Der Streit um das neue Messsystem für TV-Zuschauerzahlen geht in die nächste Runde. Das Obergericht Nidwalden hat eine superprovisorische Verfügung gegen die Veröffentlichung der strittigen TV-Quoten gutgeheissen und ausgeweitet.

Albert Müller vom Obergericht Nidwalden bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda den Entscheid der Richter. Sie dehnten das Publikationsverbot auch explizit auf die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), Tele Züri und Werbevermittler aus. Damit geben die Richter dem Sender 3+ vollumfänglich recht.

«Es handelt sich aber um ein rein vorläufiges Verbot, solche Quoten zu veröffentlichen», sagte Müller. Das eigentliche Urteil in der Sache sei noch nicht gefallen. «Das Ganze hängt noch sehr in der Luft.»

Sender gaben Zuschauerzahlen bekannt

Mediapulse geht juristisch gegen den Entscheid vor. Das Unternehmen bezweifelt, dass ein Zivilgericht für den Streit zuständig ist. Nach seiner Auffassung müsste ein Begehren beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) oder beim Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) deponiert werden, sagte Mediapulse-Sprecher Nico Gurtner gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

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3+ wertete den Gerichtsentscheid als «Etappensieg», wie der Sender mitteilte. Ende März erwirkte 3+ eine erste superprovisorische Verfügung. Das Gericht untersagte Mediapulse, die Daten zu publizieren und an Werbeagenturen abzugeben. Nach Rücksprache mit dem Richter beschloss der Mediapulse-Verwaltungsrat aber, die Daten den TV-Sendern und Vermarktern zur Verfügung zu stellen.

Das Schweizer Fernsehen SRF veröffentlichte daraufhin seine Zuschauerzahlen des ersten Quartals 2013 mit dem Argument, die Verfügung richte sich nur gegen Mediapulse. Die Daten seien zur «zweckdienlichen Nutzung» freigegeben worden, sagte SRF-Direktor Ruedi Matter Anfang April vor Medienvertretern. Auch Tele Züri und der Westschweizer RTS-Sender gaben ihre Zuschauerzahlen bekannt.

Neues Messsystem für mehr Genauigkeit

Am Anfang des Streits stand die Umstellung auf ein neues Messsystem für TV-Zuschauerzahlen. Dieses sollte das bisherige auf analoges Fernsehen ausgerichtete System ersetzen und das Verhalten der Fernsehzuschauer besser erfassen, indem es auch zeitversetztes Fernsehen und TV-Konsum via Internet berücksichtigt.

Wegen Problemen bei der Datenauswertung und Zweifeln an der Verlässlichkeit der Ergebnisse musste die Publikation der Zahlen verschoben werden. Mitte Februar kam es zum Eklat, als Mediapulse kurzfristig auf die Veröffentlichung verzichten musste.

Mediapulse beauftragte Experten, das Messsystem unter die Lupe zu nehmen. Sie kamen zum Ergebnis, es genüge internationalen Qualitätsanforderungen. Gleichzeitig machten die Experten jedoch verschiedene Optimierungsvorschläge.

(vst/sda)