In der Schweiz und in Liechtenstein sind die Verkäufe von Neuwagen in den ersten neun Monaten 2015 stark angestiegen. Insgesamt wurden 239'594 Neuwagen verkauft, was einem Plus von 9,3 Prozent entspricht. Dabei seien allein im Monat September erst zum zweiten Mal seit der Jahrtausendwende mehr als 24'000 Fahrzeuge immatrikuliert worden, teilten der Auto-Gewerbe-Verband Schweiz (AGVS) und Eurotax Schweiz am Donnerstag mit.

Im laufenden Jahr profitierte der Absatz von Neuwagen in der Schweiz von sinkenden Verkaufspreisen. Im Nachgang zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) wurden kurzfristig Preissenkungen realisiert.

Margen unter Druck

Die Preiserosion bedeute aber auch, dass die Margen vieler Garagisten stark unter Druck gekommen sind. In der aktuellen Marktsituation sei dabei das vom Bundesamt für Strassen (Astra) verhängte Verkaufsverbot für die von der Diesel-Abgasaffäre betroffenen Neuwagen des VW-Konzerns «wenig hilfreich, um die Gemütslage in der Branche nachhaltig aufzuhellen«, heisst es.

«In den kommenden Monaten wird es darum gehen, das Abgasverhalten der betroffenen Fahrzeuge mittels Software-Anpassungen sowie nötigenfalls auch Eingriffen an der Abgasreinigungsanlage zu verbessern», wird AGVS-Zentralpräsident Urs Wernli zitiert. Gleichzeitig müsse das Vertrauen in die Dieseltechnik und die VW-Marken wiederhergestellt werden.

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In den ersten neun Monaten verzeichneten deutsche Auto-Marken wie Mercedes-Benz (+27 Prozent) und BMW (+16 Prozent) sowie die französischen Autobauer Renault (+31 Prozent) und Peugeot (+17 Prozent) unter den 10 Topmarken die grössten Wachstumsraten im Neuwagen-Geschäft. Am schwächsten entwickelten sich Opel (+2,9 Prozent) und Ford (+7,2 Prozent).

Volkswagen wuchs um 7,9 Prozent

Volkswagen wuchs im Vorfeld der Abgas-Affäre um 7,9 Prozent. Die Mitbewerber aus dem eigenen Konzern weisen derweil teilweise markant höhere Wachstumsraten auf: Porsche (+51 Prozent), Seat (+19 Prozent), Skoda (+14 Prozent) und Audi (+11 Prozent).

Aufgeteilt nach Motorengattung stiegen die Immatrikulationen der Selbstzünder von Januar bis September 2015 um 13 Prozent. Alternativ angetriebene Personenwagen mit Hybrid-, Elektro-, Gas- oder E85-Motor legten im Vorjahresvergleich um deutliche 43 Prozent zu. Die jeweiligen Marktanteile betragen neu 38,0 Prozent respektive 4,1 Prozent. Erneut gewachsen ist auch das Segment der 4x4-Fahrzeuge mit 14 Prozent.

Mit der Hausse bei den Neuwagen konnte der Occasionenmarkt nicht Schritt halten. Schliesslich erlaube es der Preisrückgang im Neuwagenmarkt den Käufern bei identischem Budget, höherklassige Fahrzeuge zu erwerben oder aber im bisherigen Segment massiv Geld zu sparen.

Gebrauchtwagen stehen länger

In den Monaten Januar bis September wurden 638'156 Handänderungen bei Gebrauchtwagen vorgenommen, das sind lediglich 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Standzeiten der Gebrauchtwagen sind durchschnittlich leicht um 1,1 Prozent auf 95 Tage angestiegen.

Ob die Nachfrage nach gebrauchten Fahrzeugen, die von der aktuellen Diesel-Abgasaffäre betroffen sind, in Zukunft nachlassen wird, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verlässlich prognostizieren, so die Mitteilung.

(awp/me)