Am 23. März 2007 verabschiedete das Parlament das Stromversorgungsgesetz StromVG. Nachdem die Referendumsfrist im Juli unbenutzt verstrichen ist, steht einer baldigen Inkraftsetzung nichts mehr im Wege. Dabei plant der Bundesrat eine stufenweise Einführung der Marktöffnung: Am 1. Januar 2008 sollen all jene Artikel Gesetzeskraft erlangen, die der Vorbereitung und dem Aufbau von einheitlichen Marktregeln dienen.

Nachdem dann die Netzbetreiber bis Mitte 2008 ihre Netznutzungstarife veröffentlicht haben, sollen auf den 1. Oktober 2008 die restlichen Artikel in Kraft treten, sodass Konsumenten mit einem Strombedarf ab 100000 kWh ihren Stromlieferanten frei wählen können. Eine Öffnung des Marktes für alle Kunden ist fünf Jahre später, auf den 1. Januar 2013, vorgesehen.

Zweigeteilter Markt

Ein solch grundlegender Systemwechsel vom bisherigen faktischen Versorgungsmonopol zum freien Energiemarkt bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Ziel des Gesetzes ist es denn auch, die Voraussetzungen für eine sichere Elektrizitätsversorgung sowie für einen wettbewerbsorientierten Elektrizitätsmarkt zu schaffen. Kannte ein Stromkunde bisher nur einen Lieferanten – nämlich «sein» örtliches EW – so muss er sich inskünftig auf eine Zweiteilung der Aufgaben einstellen: Für den Anschluss ans Elektrizitätsnetz ist der durch den Kanton zugeteilte Netzbetreiber verantwortlich. Da er als solcher über ein natürliches Versorgungsmonopol verfügt, wird er durch den gesetzlich bestellten Regulator – die Elektrizitätskommission ElCom – kontrolliert. Demgegenüber ist der lokale Netzbetreiber für Grosskunden nicht mehr à priori für die Energielieferung zuständig; der Verbraucher kann die Energie frei im Markt zukaufen, bei dem Lieferanten, der ihm das beste Angebot unterbreitet.
Die liberalisierten Märkte in der EU zeigen dabei, dass die Entkoppelung von Netzbenutzung einerseits sowie der Energielieferung andererseits dazu führt, dass sich diese beiden Produkte preislich ganz unterschiedlich verhalten. Während die Netzbenutzungstarife eher stabil sind und durch die ElCom überprüft und reguliert werden, sind die Preise für elektrische Energie äusserst volatil. In der Schweiz existiert seit knapp einem Jahr bereits eine Strombörse für den Spotmarkt. Hier werden kurzfristige Geschäfte für Stromlieferungen über einen elektronischen Handelsplatz abgewickelt.
In den ersten neun Monaten 2007 wurden rund 3 Mrd kWh gehandelt; dies entspricht immerhin gut 6% des gesamten schweizerischen Strombedarfs. Die dabei bezahlten Preise liegen bei durchschnittlich 5,8 Rp./kWh für Grundlast (base) und 6,9 Rp./kWh für Spitzenlast (peak). Allerdings waren Extremwerte zwischen 2,7 Rp./kWh und 14,5 Rp./kWh zu verzeichnen. Ein klares Zeichen dafür, dass es wichtig ist, die jeweils aktuelle Marktlage genau zu verfolgen.

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Paradigmenwechsel

Diese grundlegende Änderung der Marktregeln hat wie immer Vor- und Nachteile. War die bisherige Stromversorgung geprägt durch Monopole, die den Kunden eine Vollversorgung im Sinne einer Sorgloslösung lieferten, müssen sich inskünftig alle Marktteilnehmer, Produzenten, Netzbetreiber und insbesondere auch Kunden, intensiv mit Fragen des Netzzugangs, der Netznutzung sowie der Energiebeschaffung auseinandersetzen.

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Werner Geiger, Enerprice.ch, Ebikon.