Die letzte Meile ist gefallen. Sunrise kann nun auch im Festnetzgeschäft den Preiskampf mit neuen Angeboten lancieren. Um das Weihnachtsgeschäft anzukurbeln, wollte die Nummer zwei im Markt entsprechend die Werbetrommel rühren. «Alles aus einer Hand, macht für Sie alles viel günstiger», stand gross über einem Zeitungsinserat. Satte 531 Fr. könnten Kunden im Vergleich zur Swisscom sparen. Der Betrag war prominent links unten platziert, farblich unterlegt.

Die Anzeige erschien jedoch nur wenige Male. Jetzt wirbt Sunrise mit einer grafisch identischen Lösung, allerdings ist die Ersparnis für die Kunden, die links unten erscheint, deutlich kleiner geworden: Sie beträgt jetzt bloss noch 348 Fr. Was ist passiert?

Der Grund für den neuen Werbeauftritt liegt bei der Swisscom. Sie hat gegen die ursprüngliche Kampagne von Sunrise interveniert. In einem Brief, welcher der «Handelszeitung» vorliegt, schreiben die Swisscom-Juristen: «Sie stellen einen unzulässigen und unklaren Preisvergleich an, in dem Sie zwei verschiedene Sparmöglichkeiten, einerseits im Vergleich Produkt Sunrise/Produkt Swisscom, andererseits eine Sparmöglichkeit innerhalb der Sunrise-Produkte miteinander kumulieren.» Dies führe dazu, dass der Kunde glauben solle, dass Swisscom 531 Fr. teurer sei, «ohne dass ersichtlich ist, mit welchen Swisscom-Produkten überhaupt verglichen wird». Sunrise wird aufgefordert, «diese unzulässige Kommunikation per sofort zu unterlassen».

Comparis sagt: Zahlen stimmen

Sunrise-Kommunikationschef Dominique Reber bestätigt die Intervention. Und er erklärt, warum man klein beigegeben habe: «Swisscom drohte uns mit einer provisorischen Verfügung des Gerichts. Das hätte zur Folge gehabt, dass wir unser neues Festnetzangebot während zweier Monate nicht mehr hätten bewerben dürfen.» So kurz vor dem Weihnachtsgeschäft wäre das laut Reber «ein GAU» gewesen. Inhaltlich dagegen sehe Sunrise keinen Grund, zurückzukrebsen: «Die Zahlen stimmen.»

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Das sieht auch Ralf Beyeler so. Der Telekomexperte beim Internet-Vergleichsdienst Comparis: «Sunrise hat richtig gerechnet.» Allerdings gebe es zwei Mal eine Fussnote, was das Ganze etwas unübersichtlich mache. Das Angebot gelte beispielsweise nur für Kunden, die Sunrise bereits entbündelt habe (die also ihren Festnetzanschluss nicht mehr bei der Swisscom haben) – und das seien zum jetzigen Zeitpunkt noch recht wenige. Doch Beyeler hält fest: «Ich sehe das Problem von Swisscom nicht.» Er betont sogar, dass Sunrise mit einer noch höheren Einsparung von 588 Fr. werben könnte, wenn man die regulären Preise mit jenen aus dem Bündelangebot «Free Internet» vergleichen würde.

Die Swisscom hält dagegen: «Tatsache ist, dass Sunrise auf unser Schreiben hin ihre Werbung angepasst hat. Das zeigt, dass Fehler enthalten waren», sagt Sprecher Sepp Huber. «Das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb und die Preisbekanntgabeverordnung gelten für alle.» Sunrise spreche von «Gratis-Internet», grundsätzlich sei jedoch nichts gratis bei diesem Angebot. Die 531 Fr. seien die Summe aus einem Preisunterschied zwischen Swisscom und Sunrise einerseits und einer Sparmöglichkeit innerhalb der Sunrise-Produkte. Die Sparmöglichkeit werde jedoch nur gewährt, wenn der Kunde zusätzlich im Mobiltelefoniebereich einen Mindestumsatz von 600 Fr. pro Jahr akzeptiere. «Der Vergleich ist somit einer von Äpfeln mit Birnen.»

Bei Sunrise hat man in diesem Streit zwar klein beigegeben, der Ärger über die Intervention der Swisscom jedoch ist geblieben. Reber erklärt: «So wird die Hochpreisinsel Schweiz mit juristischem Geplänkel betoniert.»