweizer Züchtung Gamaret (70%), Cabernet Sauvignon, Cabernet franc und Blaufränkisch. Das warmherzig-würzige Gewächs verbreitet südlichen Charme und findet wohl vor allem Gefallen bei jenen, meist jüngeren Weintrinkern, die den Zugang zur subtilen, finessenreichen Pinot-noir-Welt noch nicht gefunden haben. Der Scuverta 2008 ist zurzeit ausverkauft. Ab kommenden September wird der 2009er erhältlich sein.