Beim Autoleasing schwappt die Finanzkrise ohne viel Verzug auf die Realwirtschaft über. Muss nämlich eine grosse Firma ihren Gürtel enger schnallen, nimmt sie besonders gern die Leasing-Kosten für ihre Direktionsetage ins Visier. Schliesslich gehen die Aufwendungen dafür ins Tuch, zudem gelten diese als Luxusvergütungen aus besseren Zeiten, die in harten Verlustjahren mit guten Gründen ersatzlos gestrichen werden können.

Eines der bekanntesten Leasingprogramme für das obere Kader unterhält die Grossbank UBS. Nun, da unter der Führung von Obersanierer Oswald Grübel jedes Marketingprojekt mit Kosten über 20000 Fr. der Divisionsleitung vorgelegt werden muss, droht dem Manager-Zückerchen das Aus. «Das Leasingprogramm ist seit zehn Jahren eine überdurchschnittlich attraktive Lohnnebenleistung für das UBS-Direktionskader», sagt denn auch UBS-Sprecherin Eveline Müller-Eichenberger. Wie andere Lohnnebenleistungen werde es derzeit einer kritischen Überprüfung unterzogen.

Beim Wunschauto fürs Kader zeigt sich die Bank grosszügig. Ein Vizedirektor erhält 750 Fr. an die monatliche Leasingrate bezahlt, ein stellvertretender Direktor 1125 Fr., ein Direktor gar 1500 Fr. Nur was diese Grenzen übersteigt, muss vom Angestellten selbst berappt werden.

Die Anreizstruktur fördert die Wahl teurer Autos. Entscheidet sich ein Manager für ein günstigeres Modell und schöpft er damit das ihm zustehende Leasingguthaben nicht voll aus, dann kommt die Differenz der Bank zugute.

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Wie stark sich Streichkonzerte bei den Leasingprogrammen grosser Unternehmen auf die hiesige Autobranche auswirken, wird sich weisen. Dass die Sparübungen aber Folgen haben werden, daran zweifeln Fachleute keine Sekunde. «Wenn die Firmen ihre Lohnnebenleistungen zusammenstreichen, dann kriegen wir das selbstverständlich zu spüren», sagt Andreas Burgener, Geschäftsführer der Vereinigung Schweizer Automobilimporteure Auto-Schweiz.

Dabei hat sich das Autogewerbe lange krisenresistent gezeigt. Noch im letzten Jahr konnte ein leichtes Absatzplus von 1,4% verzeichnet werden. Stark nachgefragt waren Mittelklassewagen. Die teuren Modellen spürten die Flaute hingegen schon 2008. Gemäss Auto-Schweiz brach der Absatz in der Oberklasse mit Modellen wie der S-Klasse von Mercedes, der 7er-Reihe von BMW, dem Audi A8 oder dem Lexus von Toyota um fast 19% ein. In der Luxusklasse mit den Bentleys, Maseratis und Maybachs betrug der Rückgang über 16%.

Nun hat die Krise auch die günstigeren Modelle erfasst. Trotzdem warnt Burgener von Auto-Schweiz vor Panikmache. «In der Schweiz gibt es einen hohen Ersatzbedarf», sagt der Branchensprecher mit Verweis auf die über 900 000 Autos mit Jahrgang 1995 oder älter, die hierzulande verkehren. Von daher sei die Lage «trotz Schwächephase nicht dramatisch».

Im Vergleich zum Ausland mit deutlich grösseren Absatzrückgängen mag die Prognose zutreffen. Doch der Händler an der Verkaufsfront muss sich für die härteren Zeiten rüsten. Einer von ihnen - ein Mercedes-Händler aus dem Aargau, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte - kennt mehrere UBS-Direktoren, die bisher in den Genuss des Leasingprogramms ihrer Bank gekommen sind. «Wir würden wohl ein paar Kunden verlieren, die heute vom UBS-Leasingprogramm profitieren», sagt er.

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Guter Rat gegen die Krise im Autogewerbe ist teuer. Mit monatlich 1500 Fr. Leasingentschädigung lässt sich ein Modell der E-Klasse von Mercedes finanzieren. Ohne diese Unterstützung, die mit der Zeit zu einer Art fixen Lohnbestandteils geworden ist, reicht das Gehalt eines durchschnittlichen UBS-Direktoriumsmitglieds in Zukunft vielleicht für ein Fahrzeug der B- oder C-Klasse. «Das Downsizing ist im Gang, das ist unbestritten», bestätigt der Händler.

Der Schweizer BMW-Generalimporteur gibt mit Paketlösungen für Firmen Gegensteuer. Man würde «attraktive Angebote für Firmenkunden ausarbeiten», sagt Roger Grossglauser, zuständig für Firmenkunden.

Nun bleibt abzuwarten, ob auch die finanzielle Unterstützung für den öffentlichen Verkehr gestrichen wird. Bei der UBS hatte ein Direktoriumsmitglied nämlich bisher Anrecht auf ein 1.-Klasse-SBB-Generalabonnement, falls er auf sein Leasinganrecht verzichtete.

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