Die Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid liess Mitte Mai in den grossen Schweizer Zeitungen, aber auch in Regionalzeitungen und deutschen Blättern ganzseitige Stellenanzeigen platzieren. Mit der Kampagne machten die Laufenburger nicht nur ihr aktuelles Personalproblem publik, sondern versuchten auch gleich, es auf diese Weise zu lösen. «Wir suchen dringend 20 Fachkräfte, welche die Fahrpläne für die Stromlieferungen abstimmen», bestätigt Swissgrid-Chef Hans-Peter Aebi. Diese sogenannten Systemdienstleistungs-Planer bestimmen täglich die für den Netzbetrieb erforderlichen Reserven und bestellen diese bei jenen, die die Systemdienstleistungen in Zukunft erbringen. Diese werden im geöffneten Strommarkt ausgeschrieben.

Kommt es zur Verschiebung?

Auch wenn es sich lediglich um 20 von rund 200 Swissgrid-Mitarbeitenden handelt: Ohne diese Planer ? das können zum Beispiel Elektroingenieure sein ? werde in einem liberalisierten Markt das komplexe System für das Management der Überlandnetze nicht funktionieren, warnt Aebi. Bisher ? im Monopol ? erledigen diese Arbeit die sieben Überlandwerke Atel, BKW, CKW, EGL, EOS, NOK und EWZ, denen das Höchstspannungsnetz gehört.

Mit der Marktöffnung wird diese Aufgabe Swissgrid übernehmen. Sie überwacht und steuert das Schweizer Höchstspannungsnetz, das rund 6700 km lang ist. Und sie muss den Zugang zu diesem Netz nach objektiven, transparenten und diskriminierungsfreien Kriterien garantieren. Spätestens in fünf Jahren soll nach dem Willen des Parlaments auch das Eigentum des Verbundnetzes an Swissgrid übertragen werden.

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Der Strommarkt wird in einem ersten Schritt auf den 1. Januar 2009 liberalisiert. Ab diesem Zeitpunkt können Unternehmen, die mehr als 100000 kWh Strom pro Jahr verbrauchen, ihren Elektrizitätslieferanten wechseln. In diesem Fall müssen die Stromunternehmen auf ihren Netzen die Durchleitung für fremden Strom gewähren (siehe Zweittext).

Mit dem Fachkräfte-Mangel ist jetzt allerdings der pünktliche Start der Marktöffnung in Frage gestellt. Dem Vernehmen nach schliesst Swissgrid nicht aus, beim Bund um eine Verschiebung der Marktöffnung zu ersuchen. Swissgrid-Chef Aebi sagt dazu lediglich: «Kein Kommentar.» Er will nicht schwarz malen: «Wir unternehmen alles, dass wir die nötigen Fachkräfte schnell finden.»

«Keine Doppelspurigkeiten»

Da heute in allen Branchen Fachkräfte gesucht sind, ist es allerdings auch für Swissgrid schwierig, genügend qualifiziertes Personal zu rekrutieren. «Auf die erste Kampagne haben sich zwar rund 100 Leute beworben», sagt Aebi. Von den Bewerbungen seien aber nur gerade 40% prüfenswert. Deshalb schaltet Swissgrid diese Woche die Stelleninserate noch einmal. Ein Handicap bei der Suche dürfte der Arbeitsort Laufenburg sein. Er liegt verkehrstechnisch ungünstig.

Beim Bundesamt für Energie (BFE) reagiert man gelassen auf die Personalprobleme von Swissgrid. «Zuerst müssen die Schnittstellen zwischen nationaler und regionaler Netzüberwachung so definiert sein, dass es nicht zu Doppelspurigkeit kommt», sagt BFE-Direktor Walter Steinmann. Mit anderen Worten: Was heute schon von den Überlandwerken wie NOK oder BKW erledigt wird, sollte von Swissgrid mit denselben Leuten auch in Laufenburg geleistet werden können.

 

 


Transparente Netzkosten könnten Strompreis verteuern

Auf die Netznutzungstarife für die Höchstspannungsnetze haben die Strommarktteilnehmer gespannt gewartet. Vergangenen Freitag hat die Netzbetreiberin Swissgrid diese publiziert. Die jährlichen Gesamtkosten für das Übertragungsnetz und Systemdienstleistungen belaufen sich auf rund 1 Mrd Fr. Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) erwartet, dass mit den Netznutzungstarifen die Strompreise eher steigen werden. «Aus zwei Gründen gehen wir von einem höheren Preis aus: Erstens werden verschärfte Anforderungen der EU an die Reservehaltung in der Schweiz gestellt. Zweitens sind die Unternehmen gefordert, in das Messdatenmanagement zu investieren», sagt VSE-Geschäftsleiter Josef A. Dürr. Zum Tarif selbst könne der VSE im Moment keine Stellung nehmen. Dürr: «Erst wenn der Preis über alle Netzebenen bekannt ist, können wir eine abschliessende Aussage dazu abgeben.» Da der Anteil der Netznutzungskosten im Strompreis bisher nicht bekannt war, sei ein direkter Vergleich der Tarife zur Zeit nicht möglich.

Den Eindruck des VSE, dass die Strompreise steigen würden, teilt aber auch Walter Müller, Geschäftsführer der Gruppe Grosser Stromkunden (GGS): «Auf den ersten Blick sehen die publizierten Tarife teuer aus.» Die Durchleitung einer Kilowattstunde Strom auf Höchstspannungsebene dürfte über 2 Rp. kosten. In der Diskussion rund um das Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) im Jahr 2002, dem verworfenen Vorgängergesetz des heutigen Stromversorgungsgesetzes (StromVG), ging man noch von 0,5 bis 1 Rp. aus

Die von Swissgrid publizierten Tarife werden nun durch die Regulierungsbehörde Elcom geprüft. (gwe)