Gerade erst ist im börsenkotierten Start-up Mindset ein hässlicher Machtkampf zu Ende gegangen. Innert kürzester Zeit sind CEO, CFO, ein Verwaltungsrat sowie das gesamte Ingenieurteam abgesprungen. Jetzt muss Gründer und Verwaltungsratspräsident Lorenzo Schmid im Alleingang 165 Mio Fr. auftreiben; Zeit hat er noch bis Anfang Juni. Mit dem Geld will er sein bisher nur als Prototyp existierendes Stromauto in Serie produzieren lassen. Und dieses Mal soll es besser laufen als bei seinem Leichtelektrofahrzeug Twike, das zwar heute noch produziert wird, sich aber nie auf breiter Front durchsetzte. Schmids Hoffnungen ruhen auf dem Hype rund um Stromautos, auf den guten Kritiken aus der Auto-Fachpresse - und auf finanzkräftigen Partnern aus der Strom- und der Autoindustrie.

Stromfirmen sind vorsichtig

Doch eine Umfrage der «Handelszeitung» zeigt: Die führenden Stromfirmen begegnen dem Start-up zwar mit viel Sympathie - investieren jedoch will niemand. «Bei der Entwicklung von Elektroautos bestehen selbst für die grossen Autokonzerne Risiken», sagt Alpiq-CEO Giovanni Leonardi. «Alpiq hat weder das Know-how noch die Ressourcen, um in die Entwicklung von Elektromobilen einzusteigen», so Leonardi. Laut BKW-CEO Kurt Rohrbach interessieren sich immer wieder Produzenten von Elektroautos für eine Kooperation mit dem Berner Stromkonzern. «Im Moment möchten wir aber nicht nur mit einem einzigen Produzenten zusammenarbeiten», sagt Rohrbach. Auch Axpo-Sprecherin Anahid Rickmann erklärt, dass Axpo keine Produkte herstellen will, die mit Strom betrieben werden. Insgesamt gilt: Den Stromkonzernen sind die Perspektiven der diversen Elektromodelle zu unsicher. «Ich würde im Moment keine Wette darauf eingehen, dass sich das eine oder das andere System durchsetzt», sagt BKW-CEO Rohrbach.

Eine weitere Hoffnung Schmids ruht darum auf der Automobilindustrie. Immerhin wurde Schmids Elektromobil vom renommierten früheren VW-Chefdesigner Murat Günak entworfen, der allerdings nicht mehr an Bord ist. Laut Schmid hat er derzeit auch Kontakte zu Interessenten aus der Autoindustrie. Könnte es darum sein, dass Mindset doch noch einen Treffer landet - ähnlich einem kleinen Biotech-Start-up, das von einem Pharmagiganten aufgekauft wird? «Das hat ja nicht einmal beim Smart wirklich funktioniert», entgegnet Peter de Haan, Elektromobilitäts-Experte und Gruppenleiter Klimaschutz bei Ernst Basler + Partner. Der als innovativ geltende Smart fährt bei Daimler laufend Verluste ein. «Einzig, wenn Sie eine neuartige Batterie entwickeln können, dann sind Sie ein gemachter Mann», sagt de Haan. Die Produkte von Start-ups wie Mindset seien hingegen einfach ein Auto, nicht eine radikale Innovation.

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Autokonzerne liegen vorne

Ohnehin: Laut de Haan werden die Autokonzerne die Zukunft des Elektroautos bestimmen. In einer ersten Phase werden hybride Fahrzeuge den Markt dominieren - also Autos, die auch noch einen Benzinmotor haben. «Und da sind die klassischen Autohersteller im Vorteil», sagt de Haan - wegen ihrestechnischen Know-how und ihrer Grösse, die ihnen Kostenvorteile verschaffen.

Bei den vollelektrischen Fahrzeugen besteht zwar laut de Haan für kleine Anbieter ein Schlupfloch, um in den neuen Markt einzudringen. «Die Frage ist nur, wie gross dieses Schlupfloch ist.» So dürften etwa grosse Batteriehersteller kaum Interesse an einem kleinen Start-up wie Mindset haben. «Sie interessieren sich für GM.» Dazu kommen die enormen Aufwendungen, die auf eine Autofirma warten - etwa das Gewähren der Garantie und der Aufbau eines Händlernetzes. Die breite Konsumentenschar wird darum auf bekannte Namen tendieren. Aus diesen Gründen werden laut de Haan in zehn Jahren viele Start-ups der Elektromobilbranche wie etwa Mindset «nicht mehr existieren».

Lorenzo Schmid lässt sich nicht entmutigen: «Ich bleibe optimistisch, auch weil wir ermutigende Zeichen aus der Finanzbranche haben.»