Die beiden vergangenen Generalversammlungen des Technologiekonzerns OC Oerlikon boten keinerlei Überraschungen: Die Wiener Beteiligungsfirma war mit einem Stimmrechtsanteil um 30% Herrin über jedes Traktandum. Das dürfte sich an der nächsten GV vom 13. Mai 2008 ändern. Denn Renova, Investmentgesellschaft des russischen Industriellen Viktor Vekselberg, hat ihren Anteil von zuletzt rund 16% auf neu 24,39% erhöht. Damit liegen Victory (27,02%) und Renova in Sachen Mitspracherecht mehr oder weniger gleichauf.

Im Oerlikon-Verwaltungsrat spiegeln sich die neuen Beteiligungsverhältnisse nicht; noch nicht. Es mag Zufall sein, dass sich neben dem Victory-getreuen Günther Robol auch Georg Stumpf, Oerlikon-VR-Präsident und Victory-Mitbegründer, zur Wiederwahl für drei weitere Jahre stellen muss.

Mehrfach schon liess Renova durchblicken, dass man in der Rolle des Juniorpartners bei Oerlikon nicht glücklich sei. Bei Sulzer, wo Renova und Victory im Frühjahr 2007 gemeinsam eingestiegen waren, übernahm Renova wenige Monate später die Victory-Beteiligung. Bei Oerlikon dürfte es schwieriger werden, die Wiener Beteiligungsfirma der beiden Unternehmer Ronny Pecik und Georg Stumpf zu verdrängen. Denn noch an der Oerlikon-Jahreskonferenz vor zwei Wochen hatte Stumpf das Bekenntnis von Victory zu Oerlikon bekräftigt. Mehr noch: Die Wiener Beteiligungsfirma werde ihren Anteil am Technologiekonzern erhöhen, kündigte Stumpf an. Einen Kommentar zur aufgestockten Renova-Investment will Victory auf Anfrage nicht abgeben.

Showdown an der GV

Für Renova jedenfalls ist die nächste Oerlikon-GV die Gelegenheit, die letzten Verbindungen zum Partner Victory zu kappen. Bei Renova dürfte man sich die nächsten Schritte allerdings genau überlegen. Sollte Vekselbergs Beteiligungsfirma über gesicherte Mehrheitsverhältnisse verfügen, ist denkbar, dass Stumpf abgewählt und eigene VR-Kandidaten portiert werden – möglicherweise Urs Meyer, der mit Vladimir Kuznetsov bereits im Strategiegremium von Sulzer sitzt.

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