ELEKTRIZITÄTSMARKT. Es geht um «Informationsvorsprung und Organisationsfragen», begründet Felix Vontobel von der in Poschiavo niedergelassenen Stromhandelsfirma, weshalb sich die Rätia Energie nach mehreren Jahren hartnäckigen Drängens in die unabhängige Netzgesellschaft Swissgrid einkaufte, als letzte der grösseren Übertragungswerke. Swissgrid ist die neue nationale Netzgesellschaft, welche spätestens ab Oktober nächsten Jahres den nach Gesetzgeber «diskriminierungsfreien» Stromaustausch in der Schweiz gewährleisten muss.

Swissgrid ist der Dreh- und Angelpunkt der «Stromdrehscheibe»Schweiz. Eigentümer der Swissgrid sind – nach neustem Verteilschlüssel: Die Überlandwerke Atel (18,88%), BKW (11,17%), CKW (5,24%), EGL (12,32%), EOS (13,71%), das Stadtzürcher EWZ (12,61%), NOK (24,22%) sowie Rätia mit 1,85%. Die Aktienanteile entsprechen ungefähr den Anteilen am Höchstspannungsnetz, den Stromautobahnen, welche die Landesteile und Regionen sowie die ausländischen Netze mit der Schweiz verbinden.Wer die Hand am Swissgrid-Hebel hat, bestimmt also die Fliessrichtung des Stroms. Deshalb haben die eidgenössischen Räte per Gesetz vorgeschrieben, dass das Netz neutral und spätestens in fünf Jahren eigentumsmässig «ungebündelt» betrieben werden muss von den bisherigen, traditionellen Stromgebietsversorgern.Obwohl Swissgrid dem Gesetz nach von Anfang an unabhängig sein soll, wird derzeit hinter den Kulissen um den Einfluss im Unternehmen mit Sitz in Laufenburg gestritten. Ein Beteiligter, der nicht mit Namen genannt werden will, schildert der «Handelszeitung» seine Eindrücke: «Derzeit geht es um Rang und Macht, jeder hat Angst, übervorteilt zu werden.»

Problem soll bei Axpo liegen

Knackpunkt ist die Verteilung der Sitze im Verwaltungsrat, der über die Geschicke der Gesellschaft wacht. Würde jede der acht Aktionärinnen proportional Einsitz erhalten, plus die vom Gesetzgeber verlangten Vertreter von Bund und Kantonen, würde das Gremium 20 bis 24 Köpfe stark – viel zu gross. So weit wird es nicht kommen, sagte der Präsident der Vereinigung der schweizerischen Überlandwerke (Swisselectric), Hans E. Schweickardt, bereits bei früherer Gelegenheit – aber die neue Formel ist nicht in Sicht.«Kein Kommentar von unserer Seite», sagt Axpo-Mediensprecher Hansjörg Schnetzer. Nach Informationen der «Handelszeitung» liegt das Problem derzeit vorab bei der Axpo, wo Holding-Chef Heinz Karrer die Chefs der ihm angeschlossenen CKW, EGL und NOK versucht unter einen Hut zu bringen. Aber gegen eine proportionale Vertretung der Aktionäre stimmen auch die Romands, die eine Majorisierung durch «Zürich» befürchten und das Thema mit einer öffentlichen Kampagne zum Politikum erklärten.Dabei entgeht den Streithähnen nicht der offenkundige Widerspruch ihres Verhaltens: Einerseits gilt Swissgrid als unabhängig, in einem weitgehend technischen Feld, andererseits gibt es offenbar doch Interessensphären. Felix Vontobel räumt ein: «Das ist ein Widerspruch. Für Rätia ist wichtig, in der Übergangsphase nah dran zu sein an den Informationen und beim Gestalten der Übergangsregeln.»

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