ENERGIESPAREN.

Es wird dunkel und keine Strassenlampe leuchtet – eine unvorstellbare Situation. Doch was wäre, wenn? Viele Leute würden sich nicht mehr zu Fuss auf die Strasse wagen, die Städte wären leer, Autofahrer müssten noch viel mehr auf der Hut sein. Steigendes Sicherheitsbedürfnis und dichtere Strassennetze – der Bedarf an Strassenbeleuchtung ist in den letzten 30 Jahren enorm angestiegen. Und diese Tendenz wird sich auch künftig kaum ändern.

Mehr Strassenbeleuchtung, mehr Stromverbrauch? Nein, sagt Manfred Jäger von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ). Bessere Leuchten, effizientere Leuchtmittel, elektronische Vorschaltgeräte und ein optimierter Betrieb machen es möglich: Mit dem gleichen Strom werden im Kanton Zürich heute 75 Prozent mehr Strassenleuchten versorgt als vor 30 Jahren.30 bis 80 Mio Fr. pro Jahr könnten in der Schweiz an Stromkosten für die Strassenbeleuchtung eingespart werden. Die Schätzungen sind je nach angenommenen Optimierungsmassnahmen unterschiedlich, deuten aber alle ein enormes Energie- und Kosteneinsparpotenzial an. Eine genaue Abschätzung ist noch nicht möglich, da keine flächendeckenden Verbrauchsdaten vorliegen. An einer Umfrage zum Elektrizitätsverbrauch, den eingesetzten Lampentypen und allenfalls geplanten Optimierungsmassnahmen für die öffentliche Beleuchtung haben sich erst 10% der rund 2700 Schweizer Gemeinden beteiligt. Von diesen haben zwar mehr als zwei Drittel eine effiziente Beleuchtung, doch ist diese Zahl vorsichtig zu beurteilen, da bis jetzt wohl hauptsächlich gut positionierte Gemeinden ihre Daten eingebracht haben. Die Schweizerische Agentur für Energieeffizienz (S.A.F.E.) hat die online verfügbare Umfrage 2006 ins Leben gerufen. Ziel ist es, eine Übersicht über den aktuellen Stand von Strassenbeleuchtungen in der Schweiz zu schaffen.Das Energiesparpotenzial ist vorhanden, wird aber noch nicht ausreichend genutzt. Trotzdem – gute Beispiele gibt es, und zwar schweizweit. Im Kanton Zürich zum Beispiel legte der Zürcher Baudirektor Markus Kägi (SVP) Ende Oktober gleich selbst Hand an. Zusammen mit einem Mitarbeiter der EKZ entfernte er an einem Kandelaber beim Strandbad Thalwil die alte Strassenleuchte und ersetzte sie durch eine moderne Natriumhochdruckleuchte. Diese verbraucht im Vergleich zu einer Quecksilberleuchte nur halb so viel Strom. Zusätzlich zum effizienteren Leuchtmittel bringen die neuen optimierten Reflektoren mehr Licht auf die Strasse und ermöglichen Energieeinsparungen von einem Drittel im Vergleich zu alten, verschmutzten Reflektoren in offenen Leuchten.

Zauberwort: Vorschaltgeräte

Für Fussgängerzonen und bauhistorisch wertvolle Stadtteile, wo Natriumlampen wegen ihres typischen gelben Lichts nicht erwünscht sind, bieten Metallhalogendampflampen eine Alternative. Zwar sind diese rund 20% weniger effizient als Natriumhochdrucklampen. Doch sie bieten weisses Licht und eine hohe Lichtqualität, haben eine wesentlich höhere Lichtausbeute und eine bessere Farbwiedergabe als die heute häufig eingesetzten Quecksilberdampflampen.Weitere Einsparungen können durch den Einsatz elektrischer Vorschaltgeräte (EVG) erreicht werden, denn diese sind wesentlich effizienter als konventionelle. «EVG haben nicht nur eine viel geringere Verlustleistung als konventionelle Vorschaltgeräte, sie erhöhen auch die Zuverlässigkeit der Lampe, verlängern deren Lebensdauer und machen je nach Ausführung das Licht dimmbar», erklärt Kurt Maeder, Vizedirektor der Philips AG Lighting. Neben den technischen Massnahmen kommt der Optimierung der Betriebszeiten von Strassenleuchten eine wichtige Bedeutung zu: Die Reduktion respektive die völlige Ausschaltung von Beleuchtungen während einiger verkehrsarmer Nachtstunden führt gemäss S.A.F.E. zu Einsparungen von einem Viertel. Und das ohne Komforteinbusse – wie Erfahrungen zeigen, werden solche Halbnacht-Absenkungen von Verkehrsteilnehmern kaum wahrgenommen.

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Wirtschaftlichkeit gegeben

Bülach sanierte vor drei Jahren 162 Strassenleuchten und spart seither massiv Strom. Die Sammelstrassen werden heute von Natriumhochdrucklampen anstelle der früher installierten Quecksilberlampen beleuchtet. Statt 125 Watt beträgt die installierte Lampenleistung lediglich 70 Watt, und das bei erhöhter Leuchtdichte. Der Stromverbrauch, inklusiv Vorschaltgeräte, reduzierte sich um ganze 45%. Auch die Wirtschaftlichkeit der Sanierung steht ausser Frage – schon 2012 sind die Kosten amortisiert. In einem solchen Fall nicht zu sanieren, wäre verlorenes Geld.Eine gute Übersicht gibt die Broschüre «Strassenbeleuchtung» von S.A.F.E. (Download unter www.topten.ch/sb). Insbesondere der Austausch von Leuchten, die Verwendung von Natriumhochdrucklampen und die Optimierung der Betriebszeiten durch Nachtabsenkung sind als Energiesparmassnahmen in aller Regel wirtschaftlich und relativ einfach umzusetzen.