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Berater
Strauss-Kahn will sich ganz der Wirtschaft widmen

Dominique Strauss-Kahn: Fertig mit der Politik. (Bild: Keystone)

Der ehemalige IWF-Chef lässt künftig die Finger von der Politik. Stattdessen berät er Grossunternehmen und Regierungen in Wirtschaftsfragen. Allerdings könnte er manchen dafür etwas zu teuer sein.

Veröffentlicht am 01.08.2013

Der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn zieht sich nach eigenem Bekunden dauerhaft aus dem Politikgeschäft zurück. Der 64-jährige Franzose will stattdessen als Wirtschaftsberater arbeiten.

«Politik gehört für mich zur Vergangenheit», sagte der vor zwei Jahren über einen Sexskandal gestürzte Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF) dem russischen Fernsehsender Rossija 24 in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview. «Heute arbeite ich als Berater für grosse Unternehmen in vielen Ländern der Welt - in Russland, Afrika und Lateinamerika.»

Den Firmen versuche er «einen umfassenderen Blick auf die globalen Märkte» zu ermöglichen, sagte Strauss-Kahn dem Sender, der seinen prominenten Gast als «einflussreichen französischen Ökonomen» vorstellte. Russland etwa, so riet Strauss-Kahn, müsse seine wirtschaftlichen Aktivitäten «erheblich internationalisieren» und mehr in anderen Ländern investieren.

Sitz in mehreren Verwaltungsräten

Zuletzt hatte der international angesehene Finanzexperte schon Posten in den Verwaltungsräten zweier russischer Finanzinstitutionen bekommen - beim Direktinvestitionsfonds RDIF sowie bei der Regionalentwicklungsbank BRDR, die vom Erdölgiganten Rosneft kontrolliert wird.

Mangelndes Interesse an Strauss-Kahns Fachwissen dürfte nicht das Problem sein: Serbiens Vize-Regierungschef Aleksandar Vucic sagte dem Fernsehsender B92 am Mittwoch, er habe mit dem Franzosen «sehr kurz» über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit gesprochen. Strauss-Kahn werde «sicherlich nicht Minister, könnte aber ein Berater sein» und beim Umgang mit den Staatsschulden und anderen ökonomischen Fragen helfen.

Das Büro des Franzosen hatte einen Zeitungsbericht über die mögliche Kooperation zuvor als «Witz» zurückgewiesen. Aus Regierungskreisen verlautete, Strauss-Kahn verlange viel Geld.

Ruf beschädigt

Der Finanzexperte hatte lange als ernsthafter Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten gegolten. Im Jahr 2011 war er jedoch in New York unter dem Vorwurf der Vergewaltigung einer Hotelangestellten festgenommen worden und daraufhin von seinem Posten beim IWF zurückgetreten.

Obwohl die Anklage später nach einer finanziellen Einigung mit der Angestellten fallen gelassen wurde, war sein Ansehen erheblich beschädigt. Hinzu kam, dass er sich in Frankreich Vorwürfen der Zuhälterei ausgesetzt sah.

Vorwurf der Zuhälterei

Vergangene Woche wurde er in Lille offiziell der «schweren gemeinschaftlichen Zuhälterei» angeklagt. Bei den Vorwürfen geht es um Sex-Partys mit Prostituierten, an denen neben Strauss-Kahn auch ranghohe Polizisten und Geschäftsmänner anwesend gewesen sein sollen.

Strauss-Kahn bestreitet nicht, an den Sex-Partys in Luxushotels in den Jahren 2009, 2010 und 2011 teilgenommen zu haben. Er will aber nicht gewusst haben, dass es sich bei den Frauen um Prostituierte handelte.

(jev/sda)

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