Einen Drittel ihres Wertes hat die Kudelski-Aktie seit Jahresbeginn verloren. Sie schnitt damit deutlich schlechter ab als der SMI. Lediglich zweimal informierte das Unternehmen, das einstmals als SMI-Blue-Chip rangierte und per Ende September in das Feld der Small Caps relegiert wird, über den Geschäftsgang. Dazwischen waren Analysten und Investoren auf externe Anhaltspunkte angewiesen, die nichts Gutes verhiessen. Turnaroundsituation in den USA, drohender Verlust des wichtigen Kunden Premiere in Deutschland, gehackte Zugangskarten für Fernsehkanäle und die Umstellung des Geschäftsmodells von verkauften auf vermietete Karten ? vor diesem Hintergrund lagen die Kursziele zwischen 13 und 25 Fr.

Belastende Umstellungen

Das Halbjahresergebnis spricht eher für die untere Grenze dieser Spanne, und am Tag der Ergebnispublikation verlor die Aktie über 4%, obwohl sich das Geschäft «im Rahmen der Erwartungen» bewegt hatte, wie André Kudelski sagte. Der Umsatz verharrte aufgrund von Währungseinflüssen mit 424 Mio Fr. praktisch auf Vorjahreshöhe, die negativen Währungseffekte machten fast 44 Mio Fr. aus. Kunden in den USA und aus dem asiatischen Raum rechnen in US-Dollar oder in mit dem Dollar hoch korrelierenden Währungen ab. Belastend erwies sich eine Verschiebung vom stagnierenden, hochmargigen Digital-TV zum tiefmargigen, wachsenden Public-Access-Geschäft. Ebenfalls belastend wirkte sich auch die Umstellung von 30 Mio Smartcards, fast einem Drittel des Gesamtbestandes, auf das Mietmodell aus.

Neue Kunden in Sicht

Unter dem Strich blieb ein Betriebsverlust von 18,5 Mio Fr. nach einem Plus von 29,2 Mio Fr. im Vorjahr. Der Reinverlust lag bei 39,8 Mio Fr., im Vorjahr war noch ein Gewinn von 28 Mio Fr. eingespielt worden. Analysten hatten ? bei einer grossen Spanne ? durchschnittlich einen Umsatz von 436 Mio Fr. und einen Betriebsverlust von 12 Mio Fr. erwartet.

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Als Neukunden gewann das Unternehmen Portugal Telecom. André Kudelski versprach zudem für die kommenden drei Monate «mindestens einen weiteren Kunden, den wir von der Konkurrenz abwerben». Bereits im vergangenen April war die Verlängerung des Vertrages mit Premiere bekannt gegeben worden.

Kudelski bleibt optimistisch

Für die 2. Jahreshälfte sieht Kudelski die Rückkehr zur Profitabilität. Die Erwartung für den Jahresumsatz liegt bei 1,03 bis 1,05 Mrd Fr., der Betriebsgewinn soll zwischen 5 und 10 Mio Fr. betragen. Das hiesse rund 25 Mio Fr. in sechs Monaten. Wenn man diese Eckdaten für 2009 hochrechnet, liegt nach den weiteren Fortschritten beim Mietmodell ein Umsatzplus in Lokalwährungen von 10% und ein Betriebsgewinn zwischen 50 und 80 Mio Fr. drin.

«Das Ergebnis ist enttäuschend», war die erste Reaktion von Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos, «Kudelski bleibt eine Black Box. » Weil der Transformationsprozess bis in das nächste Jahr reiche, sei es schwierig, Prognosen vorzunehmen. Spiliopoulos rechnet mit einem Umsatzplus zwischen 8 und 9%. «Die Zeit ist noch nicht reif für eine positive Bewertung», lautet sein Fazit.

Credit-Suisse-Analyst Christoph Gretler hatte vor allem aus Europa einen höheren Umsatz beim Digital-TV erwartet. Mit seiner Schätzung zum Gesamtumsatz lag er 5% zu hoch. Vor dem Hintergrund der hohen Investitionen in den neuen Wachstumsbereichen IPTV und Mobil-TV war es für ihn enttäuschend, dass hier der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr stagnierte.

Aktie weiter unter Druck

Auch beim Reingewinn lag Kudelski massiv unter der Erwartung des CS-Analysten. «Wir glauben, dass der Markt in der 1. Jahreshälfte in Bezug auf den Umsatz und die operative Marge leicht enttäuscht war», kommentiert Gretler. Abschliessend fügt er bei: «Trotz der sehr anspruchslosen Bewertung glauben wir, dass die begrenzte Visibilität beim neuen Geschäftsmodell und der Zeitbedarf, um dieses umzusetzen, in den kommenden Monaten den Aktienpreis belasten werden.»

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NACHGEFRAGT andré kudelski, VR-Präsident und CEO Kudelski-Gruppe


«Wir kehren zur Profitabilität zurück»

Wird 2009 für die Kudelski-Gruppe ein weiteres Übergangsjahr ?

André Kudelski: Nein, wir werden eine Rückkehr zur Normalität sehen. Die Veränderungen, die wir in diesem Jahr vornehmen, werden sich bemerkbar machen. Sichtbares Resultat dieser Massnahmen wird 2009 die Rückkehr zur Profitabilität sein.

Was gibt Ihnen die Sicherheit, dass sich die Verhältnisse ändern?

Kudelski: Wir haben bei der Konjunktur bereits Ende 2007 Zeichen für eine Abschwächung gesehen. Heute sehen wir die ersten Zeichen für eine positive künftige Entwicklung. Abgesehen von diesen makroökonomischen Faktoren, wird die grundlegende Transformation des Unternehmens die Visibilität für zukünftige Jahre und insbesondere für 2009 steigern.

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Sehen Sie das Problem der gehackten Karten als gelöst an?

Kudelski: Das ist kein punktuelles Problem, der Kampf gegen Hacker ist eine langfristige Angelegenheit. Deshalb haben wir eine neue Familie von Sicherheitsprodukten eingeführt.

Welche Konsequenzen hat die Übernahme Ihres Konkurrenten NDS durch Permira?

Kudelski: Das ist eine gute Nachricht. Damit wird unser Konkurrent ein Konkurrent wie jeder andere auch in einem kompetitiven Umfeld.

Möchten Sie ihre Turnaround-Ziele für 2009 ausschliesslich organisch erreichen?

Kudelski: Ja, wir möchten die Ziele für 2009 erreichen, ohne dafür Akquisitionen machen zu müssen. Dennoch würden wir in kleinem Massstab dazukaufen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Und die Kostenziele ? werden Sie massiv offshoren?

Kudelski: Nein, wir haben nicht vor, massiv offshoren. Unsere Strategie ist es, neue Arbeitsplätze näher bei den Kunden aufzubauen. Wir ziehen Asien vor, dort sehen wir das grösste Potenzial.

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Ist ein Going Private eine Option?

Wir haben aktuell nicht vor, von der Börse zu gehen. Längerfristig jedoch ist das eine Frage, die sich regelmässig wieder stellt, je nachdem, wie sich die Absatzmärkte, die Finanzmärkte und das Geschäft entwickeln.

Finden Sie den aktuellen Aktienkurs angemessen?

Kudelski: Ich kommentiere den Kurs der Aktie nicht. Ich kann nur sagen, dass ich persönlich in letzter Zeit Aktien hinzugekauft habe.