Am vergangenen Dienstag um kurz vor 15 Uhr gingen die Lichter aus: Ein Stromausfall traf Teile von Zürich-West sowie das Quartier Höngg. Für Stunden funktionierten weder Computer noch Lifte, auch in den vielen Büros und Betrieben.

2000 Menschen mussten aus Sicherheitsgründen den Prime Tower über die Fluchtwege verlassen, die Polizei regelte den Verkehr an ausgefallenen Ampeln, der Tramverkehr war gestört. Zahnärzte mussten Behandlungen abbrechen, das Mobilfunknetz der Swisscom war gestört, Digitec konnte in seinem Geschäft an der Pfingstweidstrasse nicht mehr verkaufen und musste auch die Kundenbetreuung im Call Center einstellen. Insgesamt mussten rund 3600 Kunden des Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) für Stunden ohne Strom auskommen.

Der Auslöser für das Chaos: Bei einem Zwischenfall mit einer Maschine auf einer Baustelle im Kreis 5 war laut EWZ-Sprecherin Esther Rutz ein Elektrokabel beschädigt worden. Daraufhin kam es im Unterwerk Herdern zu einem Kurzschluss.

Den Folgeschaden im Unterwerk könne man sich nicht erklären, sagte Rutz. Die Anlage sei erst fünf Jahre in Betrieb. In den nächsten Tagen würde mit dem Lieferanten abgeklärt, wie es zum Kurzschluss kommen konnte.

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Eine Woche später sind zwei Fragen weiterhin ungeklärt: Welches Bauunternehmen beschädigte das Kabel? Und welche Firma ist der Lieferant der Anlage im Unterwerk Herden? Diese beiden Unternehmen könnten verantwortlich sein. Das EWZ will die Namen jedoch noch nicht nennen und verweist auf laufende Abklärungen.

Hochspannungsstromkabel durchtrennt

In der Gegend um den Prime Tower gibt es eine grosse Baustelle: Zwischen dem höchsten Gebäude der Schweiz und dem Renaissance-Hotel ensteht das Projekt «Wohnen im Maaghof» mit mehr als 200 Wohnungen unter der Bauherrschaft von Swiss Prime Site. Totalunternehmer ist die Steiner AG.

«Auf dem Perimeter der Baustelle an der Naphtastrasse ist ein Hochspannungsstromkabel durchtrennt worden», teilt Steiner-Sprecherin Barbara Fry auf Nachfrage von «Handelszeitung Online» mit. Aber: «Die Arbeiten, die zur Beschädigung des Kabels geführt haben, sind von der Steiner AG weder in Auftrag gegeben noch ausgeführt worden.»

Die Arbeiten seien zur Behebung von Baumängeln am Schmutzwasserkanal an der Napthastrasse ausgeführt worden, die an den Perimeter der Baustelle grenze, so Fry weiter. Dazu, welches Unternehmen oder Subunternehmen die Arbeiten ausgeführt habe, will sich Steiner nicht äussern.

Spannend dabei: Der Verlauf der Naphtastrasse lässt sich auf einer aktuellen Karte (siehe unten) überhaupt nicht nachvollziehen. Laut einer Beschreibung erstreckte sie sich jedoch von der Turbinen- zur Maschinenstrasse.

EWZ erwartet Bericht

Auch an anderer Stelle zeigt man sich ahnungslos: Der Sprecher des Zürcher Tiefbauamtes, Stefan Hack, «kann mit Sicherheit ausschliessen, dass das Tiefbauamt in den Vorfall involviert war». Wer das Kabel beschädigt habe, wisse er auch nicht.

Ebenfalls offen bleibt die Frage, welches Unternehmen Hersteller des Teils im EWZ-Unterwerk Herden ist, das versagte. Diese kann nur das EWZ beantworten - und stellt Informationen für Ende der Woche in Aussicht. Dann erwarte man einen Bericht und wolle genauer über die Störung informieren.

 

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