Es war eines der letzten Zückerchen, das die Bundespolitik der Stromwirtschaft zukommen liess. Seit diesem Jahr können Stromproduzenten, die mit dem Verkauf von Wasserstrom Verlust schreiben, eine « Marktprämie» beantragen. 101 Millionen zahlt der Bund für 2018 voraussichtlich aus, wie das Bundesamt für Energie diese Woche bekannt gegeben hat. 85 Prozent davon werden noch im laufenden Jahr an die Stromkonzerne ausbezahlt.

Nicht publiziert wird, wer das Geld erhält. Recherchen der «Handelszeitung» zeigen nun aber, wer die grössten Empfänger sind. Die meisten Stromproduzenten nannten auf Anfrage die ihnen bezahlten Subventionen. Bloss die Industriellen Werke Basel (IWB) wollten keine Zahl nennen, da die in Aussicht gestellten Beträge noch nicht rechtskräftig seien.  

Ein Drittel geht an Axpo, ein Viertel an Alpiq

Grösster Subventionsempfänger dürfte demnach der Stromkonzern Axpo mit 33 Millionen Franken oder rund einem Drittel der für 2018 gesprochenen Gesamtsumme sein. Auf Rang 2 liegt Alpiq mit insgesamt 26 Millionen Franken. Zudem dürften das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) mit 10 Millionen, die Berner BKW mit 6 Millionen und die Bündner Repower mit gut 2 Millionen Franken zu den grössten Bezügern gehören (siehe Grafik). Keinen Anspruch auf Marktprämien haben die Schweizerischen Bundesbahnen, die ebenfalls zu den grossen Stromproduzenten gehören, den meisten Strom aber selbst verbrauchen.

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Marktprämien erhält, wer Strom zu Preisen am Markt verkaufen muss, welche die Produktionskosten nicht decken. Das war in den vergangenen Jahren oft der Fall, da am freien Strommarkt teilweise nur drei bis vier Rappen pro Kilowattstunde Strom bezahlt wurden. Keinen Anspruch hingegen haben Produzenten auf Strom, den sie zu Vollkosten in die Grundversorgung verkaufen können.

In den letzten Monaten haben die Marktpreise allerdings deutlich angezogen. Bestätigt sich dieser Trend für die Zukunft, dürften nächstes Jahr weniger Marktprämien bezahlt werden. Die Marktprämien werden noch bis 2022 ausbezahlt. Insgesamt steht eine halbe Milliarde Franken für die Subvention der Wasserkraft zur Verfügung, die über Strompreis-Zuschläge finanziert wird.

Der Bund darf keine detaillierten Zahlen publizieren

Ursprünglich kündigte das Bundesamt für Energie eine detaillierte Statistik zu den Bezügen für solche Marktsubventionen an. Dies erwies sich jedoch als falsches Versprechen. Es habe sich herausgestellt, dass die Rechtsgrundlage dafür nicht bestehe, sagt BFE-Sprecherin Marianne Zünd. Dies etwa im Gegensatz zu den Subventionen im Rahmen der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV), zu der jedes Jahr eine ausführliche Statistik publiziert wird. Den Wasserstrom-Produzenten ist es offenbar gelungen, solch weitgehende Transparenzvorschriften zu verhindern.