Die Piloten bei der Lufthansa haben ihre Arbeit niedergelegt. Wie ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit mitteilte, begann der Streik um Mitternacht. Drei Tage lang soll der Flugbetrieb der Lufthansa bestreikt werden. Anlass des Streiks sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichten.

Die Lufthansa hat auf die umfassende Streikdrohung der rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten reagiert und den grössten Teil ihres Flugprogramms bis inklusive Freitag abgesagt. Rund 425'000 Passagiere sind von den etwa 3800 Flugstreichungen betroffen. Ein grosser Teil davon sollte auf andere Verkehrsmittel oder Termine umgebucht werden. Auch bei der Lufthansa-Tochter Germanwings fallen mehr als die Hälfte der 1332 geplanten Flüge aus. Der verbleibende Rest wird von der nicht bestreikten Gesellschaft Eurowings geflogen.

Auswirkungen in Zürich

Auch die Schweiz ist vom Streik betroffen. Die Flüge ab Zürich fallen aus. Bisher mussten 36 Flüge annulliert werden. Betroffen sind Verbindungen nach Düsseldorf, München, Frankfurt, Hamburg und Köln. Wie ein Flughafen-Sprecher gegenüber dem «Regionaljournal Zürich-Schaffhausen» von Radio SRF sagte, fallen am zweiten Streiktag, am Donnerstag, voraussichtlich 22 Flüge aus und am Freitag, dem letzten Streiktag, noch deren 20. Genaue Infos finden Sie hier

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Die Piloten der Lufthansa-Tochter Swiss machen beim Streik nicht mit, da sie andere Verträge haben als ihre Deutschen Kollegen. Die Swiss wird ab heute aber vereinzelt grössere Maschinen einsetzen. Aufgrund der höheren Kapazität können Passagiere aufgenommen werden, die sonst gestrandet wären.

«Fluggäste als Geiseln»

Die Piloten wollen am Mittwochvormittag am Frankfurter Flughafen für ihre Anliegen demonstrieren.  Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt rief die Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Cockpit zu einer schnellen Einigung auf. «Jeder Tag mit Streik schränkt die Mobilität hunderttausender Menschen ein. Das heisst, eine schnelle Lösung des Konflikts ist geboten und ist auch im Interesse der Tarifparteien», sagte er der «Bild»-Zeitung.

Dobrindt appellierte an das Verantwortungsbewusstsein beider Seiten: «Tarifautonomie und Streikrecht sind ein hohes Gut. Das bedingt auch ein hohes Verantwortungsbewusstsein eines jeden Tarifpartners.» Scharfe Kritik am Streik der Lufthansa-Piloten äusserte der Vize-Chef der CDU-Fraktion im deutschen Bundestag, Michael Fuchs: «Dieser Streik ist absolut unverantwortlich. Er bringt die Lufthansa in ernste Schwierigkeiten und nimmt eine halbe Million Fluggäste als Geiseln. Bei Leuten, die in einigen Fällen so viel verdienen wie die Kanzlerin, habe ich dafür wenig Verständnis!»

Die Drehkreuz-Flughäfen München und Frankfurt bereiten sich trotz der frühen Warnungen darauf vor, dass Transitreisende ohne Schengen-Visum in den Transitbereichen stranden könnten. Auch die meisten Frachtflüge der ebenfalls bestreikten Lufthansa Cargo wurden abgesagt. 

Lage in Frankfurt und München zunächst ruhig

Am Morgen war die Lage an beiden Flughäfen zunächst ruhig. «Aktuell läuft alles im geregelten Maße, die Leute wurden gut informiert, alles ruhig derzeit im Terminal», sagte ein Sprecher vom Airport Duty Management des Frankfurter Flughafens. Es seien genügend Feldbetten aufgestellt worden und Verpflegungsstationen sowie Familienbereiche für Reisende mit kleinen Kindern eingerichtet worden. «Es sind wenige Leute, die ohne Vorkenntnisse hier her kamen.» Auch ein Sprecher des Münchener Flughafens sagte, es sei sehr ruhig am Flughafen, die Reisenden seien gut informiert.

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Lufthansa bezifferte die vom Streik ausgelösten Verluste auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. 
 
(sda/se/me)