Der Schweizer Markt für Mergers & Acquisitions (M&A) zeigt ein widersprüchliches Bild: Die von The Corporate Finance Group exklusiv für die «Handelszeitung» zusammengestellte Liste mit angekündigten, hängigen und abgeschlossenen Übernahmen und Fusionen mit Schweizer Beteiligung umfasst 340 Transaktionen fürs 1. Halbjahr 2008. In der Vorjahresperiode waren es 257.

Es scheint, als ob die Finanz- und die Bankenkrise, welche die Märkte nach wie vor erschüttern, kaum Einfluss auf die M&A-Aktivität hätten. Beim zweiten Blick stellt man indes fest, dass das Transaktionsvolumen massiv zurückgegangen ist. Wurden im 1. Halbjahr 2007 Deals im Wert von 45,6 Mrd Fr. bekannt gegeben, waren es dieses Jahres bisher knapp die Hälfte, 20,5 Mrd Fr. Zweites Merkmal ist der Rückgang von Transaktionen in Milliardenhöhe. Ausnahmen sind der Verkauf der Alcon-Beteiligung von Nestlé an Novartis sowie die Übernahme des Uhrenhersteller Hublot durch den französischen Luxuskonzern LVHM.

Diese beiden gegenläufigen Entwicklungen zeigen auf der einen Seite, dass die reinen Finanzinvestoren durch die Krise geschwächt wurden. Die Banken sind mit der Gewährung von Krediten wesentlich zurückhaltender als noch vor einem Jahr, was die fremdfinanzierten Transaktionen massiv erschwert. Profiteure sind andererseits die strategischen Käufer im KMU-Bereich. Sie verfügen über eine hohe Finanzierungskraft und sind häufig in der Lage, Firmen oder Firmenteile aus eigener Kraft zu übernehmen. Die hohe Zahl an Transaktionen zeigt, dass auch eine Bereinigung in gewissen Branchen im Gang ist. Gewisse Akteure müssen auf Grund der Krise devestieren oder verschwinden ganz.

Anzeige

Wie wird das 2. Halbjahr? Werner Kuhn, Head Investment Banking Schweiz der UBS, zeigt sich angesichts der aktuellen Transaktions-Pipeline zuversichtlich. «Eine wirkliche Belebung erwarten wir allerdings erst, wenn sich die Bewertungsunsicherheiten auf Käuferseite gelegt haben.» Marco M. Illy, Leiter Investment Banking der Credit Suisse Schweiz, ortet drei Trends, die im 2. Halbjahr für eine gute Aktivität sorgen dürften: Firmen mit starken Bilanzen, die Akquisitionen als Teil der Wachstumsstrategie sehen, aktive Aktionäre und die fortschreitende Konsolidierung in verschiedenen Branchen.

Robin Richiger, Head Mergers & Acquisitions bei der Bank Vontobel, weist darauf hin, dass sowohl strategische Käufer als auch Finanzinvestoren weiterhin Wachstum respektive Investitionsobjekte suchen. Dennoch erwartet Richiger eher eine Abnahme der M&A-Aktivität.