Erleichterung an den Märkten: Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben die Ergebnisse des EZB-Stresstests mit Freude aufgenommen. Zum Handelsstart gewann der deutsche Leitindex  0,9 Prozent auf 9071 Zähler. Besonders im Blick stehen heute die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank, die den Test klar bestanden haben. Sie legten deutlich zu und rückten am Morgen um 6,8 beziehungsweise 2,8 Prozent vor. «Die Ergebnisse des Stresstests zeichnen ein deutlich gesünderes Bild des Banken-Sektors als erwartet», sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. «Es bleibt aber abzuwarten, ob der aktuelle Optimismus anhält, da Händler ihre Aufmerksamkeit früher oder später wieder der schwächelnden Konjunktur in der Euro-Zone zuwenden.»

Auch der Schweizer Aktienmarkt ist mit einer freundlichen Stimmung in die neue Börsenwoche gestartet. Der  SMI gewann leicht hinzu, wenn auch die Ergebnisse des Stresstests den hiesigen Grossbanken kaum Rückenwind lieferten.

Drastische Auswirkung bei italienischen Banken

Anders beim Geldhaus mit der grössten Kapitallücke, hier hatten die Ergebnisse drastische Auswirkungen: Aktien der Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) fiel am Morgen zeitweise um 18 Prozent, ebenso die Banca Carige. Die italienischen Banken hatten am schlechtesten von allen Ländern abgeschnitten, neun Geldinstitute haben hier Nachholbedarf.

Einige von ihnen haben dennoch zugelegt: Banca Popolare dell' Emilia Romagna und Banca Popolare di Milano gewannen in der Spitze jeweils mehr als drei Prozent. Banco Popolare zogen zeitweise sogar um 7,5 Prozent an. Alle drei Institute haben ihre zum Stichtag Ende 2013 bestehenden Kapitallücken bereits geschlossen oder nur vergleichsweise geringen Bedarf an frischem Geld.

Auch für andere Geldhäuser war der Wochenauftakt problematisch: Die irische Permanent TSB fiel sogar um 24 Prozent, die National Bank of Greece um 1,7 Prozent und die portugiesische Millenium BCP um acht Prozent. Diese drei Institute brauchen ebenso wie BMPS oder Carige zusätzliches Kapital.

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IWF sieht Vertrauen gestärkt

Die EZB kann dieses Mal insgesamt ein positives Fazit im Stresstest ziehen: Sie kam am Sonntag zu dem Ergebnis, dass die allermeisten Grossbanken in der Euro-Zone für eine neue Finanzkrise gerüstet sind. Von den 130 Instituten patzten lediglich 25, von diesen wiederum haben 12 ihre Schwachpunkte bereits ausgeräumt. Das bedeutet: Die Kapitallücke von 25 Milliarden Euro, die zum Zeitpunkt der Test Ende 2013 festgestellt wurde, ist bei der Veröffentlichung der Ergebnisse zum grössten Teil schon gestopft. Für die EZB ist der diesjährige Stresstest von besonderer Bedeutung, weil sie am 4. November in einer neuen Funktion die Aufsicht über Europas Banken übernehmen.

Das «hohe Mass an Transparenz und die Vergleichbarkeit der Ergebnisse« werde es den Marktteilnehmern ermöglichen, ein eigenes Urteil über die Gesundheit der Banken zu fällen, sagte Gerry Rice, Sprecher des Internationalen Währungsfonds, in einer Mitteilung. «Das sollte das Vertrauen stärken.»

Triviale Summe, die noch fehlt

Zum jetzigen Stand müssen noch 13 Banken insgesamt 9,5 Milliarden Euro beseite legen. Dieser Ausblick findet allerdings auch Kritiker: Nehme man zwei griechische Banken heraus, die bereits ein Aufpolstern ihrer Kapitalbasis angekündigt haben, blieben sogar nur sieben Milliarden Euro übrig. Eine triviale Summe, befinden Analysten der der Bank Société Générale gegenüber dem «Wall Street Journal». Bereits die früheren Stresstests sind waren als zu grosszügig bemängelt worden.

Ein Schwachpunkt der europäischen Banken zeigte sich beim Bilanzcheck (Asset Quality Reviews). Die EZB zeigte auf, dass in den Büchern der Banken deutlich mehr faule Kredite schlummern als bislang angenommen - insgesamt 879 Milliarden Euro. Das seien 136 Milliarden Euro mehr als vermutet.

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«Für die EZB bleibt einiges zu tun»

Es wird einige Tage dauern, bis die Analysten sich durch die Datenmengen gearbeitet haben, die die EZB mit dem Stresstest veröffentlicht hat, rund 12'000 Einzeldaten für jedes geprüfte Institut. Eines ist heute bereits klar: «Für die EZB bleibt noch einiges zu tun», analysiert Nicolas Veron vom Brüssel-Thinktank Bruegel. Denn für Europas Banken ist der jetzige Stresstest ein Zwischenschritt – innert zehn Jahren müssen sie die strengeren Basel-III-Kriterien erfüllen, die seit Jahresbeginn stufenweise eingeführt werden. Darin, so Veron, wird eine der Hauptaufgaben der neuen Europäischen Bankenaufsicht nach dem 4. November liegen.

Mit Material von sda und reuters.