In der Auseinandersetzung mit der deutschen Regierung um Gemeinschaftsflüge mit Air Berlin hat die Fluggesellschaft Etihad die Justiz eingeschaltet. Zwei Tage vor Beginn des Winterflugplans beantragte Etihad eine einstweilige Verfügung.

Die Fluglinie darf nach einem Gerichtsurteil die umstrittenen Gemeinschaftsflüge mit Air Berlin vorerst im Flugprogramm behalten. Etihad habe vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig eine Klage gegen das Luftfahrtbundesamt auf einstweilige Verfügung gewonnen, teilte Etihad mit. Damit dürften beide Fluglinien die sogenannten Codeshare-Flüge bis zum 8. November weiter betreiben.

Abkommen umfasst Hälfte der Flüge

Die Gemeinschaftsflüge, sogenannte Codeshare-Flüge, sind grundsätzlich in einem Vertrag zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten geregelt. Passagiere können die Strecken bei beiden Unternehmen unter einer eigenen Nummer (Code) buchen, aber nur eine Airline bedient die Strecke auch.

Insgesamt gibt es nach Angaben von Air Berlin 65 dieser Verbindungen mit Etihad - 29 davon sind nicht durch das Abkommen gedeckt. Für diese Flüge gab es eine Ausnahmegenehmigung, und zwar für den Winterflugplan 2014/2015 und für den Sommerflugplan. Im März hatte das Verkehrsministerium gewarnt, dass danach damit Schluss sei.

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Schon über 82'000 Buchungen

Verhandlungen mit den Emiraten für den am Sonntag anlaufenden Winterflugplan und die weitere Zukunft blieben bislang ohne Ergebnis, wie ein Sprecher des deutschen Verkehrsministeriums am Freitag in Berlin sagte. Die Regierung sei weiter offen für Gespräche.

Etihad beantragte die einstweilige Verfügung, «um die Codeshare-Flüge mit Air Berlin zu schützen», wie die Fluggesellschaft mitteilte. Etihad könne nicht länger warten, bis die deutsche Regierung eine Entscheidung fällt, ob sie die Codeshare-Flüge bestätigt. Passagiere beider Airlines hätten bereits über 82'000 Reisen auf den Routen gebucht.

Ein Netz von Beteiligungen

Etihad unterhält mit Partner-Airlines aus seinem Verbund ein Europanetz und bietet dabei auch Zubringerflüge zum Hub in Abu Dhabi an. Die Schweizer Airline Darwin fliegt unter dem Namen Etihad Regional.

Etihad besitzt 33 Prozent an Darwin, 49 Prozent an Alitalia und 30 Prozent an Air Berlin. Die Araber halten die kriselnden Alitalia und Air Berlin mit Finanzspritzen in der Luft. Zudem arbeitet die Airline mit Air Serbia und anderen Gesellschaften zusammen.

Europäer sehen sich benachteiligt

Europäische Airlines und Konkurrenten aus den USA werfen Fluggesellschaften wie Etihad oder Emirates aus den Golfstaaten immer wieder vor, von Subventionen, Steuererleichterungen und Krediten ihrer Herkunftsländer zu profitieren und so den Wettbewerb zu verzerren. Ebenso regelmässig dementieren das die angeschossenen Airlines.

Die Flieger aus den Golfstaaten legen ein beachtliches Wachstum hin. Den US-Airlines liefen sie auf den Strecken aus den Staaten nach Süd- und Südostasien unterdessen den Rang ab.

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(sda/mbü/hon)