Heute Morgen war der Bahnverkehr im Grossraum Zürich schon wieder gestört. Nach dem grossen Ausfall gestern und dem Unfall mit dem Kran vom Samstag ist es der dritte Ausfall innert weniger Tage. Läuft die Bahn am Limit?
Kurt Schreiber: Die technischen Einrichtungen der Eisenbahn sind so konzipiert, dass ein reibungsloser Ablauf und die Sicherheit gewährleistet sind. Dies gilt auch in Hinblick auf das heutige, dichte Angebot. Allerdings liegen Störungen einfach nicht mehr drin - genau gleich wie bei den Autobahnen. Trotzdem geschehen sie. Somit gilt es, die Konsequenzen in engen Grenzen zu halten. Das wird getan. Ganz sicher kann die Lösung nicht darin bestehen, einen Drittel der Züge zu streichen, um weniger Probleme haben.

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Die Züge sind aber vor allem in den Ballungsräumen rappelvoll, die Reisequalität sinkt. Gibt es eine Lösung für dieses Problem oder stossen die SBB an Grenzen?
Die generelle Auslastung der Züge liegt in der Grössenordnung von 30 Prozent. Es hätte also noch Platz, beispielsweise tagsüber. Zu den Hauptverkehrszeiten - also während etwa fünf Stunden - erreicht dieser Wert mehr als 100 Prozent. EineMöglichkeit könnte darin bestehen, indem die Gleitzeiten bei den Arbeitgebern um eine halbe oder ganze Stunde ausgedehnt würden. Das brächte schon viel.

Welches sind denn die neuralgischen Punkte im Bahnnetz?
Das sind insbesondere die Knotenbahnhöfe.

Immer wieder kommt es auch zu Stellwerkstörungen. Gibt es auch ein Informatikproblem?
Die Gründe einer Stellwerkstörung sind vielschichtig, einmal ist es die Weiche oder das Signal, ein andermal liegt es an der Stromversorgung irgend einer Steuerungseinheit. Es ist also weniger ein Informatikproblem. Würde ein solches bestehen, würde der Zugsverkehr überhaupt nicht mehr funktionieren. Das ist definitiv nicht der Fall.

Die Schweiz war immer sehr stolz auf ihr vorbildliches Bahnsystem. Ist sie nun Opfer ihres eigenen Erfolges?
Nein - trotz dieser Probleme dürfen wir nach wie vor stolz darauf sein. Natürlich gilt es, die Konsequenzen bei Problemen zu reduzieren - beispielsweise wäre wünschenswert, wenn die Information noch mehr verbessert und vor allem die Ersatzbusse schneller zur Verfügung stehen würden. Allerdings sind sie je nach Situation im normalen Einsatz und können nicht einfach von einer Buslinie abgezogen werden. 

Gleichzeitig wollen die SBB die Preise erhöhen. Können Sie das nachvollziehen?
Nein. Dieses Jahr ist dies glücklicherweise auch nicht vorgesehen. In Zukunft wird aber wieder damit zu rechnen sein, allerdings verlangt Pro Bahn Schweiz, dass dies mit Augenmass geschieht. 20 Prozent mehr ist kein Augenmass.